Heute morgen ging es gegen 8:30 Uhr genau 10 km vor Györ los. Das Frühstück war ok….. nur so mit viel Kaffee ist nix. Nach dem Foto der ordentlichen Unterkunft ging es weiter bis Györ. In der Fußgängerzone (nett) wollte ich bei der schottischen Feinschmeckerkette Mc Doof ins Internet. Aber irgendwie war ich doof. Das Bezahlen bei WIFI hat noch geklappt, aber beim Einloggen gab es permanent Probleme mit meiner Firewall. Nach 45 Minuten habe ich den Versuch bei fast leerem Akku abgebrochen. Die Ausschilderung für Radfahrer um Györ ist schlecht. Ich habe mich verfahren (ca. 15 km). Als eine gut ausgebaute Straße auf einem Sandweg mündete bin ich noch 1 km weiter gefahren und auf einem größeren Bauerngehöft im Nirwana gelandet. Wie so viele hier sprach der Eigentümer ausgezeichnet deutsch und konnte mir exakt die Route für die nächsten 20 km erklären. Von dort aus waren es noch ca. 45 km bis Tata. Ich fuhr so gemütlich die Alleestraßen entlang, als mir auffiel, dass viel Maikäfer tot, oder fast tot auf der Straße lagen. „Schau doch mal nach, wie es auf den Bäumen aussieht“, sprach ich laut zu mir. (Ihr müsst wissen, ich führe jetzt laut Selbstgespräche, um tagsüber überhaupt mal eine Stimme zu hören). Und auf den Bäume sah ich dann die Plage: Maikäfer über Maikäfer – hunderte auf kleinen Bäumen und sicherlich tausende auf den großen, alten Alleebäumen…..über Kilometer war bei genauem Hinsehen mehr als jeder zweite Baum betroffen (je nach Baumsorte mögen die possierlichen Tiere die Blätter, oder eben nicht (das ist wie bei mir: Bier mag ich, Milch eben nicht). Meine Kamera hat im Makrobereich Probleme, aber ich hoffe, dass die Fotos einen kleinen Einblick vom Umfang der Plage vermitteln können.
Ich kann mich noch erinnern, dass ich vor über 45 Jahren mit meinem Opa Maikäfer sammeln wollte. Wir haben eine Birke nach der anderen geschüttelt. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich glaube, wir haben nicht mal eine Handvoll zusammen bekommen. Auch in den Folgejahren habe ich bei uns kaum mal einen Maikäfer gesehen (wie das Lied vom alternden Reinhard: „Es gibt keine Maikäfer mehr!“ Bei einer Deutschlandradtour 1995 hatte ich in den neuen Bundesländern auf einer Strecken von wenigen hundert Metern tausende tote Maikäfer gesehen, die Ende Mai von den dortigen Alleebäumen gefallen waren. Heute hingen teilweise auf einem kleinen Zweig 5-10 Maikäfer und der Baum war bis in die Spitze voll. Das sind sie Dinge, die ich als Radler sehe, die mir als Autofahrer aber entgehen – ein Grund mehr, öfter mal Rad zu fahren.
Problem: Bei einer Gepäcktasche ist die eine der beiden Halterungen abgegangen. Ich habe notdürftig mit Kabelbinder repariert, aber das ist keine Dauerlösung. Da muss ich mal Samstag in Budapest nachschauen, ob sich das reparieren lässt, oder ob ich eine neue Tasche benötige. Ob es in Budapest Ortlieb-Taschen gibt?
In Tata hatte ich ein sehr schönes Abendessen und vor der Weiterfahrt fragte ich den Kellner nach dem Weg. „Wollen Sie das noch schaffen? Das ist aber sehr gebirgig“ Klar wollte ich das noch schaffen, aber Kellner und Radkarte hatten recht: Das ging ganz schön in die Berge zum höchsten Punkt der heutigen Tour. Schieben war angesagt. Die Abfahrt war ein Traum. Leider habe ich es nicht mehr geschafft, von Tata einen Abstecher zu machen. Hier wurden die ältesten menschlichen Fußspuren Europas entdeckt und ausgegossen. Die Fußabdrücke des Homo Sapiens sind 500.000 Jahre alt. Andere menschliche Abdrücke sind ca. 200.000 Jahre jünger. Ich musste mich beeilen, war dunkle Wolken aufzogen. Auf gerader Strecke schaffte ich kurzfristig 28 km/h Durchschnitt. Auf der Abfahrt zeigte mein Tacho bis zu 58 km/h an. Gegen 20 Uhr erreichte ich Tarjan. Es wurde schon dunkel (sicherlich viel eher als zu Hause, weil ich schon weit im Süden bin). 15 Minuten später war es stockfinster und ein leichter regen setzte ein. Unterkunft: privat in einem Appartement für ca. 16 Euro mit Frühstück. 108 km 16 km/h Durchschnitt Wetter: heiter bis wolkig, bis 17 Uhr leichter Wind schräg von vorne (wird besser) am Abend windstill (wird noch besser) Höchsttemperatur: 21 Grad (das ist genau das, was ich auf einer Radtour brauche)
Nach dem Duschen bin ich noch auf 2 Bier in die nahe gelegene Dorfkneipe gegangen. Was mich wundert ist, dass die Biertrinker (die anderen trinken Weißwein) meistens aus Flaschen trinken, obwohl es preiswerter gezapftes Bier gibt. 0,5 l gezapftes Bier kosten 80 Cent bis1,30 Euro. Es hat sich eingeregnet – ein leichter, fast warmer Regen – hoffentlich ist es morgen trocken.
nächster Morgen: Der Himmel ist wolkenlos. Das ist das erste Mal seit meinem Start in den NL. Das Frühstück ist ausgezeichnet und ich unterhalte mich sehr nett mit der Vermieterin des Appartements. Dieses wurde vor 15 Jahren angebaut. Zuerst sind viele Radler gekommen. Dann wurde auf neuen Karten eine Route angeboten, die nicht mehr durch diesen Ort führt. Deshalb ist auch in den Sommermonaten nicht mehr viel los. Auf meiner Karte (siehe gesonderten Link) ist die Strecke über diesen Ort ab Tata auch nur als Alternativroute angeboten. Da sie knapp 10 km kürzer ist, als die Hauptroute, hatte ich mich gestern in Anbetracht der fortgeschrittenen Tageszeit für die kürzere Strecke entschieden. Beide Wege führen ins Gebirge.
So, jetzt wird noch kräftig Sonnenmilch aufgetragen und dann geht es auf die Budapest-Eappe. In der Hauptstadt soll an diesem Wochenende bis Sonntag erstmals ein Blumenfestival stattfinden (Öffnungszeiten: 9 Uhr bis 17 Uhr). Ich glaube kaum, dass ich bis 17 Uhr dort sein kann, aber mal schauen. Die Radwege sind auf keinen Fall die kürzeren Strecken, aber die schöneren. Deshalb werde ich die in der Karte verzeichnete Radroute bis Budapest einhalten.