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Erklärungsversuch
Stell dir ein Kind vor, das kränkelt und das nicht essen will. Stell dir ein anderes Kind vor, das sich abwendet, wenn du es auf den Arm nimmst, und stell dir noch ein Kind vor, das nicht weinen kann und auch keinen Schmerz empfindet. Stell dir ein Kind vor, das nur schwer lernt, selbst die einfachsten Sachen. Stell dir Kinder vor, die es trotz ihrer Dummheit schaffen, einen Keil zwischen Vater und Mutter zu treiben. Stell dir Kinder vor, die schnell und unerklärlich zornig werden, hemmungslos ihre Wut von sich geben. Stell dir ein Kind vor, das auf vorbeifahrende Autos Steine wirft; das seine Mutter als Hure beschimpft, in der Gruppe zur Gefahr wird. Stell dir ein Kind vor, das dich belügt und beklaut, das seine Geschwister bedroht und schlägt. Stell dir Kinder vor, die nicht um Gestern und nicht um Morgen wissen. Stell dir ein Kind vor, das dich zweifeln läßt; stell dir ein Kind vor, das ..... Das alles stell dir vor und beziehe es auf eine einzige Person. Und wenn du dann ein Bild hast: Multipliziere es mit 10 Jetzt hast du eventuell eine Vorstellung von dem, was FAS bedeuten kann. Trotz alledem: Es gibt tausend gute und verständliche Gründe loszulassen. Ich weiß nur einen Grund, der dagegen spricht: Er hat niemand Anderen !!! Peter S./Pflegevater eines FAS-Kindes



eine Pflegefamilie berichtet: Nach einer längeren Wartezeit bekamen wir endlich unser sehnlichst erwartetes Pflegekind. Ein Junge 2 1/2 war bereits seit längerem im Kinderheim. Beide Eltern hatten Alkoholprobleme, hatten sich auch längere Zeit nicht mehr um das Kind gekümmert. Neben einem körperlich und auch geistigem Entwicklungsrückstand, ein gesundes Kind. Aber besonders auffällig durch extrem unruhiges Verhalten, Wutausbrüche, stundenlanges Weinen u.s.w., ein sehr anstrengendes Kind lt.Aussage des Kinderheimes. Man versprach sich eine deutliche Verbesserung durch Unterbringung in einer Pflegefamilie. Das schien sich auch zu bestätigen. Der Kleine lebte sich sehr schnell bei uns ein, hatte guten Kontakt zu uns und unserer leibl. Tochter. Die Ursache für sein hyperaktives Verhalten, sein häufiges Weinen, unkontrolliertes Lachen und nicht einschätzen von Gefahren, sahen wir eher als Folgen seiner Vernachlässigung in der ersten Zeit zuhause bei den leibl. Eltern. Wir waren überzeugt, dass sich das durch gezielte Förderung und viel Liebe und Geborgenheit ändern würde. Auch eine Untersuchung im SPZ bestätigte, dass wir auf einem guten Weg waren. Als er 4 Jahre war, kam er dann in den Kindergarten. Bereits nach 14Tagen wurde uns mitgeteilt, dass es sehr schwierig mit ihm sei. Er sondere sich von der Gruppe ab, könne sich mit nichts längere Zeit beschäftigen und sei überhaupt sehr zurückgezogen. Man wolle ihn aber weiterhin beobachten. Nach einem Vierteljahr hatte er sich eingelebt und verhielt sich ähnlich wie zuhause, sehr wild, waghalsige Turnaktionen usw., brauchte sehr viel Aufmerksamkeit. Trotzdem fand er schnell Freunde im Kindergarten und auch hier zuhause. Als es um die Einschulung ging, riet uns der Kindergarten, ihn noch 1 Jahr in einen Schulkindergarten zu geben. Wir meldeten ihn aber in die "normale" Grundschule an. Auch hier bereits nach 14Tagen das erste Gespräch. Er störe massiv den Unterricht, lenkte stets die Aufmerksamkeit auf sich und sei durch sein Verhalten nicht schulreif. Also wurde er in den Schulkindergarten angemeldet. Überraschenderweise ging es dort ganz gut und die Lehrerin meinte, er könne in eine "normale" Schule. Nach einer Untersuchung bei einer Kinder-und Jugendspychiaterin riet sie uns, ihn doch lieber in eine Lernbehinderten Schule anzumelden. Hier begann er dann auch noch mal mit der ersten Klasse. Trotzdem sofort die gleichen Probleme. Unruhe, Aggressionen, Auseinandersetzungen mit anderen Kindern, Clownereien. Auch zuhause wurde es immer schwieriger mit ihm, kein Tag verging ohne Probleme. Seine Wut, Zerstörungen, nichteinhalten von Regeln, ständiges Benutzen von Fäkalsprache u.v.m. ließen uns an unserer Erziehungsfähigkeit zweifeln. Das übertrug sich auch auf unsere Tochter, die oft nicht die Aufmerksamkeit bekam, die sie gebraucht hätte. Zwischendurch war er wieder lieb, anschmiegsam und hilfsbereit, konnte sein Verhalten selbst nicht erklären und litt auch darunter. Als er 10Jahre alt war, eskalierte die Situation und wir wußten nicht mehr weiter, wollten ihn aber auch nicht abgeben. Zum Glück bekamen wir recht schnell einen Termin in einer Kinder-und Jugendpsychiatrie und dort wurde er auf ADHS getestet. Das bestätigte sich und wir hatten die Gewissheit, keiner ist schuld an dem Verhalten. Mit Ratschlägen wie wir nun damit umgehen können und Ritialin begann eine bessere Zeit für uns alle. Auch in der Schule ging es aufwärts. Gute Noten, Aufmerksamkeit und normales Verhalten waren nun an der Tagesordnung. Gleichzeitig wechselten wir zu einem Kinderarzt, der sich speziell mit ADHS-Kindern befasste. Nach mehreren Gesprächen überwies er uns zu einer Untersuchung nach Münster um abzuklären, ob angeborene Alkoholschäden vorlagen. In Münster wurde eine ausführliche Untersuchung gemacht und es bestätigte sich, dass wahrscheinlich Alkoholschäden vorlagen. Körperlich war alles in Ordnung, aber auf geistig-psychischer Ebene hatte er deutliche Defizite. Wir waren recht betroffen über diese Diagnose, aber nicht verzweifelt. Durch die Einnahme von Ritalin waren die Probleme nicht so ausgeprägt. Das änderte sich aber mit dem Beginn der Pupertät. Von den früheren Freunden blieben nur nach die, die ihm nicht gut taten. Ritalin lehnte er ab und wenn er es nahm, war er wie versteinert. Sein Verhalten änderte sich. Er begann massiv die Schule zu schwänzen, belog uns und die Lehrer, kam betrunken nach Hause und wurde dann aggressiv, mußte sogar von der Polizei abgeholt werden. Oder er wurde zusammengeschlagen und wachte erst im Krankenhaus auf. Neben Alkohol begann er immer häufiger zu kiffen, brach die Schule ab, beklaute uns und unsere Tochter. Dieses ständige Klauen von Geld oder anderen Sachen belastete das Familienleben ganz erheblich. Intensive Gespräche in der Drogenberatung, mit Lehrern, Psychiatern brachten nichts. Er zeigte sich immer verständig und einsichtig, gelobte Besserung, vergaß aber das aber alles einige Stunden später und machte weiter wie bisher. Wenn er zuhause war, saß er stundenlang in seinem Zimmer, spielte mit der Spielkonsole und war total unmotiviert. Vom Jugendamt kam der Vorschlag zu einer Fremdunterbringung. Anfangs konnten und wollten wir uns das nicht vorstellen. Weil es aber überhaupt keine Alternative gab, er inzwischen auch 18Jahre alt war und auf dem besten Weg war, in die kriminelle Szene abzudriften und oder ein Suchtproblem zu bekommen, beschlossen wir, zusammen mit dem Jugendamt eine Einrichtung zu suchen. Vorher hatten wir aber noch einen Termin in Münster und dort ausführlich die Diagnose und auch Prognose bekommen. Die Schäden sind unwiderruflich, wenig Therapiemöglichkeiten und Unterbringung in einer Einrichtung mit 24/7(bedeutet 24Std.an 7 Tagen) Betreuung, gerechtfertigt. Das alles bekamen wir auch schriftlich und erreichten, dass er einen Betreuer einen Behinderten Ausweis und auch einen Platz in einer Einrichtung bekam, die bereit war, mit uns zusammen zu arbeiten. Seit einem Jahr lebt er dort und hat trotz seiner Behinderung eine berufliche Perspektive und auch viel Kontakt zu uns. Er wirkt insgesamt selbstsicherer, beachtet die bestehenden Regeln und lernt auch Verantwortung zu übernehmen, alles im Rahmen seiner Behinderung. Ein eigenständiges, normales Leben wird er wahrscheinlich nie führen können. Seine Familie bleiben wir und er wird immer unser Sohn bleiben.


































