Mit 2 Flaggen bin ich losgefahren und zwar mit der Fahne der EU und der Fahne Tibets.
Die Flagge der EU ist mit bei der Übernachtung im Motel ca. 20 km südlich von Budapest abhanden gekommen. Man könnte auch sagen, da hat einer meine Flagge mitgenommen, ohne mein Einverständnis dafür einzuholen. Na ja, er mag unzutreffender Weise davon ausgegangen sein, dass ich ihm die Flagge schenke.
Nun geht es also nur noch mit der Flagge Tibets weiter, aber das ist die für mich wichtigere.
In früheren Jahren wurde ich in Anbetracht meines Gepäcks immer gefragt: Woher? Wohin? Jetzt werde ich meistens zuerst auf die Flagge angesprochen. Sie ist das beste Kommunikationsmittel. Etwas die Hälfte der Leute kennen die Fahne nicht und fragt danach, und die andere Hälfte spricht mich zustimmend auf sie an. Morgen fahre ich nach Serbien. Da werde ich sicherheitshalber die noch verbliebene Fahne einpacken. Die EU-Flagge wäre hier sicherlich noch viel weniger angekommen. Ich werde bis zum Ende der Tour immer mal wieder ein Foto einstellen, auf dem die Flagge Tibets eine Rolle spielt. Es ist nur ein Zeichen, aber immerhin ein Zeichen. Die Zeichen der ostwestfälischen Wirtschaft stehen anders. Ich kann mich an einen Artikel in der NW erinnern. Er war groß aufgemacht und ist etwa 6-8 Wochen alt. 400 ostwestfälische Firmen haben Dependancen in China und sehen im Tibetkonflikt keinerlei Gefahr für ihre Geschäfte. Das Geschäft mit der demnächst größten Wirtschaftsmacht der Welt wächst und gedeiht und was kümmern einen da wirklich einige hundert, oder gar tausend tote Tibetaner? Ist zwar schade, so die Meinung der heimischen Wirtschaft, aber unser Engagement am Wirtschaftsstandort darf dadurch nicht gefährdet sein. Immerhin können wir da z.B. vieeel preiswerter produzieren lassen, als hier zu Hause.
Na ja, ich bin da anderer Meinung und fahre weiter mit der Flagge, obwohl das, realistisch betrachtet, genauso so entscheidend ist, als wenn auf dem Hamburger Fischmarkt eine Pferdewurst anbrennt.