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12.05.08
Abends alles in deutscher Hand


Heute morgen gab sich der „Vermieter" wieder richtig Mühe. Ich glaube ihm war es langsam selber peinlich, was er an Übernachtungsgeld verlangt hatte. Seine sicherlich 80 jährige Großmutter war bereits zum Hacken auf dem Felde.
Hier ist noch viel menschliche Arbeitskraft auf den Feldern angesagt. Überall sieht man Pferdekarren (teilweise auch Eselkarren), mit denen Menschen und Material zu den Feldern gebracht wird.
Ich mag keine Milch… schon lange keine warme Milch….und dann noch mit Schmand. Aber das war zum Frühstück mit Wurst und selbst gemachtem Käse sicherlich gut gemeint und irgendwie ist die Tasse leer geworden.
Der „Vermieter" zeigt mir stolz ein Foto seiner Kinder (13, 15 Jahre) und ich erzähle von meiner 18 jährigen Tochter. Ist schon interessant, was so alles möglich ist, obwohl keiner die Sprache des anderen versteht.
Ich gebe ihm mein letztes serbisches Geld, weil ich nicht nach Serbien zurückkehre, sondern bei Vidin über die Grenze nach Bulgarien fahre.
Das Wetter ist heute ganz ausgezeichnet. Kaum eine Wolke und fast 25 Grad, dazu praktisch kein Wind.
Ich sehe drei Storcheneltern, die ihre Jungen betreuen.
In Rumänien werde ich an jeder Ecke freundlich begrüßt. Junge und alte Menschen winken mir zu.
Die Grenzabfertigung ist nervig. Es ist Mittag. Zuerst ist der Zöllner auf Toilette. Ich warte. Der Toilettengang dauert mittags so ca. 30 Minuten. Anschließend ist noch einmal 90 Minuten Warten auf die Fähre angesagt. Die Zeit, die ich hier lasse, fehlt mir abends, um bis nach Lom zu kommen. 23 km vor Lom übernachte ich in einem sehr schönen Motel. Ich werde auf deutsch begrüßt. Das Motel heißt „Werner" (kyrillische Schreibweise). Die Wirtin ist mit einem Deutschen verheiratet und hat lange in Bayern gelebt. Jetzt betreibt sie hier ein schönes Motel, welches auch auf der Radkarte verzeichnet ist. Ihren Ehemann lerne ich im Laufe des abends auch noch kennen. Er wundert sich um meinen Laptop, den ich als Gepäck dabei habe. Ihr Sohn „Werner" ist in Deutschland geblieben, aber der Name des Motels erinnert an ihn.
Ü/F kosten 10 Euro.
Es war ein rundum schöner Tag, vielleicht bis auf den Aufenthalt an der Grenze.
115 km finde ich ganz ok. Die Straßenverhältnisse gehen größtenteils. Morgen sollen diese erheblich schlechter werden.
Auf der Fähre habe ich mit einem bulgarischen LKW-Fahrer gesprochen. Er fährt seit 20 Jahren durch ganz Europa und kommt nach 10 Tagen (u.a. von Venlo) für eine Nacht nach Hause. Er erzählt mir einiges zur weiteren Strecke und zu Sehenswürdigkeiten am Schwarzen Meer. Die Fahrt entlang des Schwarzen Meeres wird nur 4-5 Etappen dauern.
In Vidin werde ich von einem netten Mann auf Englisch angesprochen. Wir unterhalten uns eine halbe Stunde auf der Terrasse vor einem Restaurant. Auch er gibt wertvolle Hinweise für die Weiterfahrt. Unter anderem empfiehlt er das heutige Hotel und rät von einer Weiterfahrt nach Lom ab. Zu einen sollen die Straßenverhältnisse auf den letzten Kilometern schlecht sein, zum anderen warnt er vor den größeren Städten (Kriminalität). Es sei auf jeden Fall besser, Hotels in den kleineren Städten aufzusuchen.
Ich zahle für einen Salat und für jeden von uns beiden einen Kaffee insgesamt gut 2,50 Euro.

Dann hatte ich noch eine sehr nette Begegnung mit 2 Radfahrern aus der Schweiz an der Grenze. Das Paar fährt von Belgrad zum Schwarzen Meer und wechselt gerade von Bulgarien nach Rumänien. Beide zelten – so wie ich es auf meinen Touren früher auch gemacht habe.
Wir machen Fotos und dann verabschieden wir uns. So viele Radler auf dieser Strecke gibt es noch nicht und ich empfinde die Begegnungen als sehr angenehm.


Das Frühstück im Hotel „Werner" ist sehr gut. Endlich bekomme ich mal wieder den Kaffee so, wie ich ihn morgens gerne trinke: ganz normalen schwarzen Filterkaffee und keinen Espresso und keinen türkischen Kaffee.
Ich unterhalte mich mit der Wirtin. Sie hat das Grundstück (23.000 mІ) im Rahmen der Reprivatisierung nach der Wende zurückerhalten und 1992 mit ihrem Mann das Hotel gebaut (1000 mІ Wohn- und Nutzfläche). Sie will es jetzt verkaufen, weil sie es alleine bewirtschaftet und keine Hilfe findet.
Ihr Mann ist Vermesser (Kataster) und hat durch die Reprivatisierung und späteren Verkäufe der Grundstücke sehr viel zu tun.
Eine Bekannte der Wirtin hat einen Internetladen in Lom. Sie will mir den Weg beschreiben und so kann ich mich endlich mal wieder zu Hause melden und auch meine Handykarte wieder aufladen. Ich hoffe, dass es klappt.


Foto: Begegnung an der Grenze