Wer erinnert sich nicht an die Nachrichten im Sommer und Herbst 1991 über Vukovar und die fürchterlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nach der Einnahme der Stadt durch serbische Truppen verübt wurden und zum Teil in Den Haag abgeurteilt wurden.
Zur Erinnerung verweise ich auf einen kleinen Film bei Youtube, den ich empfehlen möchte:
Die Hinweisschilder auf Minen sehe ich immer mal wieder im Grenzbereich zu Serbien. Nach dem Grenzübetritt von Ungarn, vor unter hinter Osijek und nebem dem Gedenkfriedhof tauchten in Waldstücken diese oder ähnliche Schilder auf. Ich weiss nicht, ob die Gefahr noch real existiert, jedoch gehe ich, wenn ich unterwegs mal den Kaffee wegbringen muss, nicht sehr weit in die Büsche.
Das obige Hotel ist nicht zu empfehlen. Das Hotel (unten) macht von außen einen guten, aber nicht preiswerten Eindruck
Vukovar
Heute hat der innere Schweinehund gewonnen
Das Frühstück heute morgen war gut. Wie die Fotos belegen, ist die Anlage sehr ordentlich. Um 9:30 Uhr starte ich bei schönem Wetter. Bis Mittag wird es zunehmend wolkiger. Die Temperaturen von gut 20 Grad sind angenehm. Der Wind ist schwach und kommt von vorne und seitlich. Bis zum Mittagessen in Osijek beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit gut 18 km/h. Ich fahre die 12 km bis zur Grenze und werde das erste Mal auf dieser Tour kontrolliert. Der kroatische Zöllner stempelt meinen Reisepass ab. Ich bin halt nicht mehr in der EU.
Achtung: Die Bundesstraße vor der Grenze (ca. 9 km) und einige Kilometer nach der Grenze ist für Radfahrer beim morgens und nachmittags gesperrt. Ich weiß nicht, ob diese Sperrung überwacht wird.
Hier die Sperrzeiten (aus meiner Erinnerung): 6:00 Uhr bis 9:00Uhr und 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Dann komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Direkt hinter der Grenze gibt es Fahrradschilder – weiter so. Aber da habe ich mich zu früh gefreut. Es folgen keine weiteren Radschilder und so verpasse ich die Radroute des EuroVelo und fahre über die belebt Bundesstraße nach Osijek. Um 13:30 Uhr komme ich nach knapp 55 km passend zum Mittagessen dort an und gönne mir eine Pizza (5 €), die ich kaum aufessen kann, so groß ist sie. Hier schreibe ich diesen Text. Ich habe mir mittlerweile überlegt, auch hinter Osijek nicht den Radweg, sondern weiter die Bundesstraße nutzen möchte. Dieser Weg ist zwar wesentlich unangenehmer, aber auch wesentlich kürzer. Ich hoffe früh in Vukovar anzukommen und möchte dort die Stadt bei einem ausgedehnten Bummel (soweit meine Hüfte mitspielt) erkunden. Mich interessiert, wie es in der Stadt, die vor den schrecklichen Kriegsereignissen so viele Einwohner wie Herford hatte, mittlerweile aussieht. Noch immer wohnen dort 30.000 Einwohner, insbesondere kroatischer, aber auch serbischer Abstammung. Sie wohnen neben-, nicht miteinander. Jede Volksgruppe wohnt für sich und hat z.B. seine eigenen Schulen, Restaurants usw., von der Schrift ganz zu schweigen: Die eine Schule unterrichtet kyrillische Schriftzeichen, die andere lateinische. ----------------------------------------------------------------------------------- Ankunft in Vukvar. Ich bereue, dass