Auch in der Bibel wurde schon vor Alkohol währen der Schwangerschaft gewarnt, s.u.

Das grundsätzliche Problem FAS ist allerdings nicht neu. Auch die Bibel hat im Alten Testament eine Passage, die eindeutig auf die Gefahren Alkohol und Schwangerschaft hinweist:
Simsons Geburt 1Und die Israeliten taten wiederum, was dem HERRN mißfiel, und der HERR gab sie in die Hände der Philister vierzig Jahre. 2Es war aber ein Mann in Zora von einem Geschlecht der Daniter, mit Namen Manoach, und seine Frau war unfruchtbar und hatte keine Kinder. 3Und der Engel des HERRN erschien der Frau und sprach zu ihr: Siehe, du bist aunfruchtbar und hast keine Kinder, aber du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. 4bSo hüte dich nun, Wein oder starkes Getränk zu trinken und Unreines zu essen; 5denn du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem kein Schermesser aufs Haupt kommen soll. Denn der Knabe wird ein Geweihter Gottes sein von Mutterleibe an; und er wird anfangen, Israel zu erretten aus der Hand der Philister. 6Da kam die Frau und sagte es ihrem Mann und sprach: Es kam ein Mann Gottes zu mir, und seine Gestalt war anzusehen wie der Engel Gottes, zum Erschrecken, so dass ich ihn nicht fragte, woher oder wohin; und er sagte mir nicht, wie er hieß. 7Er sprach aber zu mir: Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. So trinke nun keinen Wein oder starkes Getränk und iss nichts Unreines; denn der Knabe soll ein Geweihter Gottes sein von Mutterleibe an bis zum Tag seines Todes. 8Da bat Manoach den HERRN und sprach: Ach, Herr, laß den Mann Gottes wieder zu uns kommen, den du gesandt hast, damit er uns lehre, was wir mit dem Knaben tun sollen, der geboren werden soll. 9Und Gott erhörte Manoach, und der Engel Gottes kam wieder zu der Frau. Sie saß aber auf dem Felde, und ihr Mann Manoach war nicht bei ihr. 10Da lief sie eilends und sagte es ihrem Mann und sprach zu ihm: Siehe, der Mann ist mir erschienen, der heute nacht zu mir kam. 11Manoach machte sich auf und ging hinter seiner Frau her und kam zu dem Mann und sprach zu ihm: Bist du der Mann, der mit der Frau geredet hat? Er sprach: Ja. 12Und Manoach sprach: Wenn nun eintrifft, was du gesagt hast: Wie sollen wir's mit dem Knaben halten und tun? 13Der Engel des HERRN sprach zu Manoach: Vor allem, was ich der Frau gesagt habe, soll sie sich hüten: 14sie csoll nicht essen, was vom Weinstock kommt, und soll keinen Wein oder starkes Getränk trinken und nichts Unreines essen; alles, was ich ihr geboten habe, soll sie halten. 15dManoach sprach zum Engel des HERRN: Wir möchten dich gern hier behalten und dir ein Ziegenböcklein zurichten. 16Aber der Engel des HERRN antwortete Manoach: Wenn du mich auch hier hältst, so esse ich doch von deiner Speise nicht. Willst du aber dem HERRN ein Brandopfer bringen, so kannst du es opfern. Manoach aber wusste nicht, dass es der Engel des HERRN war. 17eUnd Manoach sprach zum Engel des HERRN: Wie heißt du? Denn wir wollen dich ehren, wenn nun eintrifft, was du gesagt hast. 18Aber der Engel des HERRN sprach zu ihm: Warum fragst du nach meinem Namen, der doch geheimnisvoll ist? 19fDa nahm Manoach ein Ziegenböcklein und Speisopfer und brachte es auf einem Felsen dem HERRN dar, der geheimnisvolle Dinge tut. Manoach aber und seine Frau sahen zu. 20Und als die Flamme aufloderte vom Altar gen Himmel, fuhr der Engel des HERRN auf in der Flamme des Altars. Als das Manoach und seine Frau sahen, fielen sie zur Erde auf ihr Angesicht. 21Und der Engel des HERRN erschien Manoach und seiner Frau nicht mehr. Damals erkannte Manoach, daß es der Engel des HERRN war, 22und sprach zu seiner Frau: Wir müssen des Todes sterben, weil wir Gott gesehen haben. g 23Aber seine Frau antwortete ihm: Wenn es dem HERRN gefallen hätte, uns zu töten, so hätte er das Brandopfer und Speisopfer nicht angenommen von unsern Händen. Er hätte uns auch das alles weder sehen noch hören lassen, wie jetzt geschehen ist. 24Und die Frau gebar einen Sohn und nannte ihn Simson. Und der Knabe wuchs heran, und der HERR hsegnete ihn. 25Und der iGeist des HERRN fing an, ihn umzutreiben im Lager Dans zwischen Zora und Eschtaol




