Startseite
Benefiztour 2009
Benefiz-Rikscha
Rad und Tat e.V.
Blog (Aktuelles)
Gästebuch
Benefiztour 2008
Benefiztour 2006
Tagebuch Benefiztour 2006
Radtouren 87-05
Zu meiner Person
Herford
Ausflugsziele OWL
Presseberichte
Zitatensammlung
Archiv
Integration
 
   
 


Noch 80 Minuten -- bald geht es endlich wieder auf Tour!

Badewasser läuft ein, die Kaffeemaschine brummelt vor sich hin und ich nehme mir einfach noch die Zeit für einen Blog.
Ich freue mich und bin gespannt, was mich erwartet. Das Baltikum ist für mich absolutes Niemandsland.
In der Magengegend habe ich ein leichtes Grummeln. Das liegt wohl daran, dass ich auf allen anderen Touren nur für mich gefahren bin und es eigentlich ziemlich schnuppe war, ob ich das Ziel erreichte oder nicht.
Jetzt fahre ich für die Geistigbehinderten in Herford und durch die Berichterstattung in der NW und letztendlich auch hier verfolgt der ein oder andere diese Fahrt. Etwas Bammel habe ich schon. Wie immer sportlich völlig untrainiert, 5 Jahre älter, kann immer noch kein Rad reparieren. Danke Harald, dass Du Dich bereit erklärt hast, die schwierigste Strecke im Baltikum mit mir zu fahren. Aber wie können dort schwerere Pannen repariert werden? Reichen unsere Ersatzteile? Hoffentlich keine Unfälle und keine Krankheiten. Die Krankenhäuser im Baltikum erreichen längst nicht unseren Standart.
Die Strecke ist gut 1000 km kürzer als die letzten 3 Touren und ich hoffe erstmals auf Rückenwind. Ich zelte dies dieses Jahr nicht und spare dadurch mindestens 1-1,5 Std. täglich.
Ohne Zelt, Kocher, Geschirr, Isomatte, Schlafsack usw. habe ich sicherlich 10-20 KG weniger Gepäck als sonst. All dies macht mir zumindest Hoffnung, dass ich St. Petersburg erreiche, falls nichts Unvorhergesehenes passiert. (Kaffee ist fertig!!!!!).
Ich habe vielen versprechen müssen, mich auf den einzelnen Etappen nicht zu übernehmen. Ich werde versuchen, nicht auf die geplanten täglichen Ziele zu achten, sondern mehr als früher auf meinen Körper.
Ich bedanke mich bei den vielen, die mir auf alle erdenkliche Weise im Vorfeld moralisch und durch Taten unterstützt haben.
Nach dem Schlafdefizit der letzten Wochen und insbesondere der letzten Tage  freue ich mich auf Danzig, wo ich 3 Tage durchschlafen kann, wenn ich wie geplant ankomme. Ganz besonders freue ich mich darauf, das Harald mit dem Flieger nach Danzig kommt und wir nach so langer Zeit mal wieder 2o Tage gemeinsam fahren.
So, jetzt gehts in die Badewanne!! Noch 50 Minuten.
Bis denne



Der Zoll war eben da und hat ein Schweinchen geschlachtet. Nachdem ich die Trichinenbeschau durchgeführt hatte, wurde der Inhalt des Magens entnommen. Ich danke der Frühstücksrunde der FKS Herford (Finanzkontrolle Schwarzarbeit) im Namen der Geistigbehinderten in der GBSG Herford für die gesammelten 50 Euro  -- schon wieder gibt es ein lächelndes Smiley.
Die Bilder werden im Laufe des Tages eingestellt. Jetzt geht's erst einmal mit dem Rad zur Arbeit. Ich hoffe, dass ich dies noch ohne Kernzeitverletzung schaffe. Nach einer für 13:00 anberaumten Besprechung habe ich sicherlich den Kopf frei für die Tour. Kurz nach 15:00 Uhr geht es dann weiter zu Dierk und anschließend endet die kurze "Einrolletappe" in Polle.
Bis denne
beim nächsten Blog
Regenbogenjimmy

Abfahrt Detmold

Um 15:10 Uhr sind wir geschlossen in Detmold abgefahren und haben  jetzt Blomberg erreicht. In ca. 3 stunden dürften wir in Polle sein. Aktuell ist Kaffetrinken auf der Terrasse von Dierk angesagt.
Bei den angenehmen Temperaturen ist es ein tolles Fahren.
Ich mache es jetzt ganz kurz, weil wir heute (Do) etwas in Zeitverzug sind. In Magdeburg, oder spätestens in Danzig vervollständige ich die einzelnen Blogs und füge auch wieder Fotos bei.
Gestern haben wir um 20:00 Uhr bei einbrechender Dunkelheit Polle erreicht.
In den nächsten Tagen folgen Ausführungen zum Emmerstausee, zu Elbrinxen und zu Polle


















