Danke Peter fuer dieses nette Foto und all die Aktionen, die Du in Buende fuer diese und andere karitative Projekte an den Start bringst!
Donnerstag, 22.05.08
Heute ist also der 2. Pausentag. Morgens ist es stark bewölkt und es regnet leicht. Ich bin ja nicht so ganz leicht aus der Ruhe zu bringen, aber heute morgen um 9:10 Uhr hätte das die Putzfrau fast schaffen können. Da sie mich gestern um kurz nach 9 Uhr geweckt hatte, hatte ich gestern Abend sicherheitshalber die Zimmertür abgeschlossen. Und heute? Um 9:10 Uhr dreht von außen ein Schlüssel an der Tür (vorher war kurz geklopft worden) und die Dame steht in der Tür. Ich hatte an diesen beiden Pausentagen eigentlich vor, so lange zu schlafen, wie es eben geht, aber das scheint hier nicht möglich zu sein. Gegen Mittag lockert es auf und die Sonne kommt zum Vorschein.
Welche Möglichkeiten der Abwechslung gibt es hier? Gestern wollte ich mich eigentlich nachmittags in Ruhe an den Pool legen, um noch etwas Schlaf nachzuholen. Aber da war laute Animation angesagt. So’n Typ mit `nem Schifferklavier spielte alte bulgarische Lieder und alle sangen und schunkelten mit. Animation im Urlaub ist etwas, was ich persönlich überhaupt nicht mag, aber die Leute hatten Spaß und der Musiker hatte Erfolg, denn vom Pool bis zum Restaurant waren es am Abend nur 10 Meter und in der fröhlichen, leicht alkoholisierten Stimmung trafen sich dort alle wieder. Also…………….das ist keine Möglichkeit, meine Urlaubstage zu verbringen.
Dann gibt es hier noch einen älteren deutschen Herren. Der sitzt von früh morgens (wenn ich dort gegen 10:15 langgehe, ist er schon da) bis spät abends (wenn ich gegen 21 Uhr zum Hotel gehe, ist er auch noch da) in praller Sonne an einem Tischchen auf dem Bürgersteig an der Hauptstraße des Ortes. Wenn ich ihn morgens sehe, hat er eine Flasche Bier vor sich, wenn ich ihn mittags sehe, hat er eine Flasche Bier vor sich, nachmittags und abends ebenfalls. Es wird sicherlich nicht immer die gleiche Flasche sein. Ich komme oft dort vorbei, und bisher habe ich ihn immer gesehen. Heute morgen um 10 Uhr hatte sich eine kleine Änderung ergeben: er war von der 0,5 Liter-Flasche Zagorka auf die 1-Liter Plastikversion umgestiegen. Also………………das ist keine Möglichkeit, meinen Urlaub zu verbringen. Obwohl: ständig betrunken ist auch ein geregeltes Leben.
Ich genieße hier die Ruhe und mache mir (wie schon in den letzten 5 Wochen) Gedanken. Ich erinnere mich an die sicherlich nicht immer schöne Vergangenheit, die zumindest die ersten 40 Jahre sehr viele Tiefen mit sich gebracht hatte. Deshalb nimmt dieser Teil auch nur einen geringen Platz ein. Einige Gedanken muss ich natürlich auch für die Gegenwart verschwenden. Schließlich möchte ich Istanbul bis Anfang Juni erreichen…..oder ich denke einfach an die mir nahe stehenden Personen. Den größten Teil meiner Zeit (und davon habe ich ja im Moment sehr viel) denke ich jedoch an die Zukunft, so ich noch eine habe (das weiß ja niemand von uns). Ich mache Pläne und weiß mittlerweile genau, dass sich einiges in meinem Leben und der Gestaltung meiner Freizeit ändern wird. Ich werde versuchen, neue, andere Wege zu gehen. Gedanken, die vor dieser Radtour schon vage vorhanden waren, haben nur Kontur angenommen. Da werde ich ab Anfang Juni viele Gespräche führen müssen und wenn sich das wirklich realisieren lässt, werde ich eine neue Homepage aufmachen.