Mein kleiner Bruder
Ich hatte mir schon immer einen kleinen Bruder gewünscht. Einen Bruder zum spielen, zum reden, zum rumalbern, zum diskutieren. Einen Bruder der zu mir aufschauen könnte, einen Bruder der mein Verbündeter sein sollte. Ich kann mich an einige Kinder erinnern, die meine Eltern Tags über zur Pflege nahmen, an die Kinder die wir auch über einen längeren Zeitraum in unserem Haus hatten. Doch irgendwann mussten sie alle fort, zurück zu ihrer wirklichen Familie. Und in dieser Zeit hatten meine Schwester und ich uns einen Bruder gewünscht der bei uns blieb, für immer. Und irgendwann war es soweit. Meine Eltern hatten beschlossen ein Kind bei uns aufzunehmen das bei uns bleiben sollte und nie wieder gehen würde. Ich weiß noch wie wir gelacht haben als die Frau vom Jugendamt bei uns am Esszimmertisch saß und uns verriet, das der Junge den gleichen Namen trug wie mein Vater. Und ich kann mich daran erinnern wie meine Mutter öfters im Krankenhaus war um den kleinen Jungen zu besuchen, damit er sich an sie gewöhnen konnte. Wenn man sich das im Nachhinein vorstellt ist es grausam. Es ist grausam daran zu denken das ein Säugling mit einem Herzfehler geboren wird, die Ärzte es operieren müssen weil es genau verkehrt herum in seinem Brustkorb liegt. Es ist grausam das ein Baby die ersten 7 Monate seines Lebens im Krankenhaus verbringen musste und etwas wie Menschennähe nur durch die Krankenschwester kennen gelernt hatte die ihm die Flasche gaben und ihn vielleicht ab und zu, wenn überhaupt auf den Arm nahmen. Doch zu diesem Zeitpunkt war mir das nicht klar, viele Dinge waren mir nicht klar. Alles was ich mir wünschte, was wir uns wünschten war ein kleiner Bruder, ein neues Mitglied in der Familie. Er war da. Wenn ich mir alte Fotos oder Videoaufzeichnungen von damals anschaue fällt es mir leichter mich an diese Zeit zu erinnern. Er war winzig, ganz blass und sein Kopf war hinten ganz platt durch das lange liegen in der Krankenhauswiege. Er nuckelte an seinen Zeige- und Ringfinger gleichzeitig anstatt an seinem Daumen. Wir waren glücklich, alle waren glücklich und ich glaube wir waren das Beste was diesem kleinen Wesen passieren konnte. Aber irgendetwas entwickelte sich nicht so wie es eigentlich sein sollte. Er war das erste Baby, außer meiner fast gleich alten Schwester, dass ich wirklich aufwachsen sah und irgendwann wurde klar das etwas nicht stimmte mit ihm. Das Sprechen viel ihm schwer. Wenn dann sprach er sehr wenig und wenn dann sehr unverständlich. Im Nachhinein weiß ich nicht ob es vielleicht normal für ein Kleinkind ist, zu Fantasiewörter erfinden und in den ersten Jahren, Gegenstände oder Personen mit ihnen zu benennen, doch über die Jahre wurde klar das alles in seiner Entwicklung sehr lange dauerte. Er wurde im Laufe der Jahre Meister darin, alles was er in die Finger bekam kaputt zu machen, Spielzeug hielt bei ihm nicht sehr lange und ich weiß noch wie unser Vater jedes Mal schimpfte wenn er auf seinem Fahrrad eine Vollbremsung hinlegte und die Reifen wieder mal ein neues Loch vorwiesen. Er hatte Wutausbrüche, er zerschlug mit seinen Spielzeugautos die Glastür zu meinem Zimmer. Es gab ständig Probleme mit seiner Schulsituation, erst hatte er ständig die Kindergärten wechseln müssen und unsere Eltern mussten sich jedes Jahr neu überlegen welche Schule für ihn wohl am besten wäre. Er wuchs und wurde älter. Und stärker. Irgendwann fing er an mich und meine Schwester mit den schlimmsten Schimpfwörtern zu beleidigen. Wir konnten nicht ganz verstehen was mit ihm los war und oft wünschte ich mir er würde endlich etwas mehr Respekt unseren Eltern gegenüber zeigen. Doch dies blieb aus. Oft klingelten die Nachbarskinder bei uns um sich bei uns über sein schlechtes Verhalten zu beschweren. Ich wusste das ihre Eltern über ihn redeten. Und ich schämte mich weil sie wo möglich die Erziehung unserer Eltern in Frage stellten. Ich kann mich an unseren verzweifelten Vater erinnern, der eigentlich immer auf alles eine Antwort weiß. Nur hier war auch sein Latein zu Ende. Ich kann mich an unsere gestresste Mutter erinnern, die jeden Tag mit den Ticks und Anfällen meines heranwachsenden Bruders zu kämpfen hatte, ihn aber trotzdem immer in Schutz nahm. Nun ist er in der Pubertät. Er ist nun genauso groß wie ich und er hat Kraft. Ich mache mir immer Gedanken darüber was passiert wenn er stärker wird als ich oder unser Vater. Ich habe manchmal Angst davor ihn mit unserer Mutter alleine zu lassen, weil ich nicht da sein kann um sie zu beschützen. Die Respektlosigkeit mir und meiner Schwester wird immer größer und unsere Mutter pöbelt er inzwischen genauso an wenn ihn irgendwas nicht in dem Kram passt. Der Einzige der noch an Kontrolle über ihn verfügt ist unser Vater, doch muss ich manchmal beängstigend mit anschauen, wie mein Bruder auch ihm Gegenüber aufmüpfig wird und hinter seinem Rücken schlimmste Beleidigungen