Kleine Pause am Emmerstausee in Schieder

















Weserterrassen, Polle

Mittagspause in Einbeck. Dierk  hatte 25 km vor Einbeck Speichenbruch. Das Schaden ist jetzt behoben und gleich gehts weiter. (So etwas würde mich im Baltikum extrem zurückwerfen)
Schönes Wetter und tolle Fotos gemacht. Jetzt muss ich weiter.
Nach gut 140 km sind wir in der JH von Wernigerode gelandet. Beim Aufstieg zur JH kam es bei Dierk zum Supergau. Die Kette ist gerissen und hat mehrere andere Teile beschädigt. Es ist abends nicht klar, ob das Rad überhaupt zu reparieren ist.
Abends haben wir super nett und gut gegessen und zwar bei Karin Langrock in der Gaststätte "Zum Auerhahn" im Stadtteil Hasserode. Obwohl die Küche schon geschlossen hatte, ist der Koch noch mal tätig geworden. Wir hatten viel Spass, aber es ging wieder viel zu spät ins Bett.
Die Fotos werden Samstag eingestellt. Dann bin ich alleine unterwegs und kann mir die Zeit einteilen.

Infos zur Hansestadt Einbeck: Einbeck ist nicht nur eine der bekanntesten Bierbrauerstädte Deutschlands, sondern auch ein architektonisches Juwel. Die malerische Bier-und Fachwerkstadt ist ein beliebtes Reiseziel und eignet sich hervorragend für Ausflüge in den Harz und an die Weser. Der 700jährigen Hansestadt Einbeck verdankt übrigens das Bockbier seinen Namen – hier wurde es zuerst gebraut.


























Mein Spendenaufruf im Maritim-Hotel,Magdeburg

Heute waren es 110 km bis Magdeburg. Wir schlafen in der JH und gleich wird im Maritim abgefeiert. Dierk hatte sein Rad notdürftig repariert bekommen und ist uns später gefolgt.
Beim Fussballturnier der Hobbymannschaften siegte Almelo (NL) vor Bielefeld.
Gleich im Maritim werde ich versuchen zu sammeln. Wenns klappt, gibts morgen wieder lachende Smileys. -- und endlich die versprochenen Fotos.

Hansetour 2006
Sammlung in Magdeburg erbrachte über 550 Euro
Auf meiner Radtour von Herford nach St. Petersburg bin ich mit einer Gruppe von 7 Kollegen nach 330 km Fahrtstrecke in Magdeburg angekommen. Die Sammlung im Maritim Hotel erbrachte die stolze Summe von über 550 Euro. Dieser Betrag wird auf das Spendenkonto der GBSG Herford überwiesen und kommt den Geistigbehinderten der Behindertensportgemeinschaft zu Gute.
Nach dem Start am 6.9. traf sich eine Gruppe von 7 Kollegen aus Steinhagen, Bielefeld, Spenge, Delbrück, und Blomberg in Detmold.
Von dort ging es über Blomberg vorbei am Emmerstausee zum „Storchendorf“ Elbrinxen. Dort konnten 13 Störche und die 1000 jährige Linde bestaunt werden. Der erste Tag endete in Polle an der Weser.
Der zweite Tag war pannenreich und führte bis Wernigerode im Harz. Der Tag begann mit einem Speichenbruch bei Dierk und endete mit einer gerissenen Kette, ebenfalls bei Dierk, die u.a. auch noch verschiedenen Speichen beschädigte.
Am 3. Tag trennte sich die Gruppe wegen des Schadens, aber nach der Reparatur erreichten alle fast zeitgleich Magdeburg.
In Magdeburg fand am Freitag ein international besetztes Hobbyfussballturnier statt. Die teilnehmenden Mannschaften kamen aus Bielefeld, Münster, Hagen, Bochum, Neubrandenburg, Magdeburg und Almelo. Es siegte die Fiod Almelo (NL) vor der Mannschaft aus Bielefeld. Na, aber Weltmeister werden die Holländer nie!!!!
Den gemütlichen Teil der Abendveranstaltung im Maritim Hotel nutzte ich, um für die Spendenaktion zu werben.
Ich hoffe, dass auch in der Heimat die in verschiedenen Geschäften aufgestellten Spendenschweine reichlich gefüttert werden.
Ich danke allen Kollegen und der Kollegin, die mich bis Magdeburg begleitet haben. Es war eine ganz tolle Truppe. Die Stimmung war prächtig.
Ein kleiner Wermutstropfen bei mir war allerdings, dass mich kurz vor Magdeburg ein Vogel zugeschissen hat. Na ja, es gibt Schlimmers und hier zumindest auch noch Duschen :-)
Barbara- Hochachtung vor Deiner sportlichen Leistung!!!!!

Von Magdeburg fuhr ich alleine weiter und hoffe, bis zum nächsten Freitag Danzig zu erreichen. Aktuell mache ich Mittagspause in Nauen.
Gestern habe ich nördlich von Brandenburg übernachtet und hoffe heute bis in die Nähe der poln. Grenze zu kommen.