Jetzt zur Gegenwart. Wenn nicht etwas Unvorhergesehenes passieren sollte (siehe Foto),
werde ich in gut einer Woche in der Türkei sein und mein Versprechen gegenüber den symbolischen Käufern der Etappen eingelöst haben. Nach dem Schlachten der Schweine auf der Nordstadtfete und der Versteigerung des Rades gehe ich davon aus, dass über 20.000 Euro an Spenden für das Behindertenfahrzeug zusammengekommen sind. Na ja, da habe ich wohl etwas grosspurig 100 Sparschweine geordert, denn nach meinem derzeitigen Kenntnisstand sind kaum 50 aufgestellt worden. 15 habe ich in der Woche vor der Tour unter die Leute gebracht, 15 Peter, der eigentlich mit unserem Verein nichts zu tun hat und aus Freundschaft mir gegenüber halb Bünde mit Sparschweinen vollgepflastert hat. 5 Schweine hat Sibulle u.a. bei Polizei und anderen Behörden untergebracht. Dann haben einzelne Leute noch insgesamt knapp 10 Schweine aufgestellt – siehe die Fotos hinter dem Link „Schweinerei". Ich finde es schade (ist zumindest mein Kenntnisstand, da ich keine weiteren Fotos bekommen habe), dass in der gesamten Herforder City keine Schweine aufgestellt wurden (bis auf die, die ich selber bei der Sparda-Bank, Föge, Zirbelstube, Radhändler aufgestellt habe). Na ja, manchmal habe ich sicherlich zu hohe Erwartungen und Ansprüche, aber gerade Spendenschweine in den Innenstadtgeschäften (Alter Markt, Bäckerstr., Linnenbrunnenplatz bis Saturn u.ä) wären schon eine super Sache gewesen, weil dort sicherlich die größte Kaufkraft und möglicherweise Spendenbereitschaft ist.
Ich freue mich riesig, über die vielen privaten und kommerziellen Spender, die mich in grandioser Weise unterstützt haben. 20.000 Euro und mehr….das hätte ich nie erwartet. Mit der Reklame auf dem neuen Fahrzeug (Kosten 27.000 Euro) hoffe ich, dass die gesamten Kosten für das Fahrzeug annähernd zusammen kommen. Vielen Dank an alle Spender. Einen möchte ich stellvertretend für alle doch herausgreifen: Ein Zivildienstleistender aus HF, mit sicherlich sehr geringem Sold, hat für 80 Euro eine Etappe gekauft und wollte nicht, dass sein Name auf der Homepage erscheint. „Nenn mich einfach „Else Kling" oder Winnetou". Dank an Else, Peter, Heinz, Detlef und an alle anderen , die mich so tatkräftig unterstützt haben. Danke an Elke, die 7 Wochen auf mich wartet und mir eine so lange Auszeit ermöglicht. Danke an Thomas, der während meiner Abwesenheit eine Küche in meiner neuen Wohnung aufstellt.
Der letzte Absatz bezog sich auf 80% der zugesagten Spenden, symbolischen Etappenkäufen und anderen Hilfestellungen im Hinblick auf die Tour. 20% der fest zugesagten Spenden und Etappenkäufe, sowie Aktionen am Starttag sind nicht erfolgt – und das finde ich schade, insbesondere, weil ich nicht für mich, sondern für die geistig behinderten Sportler aus Herford diese Strapazen auf mich genommen habe und trotz vieler Beschwerlichkeiten auch fast erreicht habe. Ich werde, wenn nichts mehr passiert, mein Versprechen einhalten. Von einigen ist sehr viel zugesagt, aber nichts eingehalten worden. Das finde ich sehr schade, aber auch mit über 50 Jahren lerne ich immer noch weiter dazu, insbesondere was die weitere Ausbildung der sog. „Menschenkenntnis" angeht.
So, jetzt ist Mittag. Die Sonne scheint wieder und ich werde mich mal etwas in den Ort begeben. Das ist in der Provinz ein reiner Slalom, denn die Pfützen des letzten Regens sind groß, tief und zahlreich.
Ich wünsche Euch eine angenehme Restwoche.
Bulgarien, das neunte und vorletzte Land auf meiner Benefitour von NL-TR