ausspricht. Nun wissen wir aber sicher was er hat, wo durch er das geworden ist womit wir jeden Tag zu kämpfen haben. Es war nie ein Geheimnis das seine Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hatte, jetzt war der Name der Krankheit klar. Unseren Eltern wurde immer bewusster das er nichts dazu konnte. Mit den Jahren haben sich auch die Probleme verändert die im Zusammenhang mit seiner Krankheit entstehen. Auch wenn er immer noch sehr impulsiv sein kann, hat mein Bruder wohl doch einen Weg gefunden sein Temperament zu zügeln. Manchmal beobachte ich ihm beim malen und das alt bekannte Kindergekritzel ist einem Strich gewichen mit welchem ich selbst nicht mithalten kann. Es gibt Momente da kann man sich vernünftig mit ihm unterhalten, wir sitzen dann vor meinem Computer und er lernt die Wochentage an einem Lernprogramm. Man merkt ihm seine Veränderungen an. Mit seiner Körpergröße hat er mich schon langsam eingeholt, seine Stimme ist dunkler geworden, sein Gesicht wirkt weniger kindlich. Manchmal können wir über die Schule, Autos oder auch über Mädchen reden. Doch ich muss jedes mal feststellen wie kurz sein so genannter Weitblick ist. Aber trotzdem betrachte ich diese Gespräche als ernst, weil ich denke das er mit zunehmenden Alter auch ernstgenommen werden will. Die Probleme werden anders. Auch wenn es zwischenzeitlich noch Beschwerden aus der Schule oder von Nachbarn gibt, sind sie doch weniger geworden. Mir selbst ist aufgefallen das sein Verhalten immer davon abhängig ist mit wem er seine Zeit verbringt. Ich glaube er wurde stark von den verschiedenen Schulen und ihren Schülern beeinflusst. Ich denke ein großer Teil tragen auch einige Nachbarskinder bei, die sich ähnlich verhalten wie er und sie ebenfalls auffällig verhalten. Ich denke dieses Umfeld war die Quelle der Schimpfwörter, Umgangsformen und Verhaltenweisen die mein Bruder zu Tage legt. Er sitzt nun nicht mehr vorm Fernsehrgerät und schaut sich die Teletubbies an. Er schaltet ziemlich oft auf die Musikkanäle um ein Lied seines Lieblingsrapper zu erwischen, welcher in seinen Videoclips mit geladener Pistole rumläuft und darüber singt wie toll es ist Leute zu verletzten. Nun trägt meine Bruder breite Hosen und Silberketten. Des öfteren werde ich Abends rausgeschickt um meinen Bruder in der Nachbarschaft zu suchen um ihn zu essen zu holen. In letzter Zeit entfernt er sich immer weiter von zuhause um sich mit seinen Kumpels zu treffen. Einen Umgang den unsere Eltern nicht gerne sehen. Ich bin ins Auto gestiegen und nach einer Weile sah ich ihn von weiten mit seinen Freunden im Park stehen. Er rauchte. Ich denke, auch wenn es viele Brüche in unserer Familie gab, auch wenn so manche Träne wegen meinem Bruder gegeben hatte, hat mich seine Gegenwart all die Jahre positiv geprägt. Auch wenn ich wusste das Andere über ihn schlecht redeten und ich viele Male aus Scham schlucken und die Zähne vor Zorn zusammenbeißen musste, hat es mich doch auf eine gewisse Art und Weise „abgehärtet“. Ich glaube viel Geduld anderen Kindern aufbringen zu können, die quengeln und ihren Willen durchgesetzt haben wollen. Ich glaube wirklich das ich diese Geduld und auch mein eigenes Durchsetzungsvermögen, Kindern aber auch anderen geistig und körperlich behinderten Menschen gegenüber zum Teil meinem Bruder zu verdanken habe. Manchmal denke ich mit einem Lächeln, daß ich es mit jedem noch so widerspenstigen Kind aufnehmen könne, da ich ja mit dem Härtefall aufgewachsen bin. Mit der Entwicklung meines Bruders wird auch die Veränderung in unserer Familie kommen und seit nun ungefähr zwei Jahren stellt sich die Frage was aus ihm werden soll. Unsere Eltern bemühten sich um einen geeigneten Heimplatz für ihn und diese Entscheidung erfüllt uns, obwohl sie am vernünftigsten ist mit Trauer. Nun steht sein einiger Zeit fest, dass er in einem Heim unterkommt das bei uns in der Nähe ist. Und ich weiß wir werden da sein um ihn zu besuchen. Früher einmal hatte ich die romantische Vorstellung, dass die Probleme eines Tages mal verschwinden würden und das ich später nach meinen Eltern die Verantwortung für ihn übernehmen könnte. Diese Vorstellung bekam ich vor allem durch Hollywoodfilme die behinderte Menschen nur von ihrer niedlichen Seite darstellen. Doch will ich trotzdem für ihn da sein, ihn zur jährlichen Kirmes abholen und mit ihm über Schule, Autos und auch über Mädchen sprechen. Ich weiß nicht wie er diese Umstellung verkraften wird, denn er wird trotz seines starken Körpers und seiner immer männlich werdenden Erscheinung ein Kind bleiben. Und dies ist etwas grausames was ich niemanden zumuten will, die Unwissenheit und die ständige Abhängigkeit zu Menschen die sich um ihn kümmern. Und auch wie viel Kummer und Sorgen er uns bereitet hat, er bleibt mein Bruder, ein Teil unserer Familie und er wäre wohl wirklich arm dran wenn er das was er so oft beschimpft nie kennen gelernt hätte.