Radewege-Lanke (Nähe Wandlitz)
Um 8:40 Uhr ging es los bis Nauen. Dort habe ich kurz vor Mittag Rast gemacht und im I-Cafe einige Blogs geschrieben, bzw. vervollständigt. Eine gute Stunde später sah ich in Staffede vor dem Restaurant „Zur Tenne“ den schönen Erntedankwagen stehen. Ich blieb für ein Salatessen auf der Terrasse und dann ging es weiter bis Kremmen. Von dort nach Sommerfeld. In der Nähe von Sommerfeld sah ich die Gedenktafel zum Todesmarsch. Beim Fotografieren muss ich dann meine Radfahrkarte verloren haben.
Bis Sachsenhausen ging es dann weiter nach dem Stand der Sonne. An einer Tankstelle habe ich mir dann eine Straßenkarte besorgt. Die half zumindest die grobe Richtung zu finden. Mein neuer Kompass funktioniert nicht.
Gegenüber der Tankstelle war ein Restaurant der schottischen Feinschmeckerkette Mc. Donalds. Dort habe ich den ersten Teil des Blogs über Sachsenhausen und
das Gefangenenlager in Stukenbrock geschrieben. Die Besichtigung des Lagers hat auch wieder mehr als eine Stunde gedauert. Heute habe ich deshalb weniger km gemacht, als geplant und dazu auch noch wegen des Umwegs über Oranienburg zu weit südlich gelandet.
Mal schauen, ob ich morgen etwas rausholen kann. Mit der Kondition bin zufrieden. Was will ich ohne Training mehr erwarten. Harald wird ab Danzig zwar trotzdem fluchen, aber das kenne ich ja seit nunmehr 20 Jahren. Zumindest beim abendlichen Biertrinken habe ich mindestens die gleiche Kondition zu bieten.
Übernachtet habe ich im Jägerheim Ützdorf, in der Nähe von Wandlitz.
www.jaegerheim-uetzdorf.de
DZ 65 Euro
EZ 43 Euro
Abends wäre ich gerne noch eine Stunde gefahren, aber ich habe ja zu Hause versprochen, vorsichtig zu sein. Als auf der Landstraße nach Biesenthal in der Dunkelheit der Radfahrweg aufhörte, habe ich aus Sicherheit das nächste Hotel angefahren. Mein Preislimit für die Übernachtung war eigentlich überschritten, aber die Gefahr war mir zu groß.
Schon nachmittags hatte mich ein Autofahrer übersehen. Er setzte rückwärts aus einer Ausfahrt und hatte wohl nicht mit einem Radfahrer gerechnet. Ich konnte ausweichen und mein lauter Schrei veranlasste auch ihn zum Bremsen.
Bei den „Fahrkünsten“ der Autofahrer hätte ich auch noch einen Verbesserungsvorschlag für den Bundesfinanzminister:
Jeder Autofahrer, der dazu körperlich in der Lage ist, muss pro Jahr mindestens 500 km auf dem Fahrrad zurücklegen und zwar
1. 250 km auf einer Landstraße ohne Fahrradweg
2. 250 km in der Innenstadt einer Großstadt

Das Wetter war nicht zu überbieten - Sonne pur, bei gut 20 Grad.
Fahrtstrecke: 110 oder 115 km. Ich schaue morgen mal auf den Tacho.
(110 waren korrekt)
Durchschnittsgeschwindigkeit 17 km/h -- eigentlich 18, aber ich habe auf dem weitläufigen Gelände des früheren Konzentrationslagers aus Pietätsgründen geschoben.
Nachtrag. An den ersten 3 Tage betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 15,5 km/h und die Höchstgeschwindigkeit 57,2 km/h. Liebe Kinder: auf keinen Fall versuchen das mit Gepäck am Vorderrad zu wiederholen -- da bin ich manchmal halt immer noch ein bisschen verrückt ;-)

So, dies könnte bis Freitag mein letzter Blog gewesen sein.
Evtl. kommt noch mal ein Kurzblog. In Danzig habe ich dann ja Zeit, weil ich auf Harald warte.
Bis denne
Regenbogenjimmy

