Start: 8:30 Uhr Ende: 0:50 Uhr KM: 159 (10 Umwegkilometer und über 25 km in Budapest bei erfolgloser Suche nach Hotel) Durchschnitt: Schweigen Wetter: größtenteils sonnig, gut 20 Grad, Wind von vorne oder von der Seite, teilweise frische Brise
Ankunft fast eine Stunde nach Mitternacht in Lakihegy
Motel für 40 €
Text wenn ich meine Worte wieder gefunden habe. Fotos folgen dann auch
Hier der Nachtrag: Dabei hatte alles so gut angefangen. Ein schönes Frühstück mit einem Plausch in Tarjan. Das Wetter war gut und so machte es mir kaum was aus, dass es weiter über diverse Hügel ging und ich hin und wieder schieben musste. Ich hatte ja ein erstes Ziel: Estergom, die katholische Hochburg Ungarn und Hauptstadt des frühen Mgyaren-Staates (zur ersten Jahrtausendwende). Schon mehrere Kilometer vor der Stadt sieht man die Basilika, das größte Gotteshaus in Ungarn. Estergom, mehrfach zerstört, u.a. von Tataren und Türken.
Auch Estergom wird (wie schon Tullin) im Nibelungenlied erwähnt.
Recht nah an der Kathedrale habe ich mir ei gutes Essen gegönnt. Wie immer im Ausland, favorisiere ich Gerichte aus der Gegend, zumindest aber andere als zu Hause. Als Vorspeise gab es eine kohlartige Suppe mit tollen Klößen in einer größeren Terrine (das Rezept kommt aus Siebenbürgen). Als Hauptspeise habe ich mir Wildscheingeschnetzeltes in einem originellen Blätterteig ausgesucht. Mit 2 oder 3 Getränken für unter 15 Euro finde ich das in zentraler Lage völlig ok. Auf Sylt hätte ich dafür kaum eine Fischsuppe bekommen.
Dann das Donauknie: Neben dem Balaton das eindrucksvollste Naturschauspiel Ungarns. Vom Schiff her soll das total toll sein und erinnert mich etwas an die Lorelei, warum auch immer. Die Donau hat vor Urzeiten sich ihren Weg durch das Gebirge gebahnt. Links und rechts der Donau bewaldete Berge. Zuerst ein schöner Radweg – später geht es auf der Bundesstraße weiter, bevor man vor Budapest wieder Radwege abseits der Hauptstr. findet. Einige KM vor Budapest gibt es eine Zeile mit Buden (Getränke, Essen) direkt an der Donau. Bei gutem Wetter ist dort viel los. Ich möchte aber früh in der Hauptstadt sein und Fahre weiter, obwohl mein Gaumen zittert. Dann gab es auf einer Halbinsel eine Open-Air-Veranstaltung. …………..immer noch weiter, weil ich ein Hotel haben möchte und anschließend noch einen netten Abend in der Altstadt.
Jetzt kommt’s: ich hätte heute morgen besser zuhören sollen. Alle Ungarn (außer AN in den Geschäften) haben in der Vorwoche auch am Samstag gearbeitet. Der Freitag als Brückentag war dadurch frei. Außerdem gibt es in Budapest ein Blumenfestival……………….und in allen europ. Ländern ist Donnerstag frei gewesen und ein verlängertes WE bietet sich an. Ergebnis: in ganz Budapest gibt es kein freies Zimmer. Ich fing um 19 Uhr an zu suchen und gegen 22:30 Uhr habe ich es aufgegeben. Was tun? Übernachtung im Bahnhof? Das heiße kein Auge zumachen, um möglichem Diebstahl vorzubeugen. Ich entschloss mich, weiter zu fahren. Mein Adrenalinspiegel war so hoch, dass eine Fahrt durch die Nacht vom physischen Standpunkt her kein Problem war. Über viele Kilometer war die Donau noch beleuchtet. Ab 23 Uhr habe ich mir einen zweiten Pullover und eine zweite Hose angezogen. Dann kamen Mc Donalds und Burgerking. Beide machten gerade zu. Dann weiter zu einer Tankstelle: Ich habe mich für die Nacht eingedeckt. Für mich war klar: Fahren so lange es geht, und dann im Freien übernachten; evtl. finde ich dann ja ein Bushäuschen. Warum habe ich nicht auf die vielen Stimmen gehört: „Wenn schon kein Zelt, nimm wenigstens eine Unterlage und einen Schlafsack mit.“ Es ist weit nach Mitternacht. Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Dann, ich kann es kaum glauben: 20 km südlich von Budapest in einem kleinen Dorf gibt es ein Motel, welches 24 Stunden geöffnet hat. Um 0:50 Uhr checke ich ein. Bei der Weiterfahrt am nächsten Morgen muss ich erkennen, dass es das einzige Hotel weit und breit war, welches auf hatte. Spätestens 10 km weiter hätte ich wirklich im Freien übernachten müssen, weil die Wegstrecke eine Weiterfahrt nicht zugelassen hätte. An so einem Tag spiele ich schon mit dem Gedanken „wofür das alles?“. Aber spätestens am nächsten Tag ist für mich klar: In diesen 7 Wochen ist einmal nicht der Weg das Ziel. Das Ziel ist klar vorgegeben und heißt Istanbul. Falls nichts Außergewöhnliches passiert, will ich dieses Ziel erreichen und die Empfindlichkeiten müssen hinten anstehen.