Das fetale Alkoholsyndrom / Alkoholembryopathie (FAS/ AE) bei Erwachsenen
Alkohol während der Schwangerschaft ist bekanntlich nicht gesund. Der Fötus nimmt den Alkohol auf, kann ihn aber noch nicht richtig abbauen. Dadurch entstehen irreparable Schäden im Gehirn. Dieses Kind wird Zeit seines Lebens Probleme haben, je nach Schweregrad der Schädigung. Diese Probleme werden also auch im Erwachsenenalter nicht komplett verschwinden. Zwar können bei leichten Formen dieser Krankheit äußere Krankheitsmerkmale wie schmales Lippenrot, hängende Lider usw. verwachsen, doch die geistigen Schädigungen bleiben. Im schlimmsten Falle braucht dieser Mensch 24 Stunden am Tag Betreuung, meistens von mehreren Betreuern gleichzeitig. Doch möchte ich hier über die „leichteren Fälle“ sprechen. Viele Menschen mit der Symptomatik FAS/AE sind nach außen hin eigentlich ganz normal. Sie gehen zur Schule, haben Freunde, sind oft auch in verschiedenen Bereichen sehr intelligent. Und doch fällt auf, daß sie oft unkonzentriert, trotz fortgeschrittenem Alter noch lange verspielt sind, nicht lange still sitzen können oder Probleme bei den Hausaufgaben haben. Manchmal sind sie auch aggressiv. Einige haben Essstörungen, Probleme im sozialen Umfeld, sie sind zu vertrauensselig oder sind meistens mit jüngeren zusammen. Das sind alles kleine Probleme, bei denen die meisten Eltern sagen, das gäbe sich irgendwann. Dies ist leider bei den meisten Kindern nicht der Fall. Spätestens mit Ende der Schulzeit beginnen die großen Probleme. Eine normale Ausbildung in der regulären Zeit von 3 Jahren zu absolvieren fällt den meisten schwer. Durch ein schwächeres Immunsystem sind sie oft krank, fallen also aus, sind überfordert, können sich nicht lange konzentrieren, machen Fehler. Dann kommt es zu Konflikten mit dem Ausbilder. Prüfungen werden nicht bestanden, müssen wiederholt werden oder sie „schmeißen den Mist einfach hin“, weil alles „Mist“ ist. Wenn sie doch eine Ausbildung erfolgreich abschließen, geht es trotzdem im weiteren beruflichen Werdelauf so weiter. Ein ewiger Teufelskreislauf. Der Betroffene findet, wenn er Glück hat, einen Arbeitsplatz, doch verliert ihn schnell wieder, weil er überfordert ist und der Arbeitgeber das Spiel nicht mitmacht. Und so geht der Teufelskreislauf immer weiter. Job finden, Job verlieren, Job finden, Job verlieren. Oftmals lassen sich nur Arbeitsplätze in einem Zeitarbeitsunternehmen finden. Aber was ist das für ein Job? Überall ist man fremd, darf den Müll machen, den die Angestellten der Firmen nicht machen wollen und hat keinen festen Arbeitsplatz, da in den meisten Fällen nur Aushilfen für einige Tage oder Wochen gebraucht werden. Die Bezahlung ist schlecht und auch so fühlt man sich nicht sehr wohl. Durch Schichtarbeit und ewigen Arbeitsortwechsel wird man schnell mürbe. Irgendwann kommt es auch hier zur Entlassung. Der berufliche Lebenslauf wird immer länger und die Nerven des Betroffenen immer schwächer. Ohne fachmännische Hilfe gibt es da kein Entrinnen. Aber die ist leider rar. Zwar gibt es Hilfe z.B. durch Ärzte des SPZ (Sozialpädriatisches Zentrum) der Uniklinik Münster, doch leider gibt es noch nicht genug Fachärzte auf dem Gebiet und die, die es gibt, sind überlastet. Oft muß man monatelang auf einen Termin warten und dann weit reisen. Der normale Hausarzt oder Psychotherapeut kann leider nicht gut helfen, da er auf dem Gebiet einfach „keine Ahnung“ hat. Ich möchte anhand meiner Geschichte einmal kurz aufzeigen, welche Probleme und Möglichkeiten man als Erwachsener mit FAS /AE heutzutage zu hat. Geschichte eines FAS/AE betroffenen Erwachsenen Also, ich wurde 1974 von einer Frau geboren, die vor und während der Schwangerschaft sehr viel Alkohol getrunken hat. Als ich zur Welt kam, wog ich 2200 g, war 43 cm klein, hatte einen Kopfumfang von 31 cm, hatte eine Untertemperatur von 33 Grad und habe nicht spontan getrunken, sondern mußte einige Wochen über eine Dauersonde künstlich ernährt werden und in einem Wärmebettchen liegen. In meinen ersten Jahren war ich klein und zierlich, habe wenig gegessen oder es oft wieder ausgespuckt. Ob später im Kindergarten oder in der Schule, überall war ich die kleinste, der Außenseiter und wurde gehänselt. Es war schlimm. Freunde hatte ich immer sehr wenig, da ich sehr schüchtern war. Als ich 6 Jahre alt war, starb meine Mutter und ich wuchs bis ich 16 Jahre war, bei meinen Großeltern auf. Die Lehrer in der Schule meinten, ich sei für mein Alter zu klein und noch zu verspielt, weshalb ich ab der 5. Klasse auf die Gesamtschule kam. Lernen fiel mir immer schwer. Ich kam nur schlecht mit, lernte langsamer als die anderen, doch was ich tat, tat ich ordentlich. Wie oft saß ich stundenlang über meinen Hausaufgaben, während meine jüngeren Freunde draußen spielten. Ich konnte mich nie richtig konzentrieren, zappelte auf dem Stuhl rum und verlor mich in Tagträumen. Oft gab es dann Ärger und die Tränen flossen. Meine Großeltern waren überfordert. Mein Vater war selbst Alkoholiker und kümmerte sich wenig um mich. In den Sommerferien fuhren wir nach Italien. Dort lebte ich in meiner eigenen kleinen, glücklichen Welt. In der Schule hatte ich mittelmäßig bis schlechte