Großes Glück gehabt!!
12.09.2006


Abfahrt: 9:20 Uhr
1 km vor dem Ort Chocivel (Freienwalde) bemerkte ich, dass etwas mit meinem Rad nicht stimmte und fuhr an den Straßenrand, um nachzuschauen. Ich setzte gerade die Trinkflasche an den Mund, als hinter mir ein fürchterliches Bremsenquietschen einsetzte. Bei Gegenverkehr wollte das erste Fahrzeug einer Dreierkolonne vor mir abbremsen; es war eine absolute Vollbremsung. Damit hatte der Fahrer im 2. Fahrzeug nicht gerechnet. Er schleuderte mit seinem Auto kreuz und quer über die Straße und letztendlich auf das erste Fahrzeug und mich zu. Das dritte Fahrzeug fuhr in das querstehende 2. Fahrzeug. Da ich vor meinem Fahrrad stand, hätte ich keine Chance gehabt, in den Graben zu springen. In meiner Schrecksekunde, die sicherlich wesentlich länger als 1 Sekunde dauerte, schaute ich auf das auch für mich bedrohliche Schauspiel, welches sich direkt vor meinen Augen wie im Film in Zeitlupe abspielte. Beide beteiligten Fahrzeuge waren erheblich beschädigt. Ich schätze, dass der Sachschaden (mit mittelerop. Maßstäben gemessen) sicherlich weit über 10.000 Euro lag. Zum Glück ist keinem der Beteiligten außer einem gehörigen Schrecken etwas passiert. Und zum Glück hatte der Gegenverkehr gerade passiert, als das mittlere Fahrzeug über die Gegenfahrban schleuderte
Das erste Fahrzeug war ca. 3-4 Meter vor mir zum Stehen gekommen, die verunfallten Fahrzeuge standen direkt dahinter.
Ich hoffe, dass der Schutzengel, den ich heute hatte, mir bei der Fahrt weiter treu bleibt.
So etwas Ähnliches hatte ich vor Jahren schon mal in Südeuropa erlebt. Da hat sich eine Autofahrerin so lange nach dem komischen Radfahrer mit dem vielen Gepäck umgeschaut, dass sie eine Verkehrsinsel überfuhr und von einer Laterne oder einem Straßenschild (weiß nicht mehr genau) gestoppt wurde. Auch damals war der Sachschaden beträchtlich, aber ich war nicht gefährdet wie dieses Mal.
Ich wollte sowieso im nächsten Ort Pause machen und diese hatte ich nach der beschriebenen Situation mehr als nötig, um mich zu beruhigen.
Mein Rad hat eine lose Speiche und somit eine leichte „Acht“ im Hinterrad. Das Vorderrad gefällt mir auch nicht, weiß nur nicht warum. Nach dem Unfall ist diese „Kleinigkeit“ mehr als harmlos, obwohl ich jetzt (Mittagspause Chocivel) nicht weiß, ob und wie ich die nächsten größeren Orte erreiche. Ich muss jetzt auf jeden Fall die Mittagspause abkürzen. Vielleicht gibt es Möglichkeiten in Lobez (Labes – ca. 35 km), oder erst in Swidwin (Schivelbein – 55km). Ich fürchte, nicht bis Biatogard (Belgard—95 km) zu kommen. Auf jeden Fall muss ich die vorgesehene Mittagspause jetzt stark verkürzen.
Es gibt eine Suppe, einen Salat und 1 L. Cola (7 Euro)
Jetzt wird bezahlt (14:30 Uhr) und dann geht es schnell weiter.
Von wegen schnell weiter. Die „Acht“ im Rad wir immer schlimmer. An Fahren ist selbst auf gerader Strecke kaum zu denken – und wenn, dann mit vielleicht 11-14 km/h. Es wird sehr anstrengend. In Lobes geht es nicht mehr. Ich will ja nicht wieder im Dunklen und dann noch mit beschädigtem Rad ein Hotel suchen. Auch hier ist es nicht leicht, was zu finden. Ich lande in einer Art Jugendherberge. Die beiden Mädels am Empfang sind sehr nett. Aber es gibt hier keine Werkstatt. Dann muss ich morgen wohl ganz früh aufstehen und schauen, wie es weiter geht. Jetzt kann ich froh sein, wenn ich überhaupt Freitag ankomme. Aber nach dem Unfall scheint mir das auch nebensächlich. Harald kommt ja eh erst Sonntag und bis dahin werd ich wohl die restlichen gut 300 km schaffen. Jetzt rächt sich das viele Gepäck.

----
Ich bin bisher durch die Bundesländer NRW, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und durch Brandenburg geradelt. Seit gestern bin ich überall Ausländer. Das bleibt auch in den folgenden 6 Ländern so.
Meine bisherige Erfahrung in Westpommern: Die meisten Leute sind mir gegenüber freundlich, hilfsbereit und sie behandeln mich respektvoll.
-- eine gute Erfahrung --