ich die verkehrsreiche Hauptstraße genommen habe. Die nächsten knapp 4 Wochen darf mein innerer Schweinehund nicht wieder siegen. Ich fahre mit einem beklemmenden Gefühl in eine Stadt, die vor einer halben Generation zu 95% zerstört wurde und wo unmenschliche, menschenverachtende Dinge passiert sind. Die Stadt hat sich noch nicht von den Geschehnissen 1991 erholt. Man sieht aber, dass vielerorts wieder aufgebaut wurde. Teilweise wohnen die Menschen in Backsteinhäusern, die noch nicht wieder verputzt sind. Man sieht noch Ruinen und allerorts groß- und kleinkalibrige Einschusslöcher in Außenwänden, die nur notdürftig renoviert wurden. Auf einem Hinweisschild in der Innenstadt lese ich, dass zuerst die historisch wichtigen Bauten renoviert werden. Man wolle zeigen, dass man zum westlichen Kulturkreis gehöre. Gleich mache ich den Bummel durch die Stadt. Ankunft: 17 Uhr 2** -Hotel direkt an der Donau für 40 Euro. Das Hotel ist sicherlich unteres Niveau. Der Rahmen der Eingangstür zeigt noch Einschusslöcher von Handfeuerwaffen auf. Alles (auch Bad) sehr einfach, aber wohl sauber. Aber was kann man in einer derart gebeutelten Stadt auch erwarten? Ich bin jedenfalls zufrieden. 92 km (19 km/h Durchschnitt) nachmittags stark bewölkt und einige Tropfen.
-------------------------------------------------------------------------- Der Stadtbummel ist sehr ernüchternd. Überall sieht man noch das Resultat, welches viele hunderttausend Granaten angerichtet haben. Einzelne Häuser sind zum Teil wieder hergerichtet, während andere Teile des gleichen Gebäudes noch in Trümmern liegen. Hier dürfte wahrscheinlich kein Statiker in Deutschland seine Unterschrift für eine Bewohnbarkeit geben, aber was sollen die Menschen hier machen? Einige Bereich sind neu aufgebaut worden. Die Stadt hat es bisher geschafft, dass 12.000 Einwohner zurückgekehrt sind. Auf einer Tafel steht, dass neben den Toten durch die eigentlichen Kriegshandlungen 5000 Kroaten in serbische Lager verschleppt wurden und dort misshandelt oder teilweise auch getötet wurden. Hier wird es kaum eine kroatische Familie geben, wo Angehörige nicht Opfer der Barbarei geworden sind und entweder verstorben, oder schwer traumatisiert sind.
-------------------------------------
DIE ZEIT
Salzsäure ins Gesicht
Von Michael Thumann
Vukovar
Es ist eine Reise in einen Staat, der kurz vor dem Ende steht. Zwei Kilometer hinter dem serbischen Städtchen Sid, unweit der Autobahn zwischen Belgrad und Zagreb, kommen wir an die Grenze. Die jugoslawischen Beamten kontrollieren unsere Pässe und winken uns weiter. Wir passieren ein Schild mit blasser Aufschrift: "Republika Srpska Krajina". Hinter dem Schild erstreckt sich - in schon fast aufdringlicher Symbolik - ein Friedhof. Der größte Teil der nicht anerkannten Republik ist in diesem Sommer im kroatischen Artilleriefeuer untergegangen: Die Truppen von Präsident Franjo Tudjman rückten im Mai in Westslawonien, im August in die Region Krajina ein. Übrig geblieben ist den Serben nur noch ein Restgebiet an der Donau im Osten Kroatiens: Ostslawonien und die Baranja, das die Serben "Bezirk von Baranja und Syrmien (Srem)" genannt haben. Sie sind bescheiden geworden.