Noten. Ich schloß die Gesamtschule mit dem Hauptschulabschluß nach der 10. Klasse ab. Dann begann der Teufelskreislauf. Ich machte eine Ausbildung zur Bürokauffrau, bestand aber nicht die Prüfung, hatte Versagensangst, wiederholte nicht, sondern schmiß hin. Dann bekam ich einen Ausbildungsplatz als Köchin, brach nach 6 Monaten ab, weil ich meine Freunde durch die Arbeit verlor und mich bei den Kollegen nicht durchsetzen konnte. Dann starb mein Vater am Alkohol. Ich arbeitete in der Zeitarbeit, kündigte nach einigen Monaten, weil es zu viele Wechselschichten waren und ich keinen Rhythmus fand, begann eine Ausbildung zur Floristin, wurde gemobbt, weil ich nicht so lernen konnte, wie ich sollte und wollte, hatte Suizidgedanken, wurde aggressiv mit Mordgedanken meiner Chefin gegenüber, kam in eine Tagesklinik, verlor den Ausbildungsplatz. Dann bekam ich über das Arbeitsamt die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Bürokauffrau mit pädagogischer Betreuung zu machen. Durch diese Betreuung schaffte ich nach 3 ½ Jahren im 1. Anlauf meine Prüfung, wenn auch nicht mit Supernoten. Danach bekam eine Weiterbildung zur Sekretärin, war mit dem Material überfordert, arbeitete ich wieder in einer Zeitarbeitsfirma, wurde in einer Firma übernommen, verlor den Job wieder, weil meine Leistungen nicht den Anforderungen entsprachen und ich nicht verantwortungsbewusst genug war und ich zu langsam lernte und nicht selbständig arbeiten konnte, fand einen neuen Job, verlor den aber auch wieder aus den gleichen Gründen und weil ich erneut Suizidgedanken hatte und krank wurde. Krankheit wurde aber in dieser Firma mißbilligt. Ich war lange arbeitslos. 2002 kam dann die Wende. Bei Stern-TV sah ich einen Beitrag zum Thema FAS. Was diese Frau dort über ihre Krankheitsmerkmale erzählte, kam mir ja so bekannt vor. Es war, als ob ich dort säße. Ich meldete mich bei Stern-TV und man verwies mich an eine Ann Gibson, die Spezialistin auf dem Gebiet war. Sie sagte, ich solle in die Uniklinik Münster und mich untersuchen lassen. Das tat ich und man stellte fest, daß ich die Syptomatik der Alkoholembryopathie (FAS/AE) Grad 1 hätte. Eine feste Diagnose konnte allerdings nicht gestellt werden, da es sich um eine Untersuchungsmethode für Kinder handelte. Ich war aber kein Kind mehr. Aber trotzdem schnitt ich bei diesen Tests unterdurchschnittlich ab. Der Arzt meinte, ich hätte diese Krankheit. Mit diesen Ergebnissen ging ich zum Arzt, stellte einen Rehaantrag und bekam eine Kur genehmigt, wo ich für den Arbeitsmarkt gefestigt werden sollte. Allerdings wollte man dort nicht auf FAS/AE eingehen, mit der Begründung, es handele sich um eine Modekrankheit, ich wär doch ganz gesund, solle mich nicht damit befassen. Nach der Kur fand einen Job im Kiosk eines Freizeitrestaurants. Inzwischen hatte ich so starke psychische Probleme, daß ich Panikattacken bekam, mein Körper ausgelaugt war und ich nach 1 ½ Jahren mit einem Nerven-/Kreislaufzusammenbruch in eine Klinik für Patienten mit Depressionen und Angststörungen eingewiesen wurde. Dort wurde ich 3 Monate behandelt. Die Ärzte dort befaßten sich etwas mit den Unterlagen der Uniklinik Münster und gaben mir den Tip, einen Behindertenausweis zu beantragen und Stellen auf dem 2. Arbeitsmarkt zu suchen. Das tat ich. Leider ist FAS hierzulande noch nicht offiziell als Behinderung angesehen, weshalb ich nur 40% auf Depressionen und Konzentrations-/Angststörungen bekam. Ich stellte einen Antrag auf Gleichstellung einer Behinderung beim Arbeitsamt, welcher abgelehnt wurde, da ich keinen Arbeitsplatz hätte, der gesichert werden müsse und auch angeblich keine Probleme hätte, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Dies war „Müll“, denn ich hatte meine Jobs aufgrund meiner Krankheit verloren und fand ja keinen neuen. Ich ging wieder nach Münster zum Arzt. Der sagte mir, ich sei aufgrund meiner Probleme nicht für den 1. Arbeitsmarkt geeignet, bräuchte einen Arbeitgeber, der mir hilft, halt einen Arbeitsplatz mit Betreuung und legte mir eine Einrichtung für Patienten wie mir ans Herz, die rund um die Uhr betreut werden, aber eigene Wohnungen haben und in einer Art Behindertenwerkstatt arbeiten könnten. Das Stift Tilbeck. Aber ganz so wollte ich es doch nicht. Ich stelle wieder einen Rehaantrag bei der deutschen Rentenversicherung. Ab Mai diesen Jahres bekomme ich eine Wiedereingliederungsmaßnahme, in der langsam die Arbeitsbelastung gesteigert wird, es gibt Trainig in EDV, Training sozialer Kompetenzen, Bewerbungstrainings, Training im Umgang mit Vorgesetzten. Durch spätere Praktika in verschiedenen Unternehmen kann ich Glück haben, daß ich auf diesem Weg einen Arbeitsplatz finde, der meinen Anforderungen gerecht wird, wo es einen Arbeitsgeber gibt, der mit mir zusammen arbeitet. Wir werden sehen. Dies habe ich erzählt, um Ihnen einen kleinen Einblick zu geben, wie das Leben eines Menschen mit FAS/AE aussehen kann. Sie sehen, es ist voller Schlaglöcher. Sollten Sie Menschen in Ihrer Umgebung haben, bei denen Sie der Meinung sind, die könnten FAS/AE haben, scheuen Sie sich nicht, sich an uns zu wenden. Ich bin sicher, zusammen werden wir eine Lösung finden. Ihre D. S