Das letzte habe ich vor einer Stunde geschrieben. Jetzt wird es noch besser. Eben klopft eins der Mädel vom Empfang. Ich hatte sie zu Beginn nach einer Reparaturwerkstatt gefragt. Sie sagt, es sei ein Radfahrer gekommen, der mir vielleicht helfen könne, was ich denn für ein Problem mit dem Rad hätte. Ich erklärte, dass es die Speichen seien. Wenige Minuten später kam der Mann. Mittlerweile hatte ich festgestellt, dass 2 Speichen hinüber sind. Er erklärte, dass er vielleicht solche Speichen zu Hause habe. Er müsse nur noch anrufen. Wenn ich morgen früh bis 10 Uhr warten würde, könne er mir vielleicht helfen.
Wäre so etwas bei uns auch in dieser Form möglich, wenn ein Pole in der JH absteigt? Ich wage das zu bezweifeln.
Ich habe bis auf ganz wenige Ausnahmen auf allen Touren die Erfahrung gemacht, dass in allen Ländern Gastfreundschaft mehr gilt als zu Hause. Natürlich gibt es auch bei uns rühmliche Ausnahmen.
Harald, kannst Du Dich erinnern, als in der Toskana kein Zimmer mehr zu bekommen war? Was waren wir froh, dass wir auf der Wiese (für umsonst!) zelten duften. Ein Wasserhahn mit total kaltem Wasser stand mitten auf der Wiese. Für uns war dieser Notbehelf super, denn was soll man ohne Unterkunft machen.
Oder wieder in Italien, als wir keinen Gasthof finden konnten. Der einzige Gasthof war ausgebucht. Wir müssen wohl ziemlich fertig ausgesehen haben, denn uns wurde auch damals angeboten, mit unseren Schlafsäcken und Luftmatratzen auf dem Tanzboden zu schlafen. Toilette und Wasser gab es dort auch.
Als wir am anderen Tag zahlen wollten, war die Übernachtung umsonst – wir sollten nur das Frühstück bezahlen.
In Frankreich bei Lyon fragte ich einen älteren Radler (durchtrainiert auf Rennrad), wie ich am besten durch Lyon käme und auf welcher Seite der Rhone ich am besten weiter fahren könne. Er hat mich bis zur Rhone begleitet, obwohl er danach den ganzen Berg wieder hinauf musste.
Ich könnte noch viele solche Geschichten erzählen.

Ohne diese positiven Erfahrungen hätte ich sicher die ein oder andere Fahrt nicht bis zum Ende geschafft.

-------
90 km
durchschnittliche Geschwindigkeit: 13,5 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 46,2 km/h
Es ist immer noch recht welliges Gelände. Das hatte ich in dieser Form nicht erwartet.
Wetter: ein Spätsommertraum (das lasst das andere leichter ertragen)

Unterwegs eine Schlange gesehen. Weil ich nicht weiß, ob es hier giftige gibt, bin ich lieber ohne Foto weiter gefahren.

Erste Nisthilfe für Störche gesehen. In Polen habe ich noch keinen Storch gesehen. Vielleicht sind sie schon nach Süden aufgebrochen, obwohl das Wetter im Moment noch tadellos ist.


__________

Am nächsten Morgen (13.9.) gab’s in der Kantine ein schönes Frühstück. Weil dort allerdings sonst niemand Kaffee trank, war es mit dem Kochen ein Problem:
Kaffeemehl in die Tasse und aufgegossen ohne Filtertüte. Das war dann leider für mich nicht genießbar.
Mit Händen und Füßen haben wir uns verständigt, was ich auf’s Brötchen haben möchte. Alle sind hier sehr nett und zuvorkommend – zumindest was die Leute angeht, die das 20. Lebensjahr überschritten haben.
Für weniger als 3 Euro habe ich ein super Frühstück erhalten.

Draußen scheint die Sonne und ich habe jetzt 2 Sunden Zeit, um auf den netten Radfahrer zu warten, der zu Hause möglicherweise Ersatzteile für das Rad hat. Ich kann mich ärgern, dass ich selber keine Speichen mitgenommen habe, sondern diese erst mit Harald nach Danzig einfliegen. Ich bin davon ausgegangen, dass ich hier zumindest in den größeren Städten eine Reparaturwerkstatt finde, die entsprechend ausgerüstet ist.
Bisher werde ich durch diese Reparatur fast einen Tag verlieren (gestern habe ich ja auch 60 km weniger gemacht, als geplant). Durch den spontanen Umweg über Oranienburg habe ich einen weiteren halben Tag „verloren“. Somit bin ich frühestens am Freitag, später Abend, in Danzig. Aber ich habe immer noch 2 Tage Luft, bis Harald kommt.
Euer
Regenbogenjimmy