Während wir lange und umständlich von den Grenzbeamten kontrolliert werden, fährt ein großer Tanklastzug aus Belgrad, ohne anzuhalten, an uns vorbei. Der Bezirk hängt am Tropf Jugoslawiens (Serbien und Montenegro): Das Benzin kommt von jenseits der Donau, auch der Strom, die meisten Nahrungsmittel, die Autos, das Geld, die Waffen. Wir folgen dem Verkehr. Ostslawonien lebt im Ausnahmezustand: Die Schulen sind geschlossen, die Fabriken produzieren kaum noch etwas, es fahren nur wenige Busse; wer weiterkommen will, muß hoffen, daß ihn ein reicher Händler in seinem Mercedes oder Volvo mitnimmt, andere Autos fahren hier kaum noch. Selbst die Soldaten müssen trampen - die "Krajinaarmee" hat nicht genügend Lastwagen. Die meisten Felder des fruchtbaren Gebietes liegen brach, viele sind vermint. Auf jeder größeren Kreuzung patrouillieren Soldaten, öffentliche Gebäude sind hinter Sandsäcken versteckt.
Der schmale Streifen Land entlang der Donau war die letzte große offene Rechnung zwischen Kroatien und Serbien. Über Bosnien, das wußten die Präsidenten Tudjman und Milosevic, würden sie sich schon einig werden. Aber über die von Serben kontrollierten Gebiete Kroatiens drohten sie Krieg gegeneinander zu führen. Slobodan Milosevic hielt still, als Tudjman sich im Sommer die Krajina zurückholte; er nahm die Demütigung und die 200 000 Flüchtlinge, die nach Serbien strömten, in Kauf. Schloß seine kalkulierte Langmut auch Ostslawonien mit ein? Immerhin war hier mehr als nur Karst aufzugeben - die Kontrolle über das rechte Donauufer, Ölquellen in der Baranja, eine Pufferzone zu Kroatien. Selbst das kann Milosevic heute nicht mehr locken: Um die Sanktionen abzuschütteln und sein Land aus der Isolation zu befreien, ist er zu Kompromissen bereit, an die er vor vier Jahren nicht im Traum gedacht hätte.
Der kroatische Präsident Tudjman drohte den ostslawonischen Serben wiederholt mit einer militärischen Attacke, wenn sie sich nicht bis Ende November zu einer friedlichen Eingliederung nach Kroatien verpflichten würden. Daß der Kriegsherr keine leeren Drohungen aussprach, hatte er in der Krajina gezeigt. Seine auf Angriff trainierten Truppen waren nach Ostslawonien verlegt worden; Panzer- und Artillerieeinheiten warteten auf den Marschbefehl. Die Serben jenseits der Front wußten, daß sie keine Wahl hatten. Milosevic drängte sie, ein Abkommen zu unterschreiben. Nach wochenlangen diplomatischen Zickzackmanövern unterzeichnete Verhandlungsführer Milan Milanovic am vorigen Sonntag das Abkommen. Verglichen mit den bisherigen Forderungen der Serben, kommt es einer Kapitulationsurkunde gleich.
Das Gebiet soll wieder nach Kroatien eingegliedert werden. Für eine Übergangsperiode von einem Jahr soll die Uno eine Verwaltung einrichten, die mit Hilfe internationaler Streitkräfte die serbischen Verbände entwaffnet, die Serben aber zugleich vor kroatischen Übergriffen schützt. Das Gebiet wird demilitarisiert, seine Grenze zu Serbien international kontrolliert. Einen Monat vor Ablauf der Übergangsverwaltung, die um ein Jahr verlängert werden kann, sollen Wahlen stattfinden. Die Menschenrechte müssen eingehalten werden; von Autonomierechten für die Serben ist nicht die Rede.
Für Tudjman ging es in den Verhandlungen immer ums Prinzip: Kroatien ist Anfang 1992 in den Grenzen anerkannt worden, die das kommunistische Jugoslawien einst als innere Verwaltungsgrenzen festgelegt hatte. Diese entsprachen allerdings oft nicht der Bevölkerungsverteilung. Ostslawonien müßte dementsprechend nicht zwingend als Ganzes zu Kroatien gehören. In Vukovar zum Beispiel lebten vor 1991 nicht wesentlich weniger Serben als Kroaten. Manche Dörfer in Syrmien und der Baranja wurden mehrheitlich von Serben, andere von Kroaten bewohnt. Dazu kamen Ungarn, Slowaken, Rusinen. Ostslawonien ist eines der klassischen Mischgebiete des ehemaligen Jugoslawien, in denen Streit absehbar war, als Kroatien in die Unabhängigkeit drängte.