Eine vermeidbare Tragödie
Erster Infotag der FASworld-Regionalgruppe in Bünde /
Alkohol pures Gift für ungeborenes Leben


Bünde-Ennigloh.
Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS), das durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft verursacht werden kann, ist die häufigste nicht genetisch bedingte geistige Behinderung. Seit September 2006 gibt es, eingegliedert im bundesweiten Verein FASworld Deutschland, für den Bereich Ostwestfalen-Lippe eine Selbsthilfegruppe zum Thema FAS. Und am Wochenende veranstaltete sie ihren ersten Infotag im Haus des Kinderschutzbundes in Ennigloh.

Aufklärung steht bei den Mitgliedern an erster Stelle: „Wir machen keine Showveranstaltung mit Hüpfburg und Programm, sondern haben gezielt Menschen, Schulen und Ämter angeschrieben und möchten heute über unsere Arbeit und über FAS informieren“, erklärte der Sprecher der Regionalgruppe, Peter Schubert. Mit der Resonanz des Infotages sei man zufrieden. Über 50 interessierte Besucher aus ganz OWL seien nach Bünde gekommen.

„Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass man über FAS und die Folgen sprechen kann und auch muss“, stellte die Bundesvorsitzende von FASworld, Gisela Michalowski aus Lingen, heraus. Laut Untersuchungen des Robert-Koch-Institutes habe bundesweit ein Kind auf 300 Geburten mit den Folgen des Fetalen Alkoholsyndroms zu kämpfen. „Die Dunkelziffer wird sogar auf acht bis fünfzehn Kinder auf 1.000 Geburten geschätzt“, so Michalowski, die betonte, dass die Tendenz steigen werde und die Mütter, die in der Schwangerschaft Alkohol konsumieren, immer jünger würden. Eine Tragödie, die zu 100 Prozent vermeidbar sei, so Peter Schubert. Durch den Alkoholgenuss könne es zu vor- oder nachgeburtlichen Schäden kommen, die das Kind in der Gesamtheit der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung beeinträchtigen. Hyperaktivität, ADS, psychische wie physische Einschränkungen bis hin zu schwersten Mehrfach-Behinderungen sind nicht selten die Folgen. Eine Heilung gibt es nicht, Therapien können aber fördern helfen, was in den Kindern steckt. „FAS-Kinder brauchen unsere besondere Unterstützung. Wir wissen, was sie nicht können und wollen ihnen helfen, ihre Stärken auszubauen“, erklärte Gisela Michalowski.

Die Regionalgruppe besteht aus Eltern, Adoptiveltern, Betroffenen und Interessierten, die sich gegenseitig in Krisensituationen helfen und aufklären und informieren möchten. „In unserer Gruppe engagieren sich junge Menschen, die meisten von ihnen sind mit FAS-Geschwistern in ihren Familien aufgewachsen“, schilderte Peter Schubert, „das qualifiziert sie im besonderem Maße für den Umgang mit unseren behinderten Kindern und sie stellen durch die Kinderbetreuung sicher, dass die Eltern der Selbsthilfegruppe auch wirklich ins Gespräch kommen können.“


aus der NW:
Schlückchen, die ein Leben verändern
Alkoholgenuss in der Schwangerschaft kann das Ungeborene schädigen
Selbsthilfegruppe in OWL



Bünde/Oerlinghausen. Im Alter von zweieinhalb Jahren kam Dennis zu seinen Pflegeeltern Jutta und Rüdiger Prinz in Oerlinghausen – ein normaler, kleiner Junge, so schien es. Doch als er drei Jahre alt war, wollte Dennis ständig im Mittelpunkt stehen. Ein Schreikrampf jagte den nächsten, hemmungslos griff das Kind in brennende Kerzen und auf heiße Herdplatten. „Wir konnten ihn keinen Moment unbeobachtet lassen“, sagt Jutta Prinz.

Dennis leidet an FAS, dem fetalen Alkoholsyndrom. Seine leibliche Mutter hatte während der Schwangerschaft regelmäßig Alkohol getrunken. Die Folgen: Dennis ist unkonzentriert hyperaktiv, kennt weder Angst noch Hemmungen. Eine belastende Situation für den Betroffenen und sein Umfeld. Daher hat das Ehepaar Prinz die Selbsthilfegruppe FASworld OWL – die einzige in NRW – gegründet. Einmal im Monat treffen sich Pflegeeltern und Kinder beim Kinderschutzbund in Bünde, um sich auszutauschen.

„Lange haben wir nicht gewusst, an was unser Sohn leidet“, erinnert sich Rüdiger Prinz. Erst habe man sein Verhalten dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) zugeordnet. „Als er noch klein war, ist er auf dem Spielplatz auf das höchste Gerüst geklettert, wo jedes andere Kleinkind Hemmungen gehabt hätte.“ In der Schule habe er dann nicht still sitzen können, habe immer etwas anzetteln müssen. In Gruppen konnte sich Dennis nicht integrieren, war sowohl im Kindergarten als auch in der Schule eher ein Außenseiter. „Als er zehn Jahre alt war, erzählte er, dass er Selbstmordgedanken habe“, sagt Jutta Prinz. Schnell merkten die Eltern: Da steckt mehr dahinter als ADHS.

Das fetale Alkoholsyndrom hat viele Facetten. „Es gibt Kinder mit körperlichen Schädigungen wie Gesichtsdeformationen oder Kleinwüchsigkeit“, sagt Reinhold Feldmann, Diplompsychologe an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Münster und Spezialist in der FAS-Diagnostik. „Andere haben geistige Schädigungen. Ihre Intelligenz ist eingeschränkt. Sie sind sehr naiv. Wenn ihnen jemand sagt: Komm, wir gehen Zigaretten klauen, dann tun sie das.“ Auch Dennis zeigte dieses Verhalten. In der Pubertät fing er an zu trinken und seine Eltern zu bestehlen. Rüdiger Prinz: „Er hatte falsche Freunde. FAS-betroffene Kinder kennen keinen Gewissenskonflikt und neigen zu Kriminalität.“

Welche Menge Alkohol in der Schwangerschaft FAS auslösen kann, kann man pauschal nicht sagen, so Feldmann. „Wenn eine Frau im ersten Monat nicht weiß, dass sie schwanger ist, ab und an mal Alkohol trinkt, dann aber acht Monate gar nichts konsumiert, passiert nichts. Auch eine Praline, die Alkohol enthält, kann keinen Schaden anrichten. Aber trinken sollte man nichts. Auch nicht das ,Schlückchen in Ehren‘. Daran hält sich bekanntlich niemand.“

Dennis, mittlerweile 19 Jahre alt, kann nicht mehr am Schulunterricht teilnehmen oder das tägliche Leben bewältigen. „Derzeit ist er in einer Einrichtung mit betreutem Wohnen untergebracht, um langsam wieder im Alltag Fuß zu fassen.“

© 2007 Neue Westfälische
Herforder Kreisanzeiger, Freitag 15. Juni 2007


aus WIKI;

