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Das lange Warten
oder
Der Schatz im Silbersee

93 km (17 km/h bei häufigem Gegenwind und nicht immer asphaltierten Wegen für mich ok)

Heute morgen ging es nach einem „schmalen" Frühstück (weil ich kein Omelett haben wollte, gab es zu dem Weisbrot nur Butter und 2*20 Gramm Marmelade) um 8:15 Uhr los.
Ich habe leider die Ausfahrt nach Starveco verpasst und bin über die viel befahrene Straße Nr.24 nach Kovin gefahren. Von dort habe ich die Alternativroute über Gaj nach Dubovac genommen. Genau zwischen den beiden Orten liegt ein kleines Dorf (Sumarak). Am Ortsausgang ist gerade ein neues, kleines Restaurant gebaut worden (Foto).
Das will ich mir doch mal anschauen. Es ist nach 12 Uhr, ich habe 55 km gefahren und Hunger.
Eine Speisekarte gib es noch nicht. Niemand spricht deutsch oder englisch. Was tun? Einer der Gäste kann ein einziges passendes Wort auf englisch: „chicken"?. Klar, das weiß ich, was ich habe. Mir ist egal, ob es ein ganzer Gockel ist, Brustfilets oder gar Rührei?
Ich habe richtig gewählt. Ich erhalte 3 gegrillte Geflügelsteaks mit Cola (das Wort „light" wurde nicht verstanden) und einer Tasse Kaffee für gut 8 Euro. Ich bin zufrieden.
Nach 70 km habe ich den Kanal Donau-Tisa-Donau erreicht. Ich fahre den schmalen Trampelpfad auf dem Deich. Da es hier länger nicht geregnet hat, macht das Fahren auf dem Deich Spaß.
Nach 5 Kilometern (bei Kilometerstand 75) erreiche ich Stara Palanka, an der Grenze zu Rumänien.
Ich möchte jedoch die Grenze nicht überschreiten und links an der Donau weiter fahren, sondern mit der Fähre Stara Palanka-Ram die hier ca. 1 km breite Donau überqueren. An der Fährstation merke ich, dass eine längere Wartezeit angesagt ist. Die Fähre fährt nur alle 3 Stunden. Hier die Abfahrtszeiten für Radler, die evtl. auch mal vorhaben, hier die Donau zu überqueren:
7 Uhr
10 Uhr
13 Uhr
16 Uhr
19 Uhr
Am Anleger treffe ich noch ein Radlerehepaar, die von Donaueschingen bis zum Delta fahren. Bei ihnen spielt Zeit keine Rolle. Sie sind Anfang April losgefahren und lassen sich vom Ankunftstag überraschen. Abends übernachten wir am Silbersee im selben Hotel.
Ich habe 120 Minuten Aufenthalt (die 16 Uhr Fähre legt nämlich erst im 16:20 Uhr ab) und sitze hier auf einer schattigen Terrasse und schreibe diesen Text. Wenn ich vor Minuten auch noch leicht unschlüssig war, ob ich bis zum Silbersee (3 km vor Veliko Gradiste) oder bis Golubac fahre, hat sich durch den längeren Aufenthalt hier die Frage von selbst beantwortet. Bis zum Hotel am Silbersee sind es noch gut 15 Kilometer und ich müsste gegen 17:30 Uhr da sein. Dann habe ich noch etwas vom Abend. Bis Golubac wäre es gut 20 km weiter und dann wäre ich mit einer kleinen Pause erst nach 19 Uhr da. Nach dem Duschen wäre es dann schon dunkel und das ist mir zu spät.
Das Wetter heute ist heiter und wolkig. Der Wind kommt, je nach Fahrtrichtung von vorne, oder von der Seite. Auf Rückenwind muss ich leider immer noch warten. Die Temperatur dürfte bei 20 Grad liegen. Immer wenn die Sonne weg ist, reicht das T-Shirt nicht mehr aus.
Morgen gibt es dann nicht so sehr viele Hotels auf meinem Weg und ich werde voraussichtlich eine relativ kurze Etappe bis Donji Milanovac fahren. Vielleicht bietet sich deshalb an, dass ich heute mal mein „Rei in der Tube" benutze, bevor einzelne Wäschestücke eine grünlich-blaue Farbe annehmen. Die Sachen könnten dann morgen früh ggf. noch zu Ende trocknen.
Das wären morgen gut 90 km und übermorgen mal wieder einige km länger, nämlich bis Negotin. Diese Stadt liegt 20 km vor der bulgarischen Grenze und weil ich noch serbisches Geld übrig habe, würde sich dort eine Übernachtung anbieten.

Montagmorgen werde ich dann voraussichtlich die Grenze nach Bulgarien überschreiten und mit einer kleinen Etappe könnte ich bis zum Nachmittag Vidin erreichen. Dort gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten und vielleicht finde ich ja auch mal wieder ein Internet-Cafe, um meine Homepage zu vervollständigen und um einige emails zu beantworten.

Ankunft: 17:45 Uhr
Übernachtung im Hotel Dunavski: ca. 15 Euro
Abendessen im Übernachtungshotel ca. 15 Euro (Fischsuppe – 1,5 Süppchen --, Salat, Fleischplatte, 3 kl. Flaschen Bier – gezapftes Bier gibt es leider nicht)
Service: nett, aber weder deutsch (ganz wenige Brocken), noch englisch

Frühstück: gut
insgesamt kann ich diese Unterkunft empfehlen.
Die sanitären Einrichtungen entsprechen westeuropäischem Standart und das Schlafzimmer ist sehr sauber.

Der Silbersee ist ein touristisch erschlossener See (Abdeichung von der Donau) in einem Gebiet voller Biotope im Bereich der Donau – mit allen Vor- und Nachteilen, die der Tourismus bietet. Der eine mag’s, der andere nicht. Hier stehen am Strand mehrere Restaurants, Eisdielen, Nippes-Läden uvm. Auf dem See sind Kinder in Tretbooten unterwegs.
Ich esse auf der Terrasse meines Hotels und genieße die untergehende Sonne. Langsam wir es sehr kühl. Um 8 Uhr ist es völlig dunkel.
In Serbien gilt eine andere Zeitzone (MEZ+1 Std.). Weil die Serben jedoch keine Sommerzeit haben, ändert sich bei meiner Uhr nichts.
Da ich nicht wusste, dass die Serben bei der Sommerzeit nicht mitmachen, bin ich vor 2 Tagen beim Frühstück nicht bedient worden --- es waren noch die Putzfrauen am Werk, denn es war erst 6 Uhr (statt 7 Uhr, wie ich dachte)



Foto oben: Hotel am Silbersee