Hier brachen im Mai 1991 die ersten Kämpfe zwischen Serben und Kroaten aus. Jedes Dorf trägt die Spuren, die größte Stadt ist im Krieg untergegangen. Nach Vukovar hinein führt die "Straße der jugoslawischen Volksarmee". Sie hieß so, bevor ihr Namensgeber 1991 die Stadt zerstörte. Vergeblich suchen wir das Zentrum. Das ehemalige schöne Barockstädtchen existiert nur noch in alten Bildbänden. Im Bombardement der Volksarmee, die für serbische Interessen schoß, barsten die filigranen Fassaden, zerbrachen die winkligen Dächer, verkohlten die verzierten Holztüren. Heute ist Vukovars Innenstadt ein Ruinenparcours, allein das Hotel "Dunav" und das serbische Kulturzentrum sind wiederhergerichtet. Der serbische Architekt Bogdan Bogdanovic nannte Vukovar als Musterbeispiel für ein "rituelles Städtemorden": "Die Angreifer erinnern an einen Wahnsinnigen, der einer schönen Frau Salzsäure ins Gesicht schüttet und ihr dabei ein neues, schöneres Antlitz verspricht."
Im Bürgermeisteramt von Vukovar sitzt Slobodan Popovic in Kampfuniform. Auch er, der Kabinettschef des Bürgermeisters, ist mobilisiert worden. "Wir Serben waren hier immer ein konstituierendes Volk", erklärt er. "Aber 1991 machte uns die kroatische Regierung über Nacht zur rechtlosen Minderheit." Popovic nahm damals sein Gewehr in die Hand, ging zu den Belagerern Vukovars auf die andere Seite der Donau hinüber und schoß auf seine eigene Stadt. "Ich habe Vukovar verteidigt", sagt er. Und zerstört, fügen wir hinzu.
Er schweigt kurz, blickt weg und sagt: "Das waren die Ustase. Wir bauen alles wieder so auf, wie es war."
Vukovar fiel am 18. November 1991 nach viermonatiger Belagerung in die Hand der jugoslawischen Volksarmee, die sich bald darauf zurückzog und den zum Terror angereisten serbischen Extremisten freie Hand ließ. Dragica, eine 75jährige Rentnerin aus dem benachbarten Dorf Dalj, erinnert sich: "Die serbischen Soldaten haben damals massenhaft Busse herangeschafft und sagten den Kroaten, sie sollten gehen." Für die Vertreibungsfahrten war meistens auch noch eine Fahrkarte zu lösen. "Viele Kroaten fuhren dann nach Osijek, jenseits der Front", sagt Dragica. "Dort wohnte mein Sohn, aber er flüchtete bald vor den Kroaten und kam zu uns."
Die Verbrechen von 1991 sind nicht vergessen. Das Internationale Tribunal in Den Haag hat jetzt drei ranghohe serbische Offiziere der ehemaligen Volksarmee angeklagt. Ihnen wird zur Last gelegt, an der Erschießung von 261 überwiegend kroatischen Männern aus dem Krankenhaus von Vukovar beteiligt gewesen zu sein. Umgekehrt hoffen serbische Opfer auf die Anklage gegen Branimir Glavas, den Tudjman-Parteigänger und berüchtigten Kommandanten der kroatischen Nationalgarde in Osijek. Ostslawonien war die Manege der Massenmörder, sie haben blutgetränkte Erde hinterlassen und Angst in den Menschen gesät.