Das fetale Alkoholsyndrom (FAS), auch als Alkoholembryopathie (AE) bezeichnet, ist die Schädigung eines Fötus durch von der schwangeren Mutter aufgenommenen Alkohol. Mit dem Ausdruck fetale Alkoholeffekte wird eine minderschwere Form des FAS bezeichnet.
// Definition Wird ein Embryo (bis zur 9. Schwangerschaftswoche) oder Fetus (ab der 9. Schwangerschaftswoche) während seiner Entwicklung Alkohol und Alkoholabbauprodukten ausgesetzt, so wird er nicht nur in seiner Entwicklung gehemmt, sondern erfährt in Abhängigkeit von Reifestadium, Alkoholmenge und individueller Disposition weitere körperliche Entwicklungsschädigungen. Diese nachgeburtlich diagnostizierbaren Schäden in ihrem Gesamtbild fasst man unter den Begriffen fetale Alkoholeffekte (bei minderschweren Fällen) bzw. fetales Alkoholsyndrom (beim Vollbild) zusammen. Der ICD-10-Code O35.4 wird angegeben bei der Betreuung der werdenden Mutter bei (Verdacht auf) Schädigung des ungeborenen Kindes durch Alkoholkonsum. Für das Neugeborene wird hingegen der ICD-10-Code Q86.0 verwendet. Geschichte Das FAS wurde (obwohl sicherlich so alt wie der Alkoholkonsum selbst) als Entwicklungsstörung infolge von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft erstmals 1968 durch P. Lemaine in Frankreich beschrieben, 1973 erneut in den USA durch K. L. Jones und D. W. Smith. Die diagnostischen Kriterien sind seit dem im Wesentlichen unverändert das Auftreten einer Mehrzahl von typischen körperlichen, kognitiven und mentalen Entwicklungsstörungen. Ursache Alkohol gehört zu den (Gift-)Stoffen, welche die Plazentaschranke (eine die Kreisläufe von Mutter und Kind trennende Membran) durchdringen können. Da ein Embryo keine und ein Fetus nur geringe eigene Möglichkeiten zum Abbau von Alkohol hat, ist er diesem Zellgift in besonderem Maße ausgesetzt. Hinsichtlich eines tolerablen Alkoholkonsums der Mutter während der Schwangerschaft gibt es keine gesicherten Aussagen. Neben Studien, die einen geringen Alkoholkonsum als nicht signifikant schädigend bewerten, gibt es Feststellungen, nach denen selbst bei nur einmaligem größerem Alkoholkonsum bereits Fehlgeburten auftraten. Es muss zur Zeit davon ausgegangen werden, dass jeder Alkoholkonsum ein grundsätzliches Risiko darstellt und keine Grenze benannt werden kann, unter der Alkoholkonsum in der Schwangerschaft mit Sicherheit keine Schädigung des Kindes nach sich zieht. Der Alkoholkonsum des Vaters spielt hinsichtlich der Entwicklungsstörungen nach den bisherigen Studien keine Rolle. Dies lässt sich auch daraus ableiten, dass FAS keine genetische bedingte Fehlbildung ist, sondern eine Vergiftung während der Schwangerschaft. Hinsichtlich der nachgeburtlichen familiären Situation hat er - wie der weitere mütterliche Alkoholkonsum auch - für die Förderung des Kindes negative Auswirkungen. Entwicklungsstörungen Die Vergiftung des ungeborenen Kindes mit Alkohol führt zu unterschiedlichen Entwicklungsstörungen in Abhängigkeit vom Reifungsstadium: Im ersten Trimester Der Embryo zeichnet sich im ersten Trimester durch die Entwicklung der grundlegenden Organanlagen aus. Dementsprechend tiefgreifend sind die Schädigungen, die in dieser Zeit erfolgen: Mikrozephalie / Mikroenzephalie (Kopf-/Gehirnminderentwicklung) kraniofasziale Hypoplasie (Gesichtsveränderungen mit Unterentwicklung) Fehlbildungen der inneren Organe Im zweiten Trimester In diesem Zeitraum ist die größte Gefahr bei mütterlichem Alkoholkonsum eine Fehlgeburt. Weiterhin kommt es zu: Wachstumsretardierung (Rückstand in bzw. Verzögerung der körperlichen Entwicklung) Im dritten Trimester In dieser Zeit wächst der Fetus körperlich und kognitiv zur Geburtsreife. In dieser Zeit besteht die Gefahr von: Schädigung des Zentralnervensystem (diese Gefahr ist nun am größten) Wachstumsretardierung Krankheitsbild Körperlich Kinder mit FAS weisen häufig mehrere Fehlbildungen aus einer Liste möglicher korrespondierender Fehlbildungen auf. Dies sind: Minderwuchs und/oder Untergewicht mangelndes Unterhautfettgewebe kleiner Kopfumfang (Mikrozephalie) schrägstehende Augenöffnungen eine kurze, flache Nase schmale Oberlippe fehlendes oder schwach ausgebildetes Philtrum (Rinne zwischen Nase und Oberlippe) Fehlbildungen der inneren Organe (Herz, Nieren, etc.) Steißbeingrübchen Fehlbildung der Genitalien und Extremitäten Kognitiv allgemeine Entwicklungsretardierung bis zur Unselbstständigkeit Koordinationsschwierigkeiten Konzentrationsschwierigkeiten schlechtes Gedächtnis Hyperaktivität / Schlafstörungen Schwierigkeiten bei der Reizverarbeitung gestörtes Sozialverhalten fehlendes Hungergefühl Diagnose FAE beziehungsweise FAS wird in der Mehrzahl der Literatur nach folgenden Kriterien diagnostiziert: FAE (FAS Grad I-II) Der Alkoholkonsum der Mutter muss gesichert sein Es müssen zwei der drei FAS-Kriterien vorliegen FAS (Vollbild) Folgende drei Hauptkriterien müssen vorliegen: Vor-/nachgeburtliche Wachstumsstörungen (Dystrophie) Störungen des Zentralnervensystems Gesichtsveränderungen (geschrägte Lidachsen, schmales Lippenrot, hypoplastisches Philtrum, etc.) Folgen Kinder mit FAS entwickeln sich körperlich durchaus weiter, in Studien konnte festgestellt werden, dass sich die körperlichen Hypoplasien während des Wachstums etwas zurückentwickelten. Im kognitiven Bereich konnte dies nicht festgestellt werden. Die überwiegende Anzahl der FAS-Kinder weist eine kognitive Behinderung auf. Hierbei hat auch eine optimale Förderung von Kindern, die zu Pflegeeltern kamen, keine weiteren Entwicklungserfolge gezeigt. Mentale und soziale Defizite konnten nicht beseitigt werden, die Kinder benötigen ein einfach strukturiertes klares Umfeld, um nicht überfordert zu werden.