Donnerstag, 14.09.2006
Ich habe sehr schlecht geschlafen und bin gerade aufgestanden. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass es wieder wolkenlos ist.
Ich habe überhaupt keinen Appetit, aber etwas muss ich essen, sonst fehlt im Laufe des Tages die Kraft.
Das Frühstück war gut. Ich konnte zwischen 4 Gedecken wählen und habe das mit Quark genommen.
Mein Zimmer liegt in der 3. Etage. Ich habe schon beim Treppensteigen schwere Beine. Sehr viel wird das heute mit dem Fahren nicht werden.
Um kurz nach halb neun geht es los. Es herrscht den gesamten Vormittag leichter Gegenwind.  Völlig saft- und kraftlos geht es auf die ersten Kilometer.
Mir wird klar, dass ich heute ohne ausreichende Pausen keine Chance habe anzukommen.
Also versuche ich viele Pausen einzulegen. Alle 18 km eine Pause von 20-30 Minuten erscheinen mir notwendig. Es ist jetzt 12:00 und ich sitze vor einem Teller Salat. Heute habe ich erst 35 km geschafft.
Mal gut, dass mich der alte Kampfstier Harald so nicht sieht. Ich höre schon wieder seine Worte: „Wenn Du das nächste Mal nicht trainierst, fahr ich nicht mehr mit“. Aber Harry, ich habe ja 3 Tage Pause bis Du kommst und etwas zahnloser bist Du sicherlich in den letzten 5 Jahren auch geworden J.
In diesem Sinne: Harry, ich freue mich auf Montag.
Vom BSG habe ich eine SMS bekommen, die mitten im Satz abbricht „leider muß ich …“
Na, vielleicht kann ich morgen übers Internet erfahren, was los ist. Wenn mich jemand erreichen will, scheint mir SMS am günstigsten, weil ich es kaum schaffe, öfter ins Internet zu gehen (0175/1411290).
Nach der zweiten Pause mit viel Essen und Trinken habe ich für den Rest des Tages wieder Power.
Nachmittags wieder Speichensalat. Bin deshalb zu spät in Danzig angekommen, um noch ein bezahlbares Zimmer zu bekommen. Ich habe im Bahnhof darauf gewartet, dass Mc Donalds um 5:00 Uhr aufmacht. Da sitze ich jetzt und will so gegen 9 Uhr mal auf die Suche gehen. Ich bin total übermüdet und möchte nur noch ins Bett.
Harald, bei einer der hinteren Gepäcktasche ist eine Oese abgefallen. Ich glaube nicht, dass die Tasche die ganze Tour  hält. Ortlieb gibt zwar lebenslange Garantie, aber das hilft mir hier nicht wirklich. Bring bitte die kleine Gepäcktasche wieder mit. Zur Not muss die auch mal hinten aushelfen. Das Buch brauchst Du nicht mitzubringen, weil ich nicht zum Lesen komme.
Ich schicke Dir spätestens morgen die Anschrift des Hotels.
Bis Danzig waren es so 140 km. In Danzig bin ich noch mal knapp 20 km wegen des Zimmers durch die Gegend gefahren.
Wegen des Speichenschadens heute keine Duchschnittsgeschwindigkeit.
Höchstgeschwindigkeit gut 48 km/h.

Der alte Mann und das Fahrrad (frei nach Hemmingway)
So, jetzt bin ich also in Danzig angekommen und habe 3 Tage Zeit, um meine Wunden zu lecken und etwas gegen die Müdigkeit zu tun.
Es ist nicht ganz so wie deftig, wie nach dem stundenlangen Kampf des Spencer Tracy mit einem Schwertfisch, aber etwas Erholung tut sicherlich gut.
Ich habe ein Hotel gefunden und erst einmal 90 Minuten geschlafen.
Harald, das Hotel heißt ABAK. Es liegt in der Beethovensstr. 8., 2,5 km hinter dem Bahnhof, also von der wunderbaren Altstadt abgewandt.
Im Bahnhof gleich rechts hängt ein Plan. Wenn Du auf die Nr. des Hotels drückst, leuchtet ein Lämpchen mit der genauen Lage auf.
In der Innenstadt gibts es nur 4 Sterne Hotels und mehr -- absolut nicht für meine Geldbörse.
Das Hotel ABAK ist schon ok. Übernachtung im EZ 50 Euro, im DZ 33 Euro/p.P.

Ab Montag wird Harald mich wieder scheuchen, bis ich Schaum vorm Mund habe.
Ich höre schon jetzt seine Worte (die höre ich übrigens schon seit 20 Jahren immer wieder).
“Wenn Du beim nächsten Mal nicht vorher trainierst, kannste alleine fahren“
Also schone ich mich bis dahin. Morgen habe ich ein Auto geliehen nd fahre vielleicht in die Masuren.

Das bequemste und unkomplizierteste Drittel der Tour habe ich sicherlich hinter mir und wir wissen beide nicht, was uns in Ostpolen, in Kaliningrad und im Baltikum erwartet.
Von den Radfahrwegen her wird es sicherlich nicht besser. Das gilt auch für schwierige Reparaturen. Über die  medizinischen Möglichkeiten im Falle von Krankheiten oder Verletzungen will ich lieber gar nicht erst nachdenken.
Na, mal schauen.
Sicherlich ist es sinnvoll, in den fast  menschenleeren, ärmlichen Gegenden des Baltikums nicht alleine unterwegs zu sein. Auch Kaliningrad sollten wir schnellstens durchfahren.

Ich freue mich jedenfalls, mal wieder über 2 Wochen mit Harald unterwegs zu sein. Er hat Ahnung bei kleineren Reparaturen und ist ein angenehmer Begleiter.