Radio und Fernsehen in Vukovar schüren diese Angst, wenn sie über Kroatien berichten. Die Journalisten arbeiten in einem Zweifamilienhaus am Stadtrand, unter einem Dach mit dem staatlichen Pressebüro. Die Grenzen sind fließend. Aus Kroatien informieren die Journalisten vor allem über die Greuel kroatischer Soldaten, Polizisten und Zivilisten in der ehemaligen Krajina. Von dort gibt es in der Tat Furchtbares zu berichten, das keiner Übertreibung mehr bedarf: Die Uno hat 21 000 in Brand gesteckte serbische Häuser gezählt und über hundert ermordete Serben, meist wehrlose Alte; immer noch werden Häuser geplündert, der Terror geht weiter. Die Nachrichten aus der Krajina lassen viele Serben in Ostslawonien zu der ebenso einfachen wie falschen Überzeugung gelangen, daß Franjo Tudjman nicht besser sei als der einstige Ustasa-Führer Ante Pavelic zur Zeit der Besetzung durch Hitlers Wehrmacht.
Das Abkommen über Ostslawonien garantiert den kroatischen Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Häuser und Wohnungen. Werden die Serben wieder mit den Kroaten zusammenleben können? Slobodan Popovic schüttelt den Kopf. "Ich habe damals den Haß in ihren Augen gesehen. Das können Sie als Westeuropäer nicht verstehen, Zusammenleben ist hier unmöglich." Und er erinnert an die Krajina: "Dort schaut die Welt zu. Wer garantiert denn, daß es uns anders geht?" In Ostslawonien ist 1991 der Krieg ausgebrochen, als kroatische Polizisten in serbische Dörfer kamen. Was wird passieren, wenn sie demnächst wiederkehren?
Dragica schweigt auf diese Frage und gießt Kaffee ein, der uns im völlig ausgekühlten Wohnzimmer wärmen soll. Ihr 85jähriger Mann liegt krank im Nebenzimmer, ihr Sohn dient in einem Nachschubregiment der Armee. Sie leben von 25 Mark Rente im Monat und dem Geld, das die in Göttingen wohnende Tochter schickt. Hinter ihrem Haus haben sie einen kleinen Gemüsegarten angelegt. "Wenn die Kroaten kommen, gehen wir", sagt Dragica. "Sie werden unser Haus anzünden." Hat sie kein Vertrauen in das Abkommen, das internationale Polizeikräfte vorsieht? "Wissen Sie, den Glauben an irgendwelche Verträge haben wir schon lange verloren. Wir vertrauen hier niemandem mehr", sagt sie.
Es scheint, als würden mit dem nahenden Ende des "Bezirks von Baranja und Syrmien" auch viele seiner Bewohner gehen. Über 150 000 Menschen sollen hier noch leben, darunter serbische Flüchtlinge aus Westslawonien und der Krajina. Wenn die Kroaten zurückkehren, werden viele Serben mit ihren Wagen und Karren die Donaubrücken in Richtung Jugoslawien verstopfen. So betrachtet, ist das Abkommen über Ostslawonien der Rahmenvertrag für die friedliche Abwanderung der Serben. Ein bitterer Preis für Milosevic, der jetzt schon 750 000 Flüchtlinge im Land hat.
Als wir über die Donaubrücke bei Erdut den "Bezirk" verlassen und auf den Landstraßen Richtung Belgrad fahren, kommen uns zahllose Militärkolonnen entgegen. In den grenznahen Dörfern stehen Panzer und Artilleriehaubitzen in den Hofeinfahrten: jede Siedlung eine Garnisonsstadt. Das Novi-Sad-Korps der jugoslawischen Armee hält nahe der Donau Manöver ab. Hätte es eingegriffen, wenn Tudjman seinen Soldaten den Marschbefehl gegeben hätte? Niemand weiß es. Aber die internationalen Vermittler wußten, daß Ostslawonien eines Abkommens bedurfte, um die Katastrophe auszuschließen.
