Das Frühstück im Sporthotel war ok. Ab 8 Uhr war auschecken und ich wollte dann gleich los. Zuerst war es ein Problem, wieder an mein Rad zu kommen und ich hatte es bald auch nicht mehr ganz so eilig, weil es kalt und am nieseln war. Dann sprach mich einer der Sportler auf englisch an. Er ist auch Radsportler. Dann kamen 2 Deutsche hinzu, die ich gestern an einem der Tische im Restaurant wahrgenommen hatte. Sie fahren von Donaueschingen bis zum Donaudelta, jedoch über mehrere Jahresfahrten. Dieses Jahr ist Belgrad bis Delta angesagt. Im Gegensatz zu meinen Planungen wollen sich die beiden Sportler hauptsächlich auf der rumänischen Seite der Donau aufhalten. Ich fahre bei leichtem Regen los und hoffe, dass es bald aufhört, weil ich meine Regensachen nicht anziehen möchte. Ich behalte recht. Bald hört es auf zu regnen, aber es bleibt bis nachmittags sehr kühl. Die Fahrt entlang des Eisernen Tores ist imposant. Teilweise halte ich mich 250 Meter über der Donau auf. Leider ist es stark bewölkt und die imposante Gegend bietet bei Schatten nur geringe Möglichkeiten für Fotos. Aber der Kleine Kessel und der Große Kessel sind allemal die Anstrengungen wert. Nur 250 Meter über der Donau bedeuten auch lange Anstiege. Die Steigung beträgt häufig 10% und ich muss schieben. Ich bin von der letzten Nacht noch müde und meine Hüftprobleme nerven. Mein Ziel Negotin werde ich so kaum erreichen. Mir fehlt die richtige Motivation. Ich schaue noch einmal auf die Karte und habe eine Idee. Ich fahre einige km vor Novi Sip über die Grenze nach Rumänien und lege eine kleine Etappe in Rumänien ein. Nach ca. 90 km sollte in Hinova Schluss sein. Am Nachmittag verbesserte sich auch das Wetter leicht und ich erreichte nach einigen Pausen gegen 18 Uhr mein Etappenziel. Jetzt fing das Elend wieder an. Das einzige Hotel (Motel) hatte heute nicht auf, vermutlich weil über Pfingsten alle vernünftigen Leute bei ihren Familien sind, bis auf die wenigen Chaoten, die diese Tage zu einem Radausflug nach Rumänien nutzen. Ich erhalte unterschiedlich Infos, ob es auf den nächsten 30 km (weiter komme ich im Hellen nicht), noch Hotels gibt. 2 Leute versichern mir felsenfest, dass es in Vanju Mare eine Unterkunft gibt. Gegen 19 Uhr komme ich dort an. Am Straßenrand frage ich 3 Männer nach dem Hotel. Sie lachen: „Die nächste Unterkunft ist in Calafat (70 km)". Was sollte ich tun? „Ist hier nichts zu machen?" Einer der Männer erkennt meine Notsituation, weil ich nicht im Dunklen fahren möchte. „Für 50 Euro kannst Du bei mir schlafen". Er lacht. Aber was soll ich machen? Ich handele ihn auf 35 Euro runter und dann geht es zu seinem zuhause. Zuerst muss seine Großmutter (sicherlich über 80) für mich ihr Zimmer räumen. Dann gibt sich der „Vermieter" wirklich Mühe. Ich bekomme ein Abendessen a la maison. Mir wir eine Schüssel mit heißem Wasser gebracht, damit ich mich waschen kann. Als Toilette gibt es ein Plumpsklo. Im scheint das peinlich zu sein, aber mir ist es völlig egal. Das erinnert mich an das Haus meines Großvaters. Dort gab es eine gleichartige Toilette bis weit in die 60iger Jahre. Die Oma bezieht mir das Bett frisch und bald bin ich gar nicht mehr ärgerlich, dass ich hier viel zu viel Geld für die Unterkunft bezahle (es ist ein Wochenlohn eines Arbeiters!). Wer so genügsam lebt, soll mich ruhig etwas ausnehmen. Ich merke das Geld bei den Gesamtausgaben für die Tour praktisch nicht und hier hilft es wirklich. Erwähnen sollte ich noch, dass mich in Hinova ein Mann eine Unterkunft bei sich zu Hause angeboten hatte, ohne Geld dafür zu verlangen. Gut 105 km sind es dann heute geworden. Morgen werde ich bei Vidin die Grenze nach Bulgarien überschreiten und hoffe, dass ich irgendwo im Bereich zwischen Vidin und Lom ein Zimmer bekomme. Hier die neue Planung für die nächsten Wochen (weil ich so selten ins Netz komme) Dienstag: Orjahovo (oder vorher Kozloduj) Mittwoch: Nikopol oder besser Belene Donnerstag: zwischen Belene und Ruse Freitag: Tutrakan Samstag: Silistra Sonntag/Montag: Schwarzes Meer Dienstag: Pause am Goldstrand Mittwoch: am Schwarzen Meer (100 km) Donnerstag: Pause am Schwarzen Meer Freitag: am Schwarzen Meer (100 km) Samstag: Pause am Schwarzen Meer Sonntag: am Schwarzen Meer (100 km) Montag: Pause am Schwarzen Meer Dienstag: am Schwarzen Meer (100 km) Mittwoch: Pause am Schwarzen Meer Donnerstag: am Schwarzen Meer (100 km) Freitag: bis Istanbul (100 km) Samstag: Rad verpacken lassen, anschleißend Pause Sonntag: Pause, spät abends Taxi zum Flughafen
@Wolfgang und Bärbel: danke für die SMS. Alles im grünen Bereich. Hätte mich gemeldet, aber meine Karte ist leer.