So long
Euer Regenbogenjimmy

Ein wirklich unhöflicher Akte
Meine Leistenprobleme, die ich schon seit einigen Wochen vor der Radtour habe, machen sich verstärkt bemerkbar. Zum Glück nicht wenn ich sitze (also auch auf dem Rad), sondern insbesondere beim Stehen und Laufen.
Deshalb habe ich in den letzten Tagen schon manchmal ein Taxi genommen, um aus der Stadt zurück zu kommen. Für 3-4 Euro konnte ich die Beine etwas schonen, obwohl ich gerne mehr gegangen wäre.
Heute wollte ich dann mal den Bus probieren. Für umgerechnet 70 Cent kaufte ich beim Busfahrer ein Ticket und blieb direkt hinter ihm stehen, weil der Bus schon ziemlich voll war.
Dabei habe ich nicht bemerkt, dass man im hinteren Teil des Busses die gerade gekaufte Karte noch abstempeln musste.
Im Bus war wohl ein Kontrolleur mitgefahren, der dies bemerkt hatte und mich beim Ausstieg mehr als unfreundlich zurückhielt. Er stand da wie John Wayne, nachdem dieser 3 Tage durch die Wüste geritten war. Ich wusste überhaupt nicht was er wollte, weil ich doch gerade ein Ticket gekauft hatte. Das er nicht handgreiflich wurde, war fast schon erstaunlich. Er riss mit wütendem Blick mindestens 5-10 Mal meine 3 Tickets zu je 0,70 Sloty durch. Eine jüngere Polin entschärfte die Stimmung. Sie sprach mit dem Kontrolleur und dem Busfahrer, der mir ja gerade erst das Ticket verkauft hatte. Dann erklärte sie mir auf Englisch, dass es wohl besser wäre, beim nächsten Mal die Tickets auch abzustempeln.
Ich meine, es war für alle offensichtlich, dass ich nicht „schwarz“ fahren wollte. Ein netter Hinweis durch den Kontrolleur hätte es doch auch getan, insbesondere weil ich völlig ruhig geblieben war und mich in keinster Weise von ihm provozieren ließ.
Aber so etwas habe ich schon öfter in den vergangenen Jahren erlebt. Insbesondere sind mir Situationen aus dem früheren Jugoslawien und Spanien erinnerlich, wo eine Uniform anscheinend noch einen „richtigen Mann“ ausmacht und wer eine Uniform trägt oder sonst welche hoheitlichen Aufgaben wahrnimmt, seine vermeintliche „Macht“ auch zeigen muss.
Auch bei diversen Visiten in der früheren DDR und auf der damaligen Transitstrecke habe ich ähnliche Beobachtungen gemacht.
Vielleicht reagiere ich aber auch nur etwas sensibel, weil ich mit einem Uniformträger in meiner Kindheit und Jugend nicht die besten Erfahrungen gemacht habe.
Euer Regenbogenjimmy

Montag, 18.09.2006

Noch immer ein super Wetter. Entlang der Ostseeküste haben wir uns
verfahren und bestimmt 15 km Umweg über sehr schlechte Wege gemacht.
Durch die Besichtigung des früheren Konzentrationslager Stutthof habe wir eine weitere Stunde Zeit verloren und deshalb unser für heute geplantes Ziel um ca. 40 km verfehlt.
Nach gut 110 km haben wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit (ca. 19:00 Uhr) ein sehr schönes und preiswertes Nachtlager gefunden. Es handelt sich um eine Blockhütte für 2 Personen.
Die Übernachtung kostet weniger als 8 Euro p.P. und das Frühstück ca. 2,50 Euro.
Wie beide habe zusammen noch 4 Flaschen Bier für 3 Euro getrunken.
Nur die Mücken sind störend, aber das lässt sich direkt am Wasser kaum vermeiden.

Das ehemalige Konzentrationslager Stutthof ist jetzt als Museum zugänglich. Auch nach über 60 Jahren lief mir noch ein kalter Schauer über den Rücken. Hier liegt das Krematorium in unmittelbarer Nähe der Gaskammer. Im Krematorium kann man noch die 3 Öfen sehen, in denen früher die toten Häftlinge verbrannt wurden.
Das Kz. war, so habe ich es zumindest verstanden, ein Arbeitslager für die Waffenindustrie. Wenn einer der Häftlinge die Arbeitsleistung nicht mehr erbringen konnte, wurde er über die Gaskammer und das Krematorium „entsorgt“. Auf einer Schautafel kann man noch sehen, vor welcher Baracke damals ein Galgen stand. Vor der Baracke nebenan stand, wie ich das gedeutet habe, ein spezielles Foltergerät.
Nach Rückkehr aus meinem Urlaub werde ich mich über dieses, mir bisher nicht bekannte Konzentrationslager informieren und die Angaben dazu in diesem Block vervollständigen.

Ich verweise in diesem Zusammenhang auf meine Blogs zum Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg und zum russischen Kriegsgefangenenlager Stukenbrock.