DIE ZEIT, 47/1995
----------------------------------------------- Essen im Hotel Dunav: a la carte:
Fischsuppe: gibt’s heute nicht Welche von den 6 Suppen lt. Speisekarte gibt es denn? Nur Rindssuppe und Tomatensuppe
Gut, dann nehme ich die Rindssuppe. Dazu hätte ich gerne Fisch in Paprika. Der ist heute leider nicht da. Na gut, ich habe dann noch was auf der Karte gefunden, was auch vorhanden war. Ich muss in vielerlei Dingen meine Ansprüche langsam zurückschrauben.
----------------------------------------------------------------------------- Das Hotel Dunav ** möchte ich nicht weiter empfehlen. Das Frühstück am nächsten Morgen ist völlig unzureichend. Es gibt Weißbrot, Marmelade für eine kl. Scheibe Weißbrot und Gänseleberpastete für eine kleine Scheibe Weißbrot, dazu eine Tasse Kaffee. Ich frühstücke mit einem deutschen Ehepaar, die mit anderen Leuten eine Motorradtour durch das frühere Jugoslawien, außer Serbien, machen. Dabei höre ich, dass es am Vortag in den Bergen um Sarajevo stark geregnet hat. Ich habe mit ganz wenigen Tropfen wieder mal Glück gehabt.
Direkt hinter dem Ortsausgang von Vukova liegt der Gedenkfriedhof für die kroatischen Opfer des Sommers/Herbstes 1991. Nach meiner Abfahrt am 6.5. besichtige ich diesen Friedhof. Auf fast jedem Grabstein ist ein Foto des Getöteten. Zusätzlich gibt es 2 Felder mit weißen Holzkreuzen für jeden damals getöteten Menschen – über 1000 Kreuze stehen dort. Vor dem Waldstück neben dem Friedhof stehen Schilder die auf mögliche Minen hinweisen.
Die Motorradfahren haben mit jungen Kroaten gesprochen und gefragt, wie das Verhältnis aktuell zwischen Serben und Kroaten in Kroatien ist. Es wurde geantwortet dass gerade die jungen Menschen (nicht die ältere Generation) erkannt haben, dass der Krieg, der nur menschliches Leid und wirtschaftlichen Niedergang brachte, sich nicht wiederholen darf. Man studiert zusammen und möchte ein ganz normales Leben in einem beruhigten Umfeld geießen.
Ich drücke den Kroaten und Serben die Daumen, dass möglichst schnell die Kriegsschäden beseitigt werden können und ein normaler Umgang miteinander möglich ist.
ach und dann habe ich eben gerade diese mail erhalten:
sie sind schon ziemlich unverschämt...
einerseits haben sie das motto: aufeinander zugehen. sie wollen auch tibets flagge hissen. sie machen schweigeminuten für die kz-opfer.
alles eigentlich sehr löblich, aber mir ist nicht ihre antiphatie gegenüber serbien entgangen. nun steht es jedem frei antiphatien und symphatien zu haben, aber am besten ist es doch wenn es begründet, und das ehrlich begründet ist.
ich nehme mir mal die freiheit zu spekulieren und behaupte, das sie jedes wort glauben was in den medien veröffentlicht wird. und wenn sie das wort "nationalisten" hören, dann klingelts gewaltig in ihren ohren, habe ich recht?
ich hab kein bock mehr eigentlich weiter zu schreiben, aber eines soll ihnen gesagt sein:
1. unsere nationalisten sind nicht so dumm und ignorant wie ihre, die deutschen nationalisten. da gibt es gewaltige unterschiede, und falls sie es vergessen haben, unsere nationalisten haben gegen "ihre" nationalisten aus dem 3. reich gekämpft, also denken sie bitte nach bevor sie so n anti-serbischen scheiss posten.