110 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: nicht gemessen
Höchstgeschwindigkeit: bis 10 Min. vor Ende 26,5 km/h dann ein schöner Abschlussberg mit
57,5 km/h.
Es ist jetzt bereits um kurz nach 19:00 Uhr so dunkel, dass man bei den schlechten Straßenverhältnissen nicht weiter fahren kann.

Euer Regenbogenjimmy


Gutes Frühstück, gutes Wetter und um 8:40 Uhr ging’s los.
Kurz nach Mittag haben wir die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) erreicht. Der Grenzübertritt dauerte ca. 45 Minuten—völlig unproblematisch. Wie wurden den PKW vorgezogen.
Kaliningrad ist eine absolut trostlose Stadt. Wir sind möglichst schnell durchgefahren und haben abends ein Hotel kurz vor der Kurischen Nehrung gefunden (in Cranu, gut 30 km hinter Königsberg). Wir sind wieder im Zeitplan. Morgen geht’s über die Kurische Nehrung mit Grenzübertritt auf der Kurischen Nehrung nach Klaipeda – möglichst schnell raus aus Russland!!
Die Autofahrer fahren absolut rücksichtslos und wir freuen uns auf eine hoffentlich (?) autofreie Kurische Nehrung.
Abends zog sich der Himmel zu und bis Cranu begleitete uns sporadisch Gewitterdonner. Es blieb aber trocken. Nachts hat es stark geregnet.
Hotel ist sehr gepflegt und neu. Preis kennen wir nicht.
Wir kommen um 19:30 Uhr MESZ an, haben aber nicht bedacht, dass es ist es schon 20:30 Uhr ist und als wir nach dem Duschen im Hotel noch was essen wollten, hatte die Küche bereits geschlossen. Also haben wir das Essen flüssig in Form von 2 Flaschen Bier zu uns genommen.

135 km bei 16,5 km/h – Höchstgeschwindigkeit 46,4 km/h.

Am anderen morgen klingelte mein Wecker bereits um 5:30 Uhr (6:30 Uhr russ. Zeit). So kommen wir heute, am 20.9. vielleicht früh an. Wir vermuten, dass in Litauen wieder die MESZ gilt und wir auch bis St. Petersburg nicht in eine andere Zeitzone kommen (erst 1 Tag vor St. Petersburg wieder die russ. Zeit von heute).
(Nachtrag: auch im Baltikum gilt MESZ + 1Std.)
Meine letzte Fragerei hat so gut geklappt. Deshalb folgende Frage in die Heimat:
Komme ich bis St. Petersburg in eine weitere Zeitzone? Lt. Fernsehen dürfte Moskau MESZ + 2Std. haben.

Das Frühstück am 20.09. war sehr gut. Das hier ist sicherlich ein Hotel der gehobenen Klasse. Auf den Preis sind wir gespannt. (Nachtrag: 29 Euro p.P. inkl. 2 Warsteiner für jeden).

Ebenso gespannt sind wir auf die Windrichtung. Draußen ist es stark bewölkt und sehr windig. Es regnet zwar nicht, ist aber noch nass vom vielen Reger der vergangenen Nacht.

In Klaipeda hoffe ich mal wieder in Internet zu kommen. Ich muss noch mindestens 3 Collagen für die „Sparschweine“ zur BSG schicken.

Ich wollte heute meine Regenjacke zurechtlegen und merke, dass ich diese wahrscheinlich schon vor Magdeburg verloren habe.

Euer Regenbogenjimmy

Cranu - Klaipeda
Das Wetter hält sich, es ist aber nach dem Regen letzte Nacht windiger und kälter geworden.
Die Kurische Nehrung ist toll. Sie ist ca. 100 km lang, davon 50 km russisch und 50 km litauisch. In Russland noch wenig befahrene Bundesstraße, ab Litauen vollständig super Radweg. Dieser führt durch Wälder und entlang der großen Dünen, fast immer abseits der Bundesstraße.
Kurz vor Klaipeda hatte diesen Sommer ein Waldbrand große Flächen vollkommen verwüstet.
Wir sind einige Minuten gefahren und links und rechts des Radweges war alles völlig abgebrannt (vielleicht auf 2-3km). Das Feuer muss erst vor Wochen gewütet haben, denn auf dem Boden zeigte noch nicht ein Spier Grünes.
In Klaipeda gibt’s anscheinend nur Hotels ab 70 Euro p. P. und aufwärts. Wir haben die 5 Hotels abgegrast und kein billigeres gefunden. In 2 Stunden sind wir im Ort noch einmal ca. 10 km gefahren. Ein weiteres Hotel war belegt und bei der letzten Möglichkeit haben wir das einzige noch freie Zimmer bekommen. Das Frühstück war gut. Das Hotel liegt in einer Seitenstraße nicht weit von der Information und heißt Preludija.
Der Preis wird morgen nachgereicht; auf jeden Fall das DZ unter 140 Euro.
(Nachtrag: 50 Euro p.P.)
gut 110 km + 10 km Hotelsuche
Bis Kaipleda 15 km/h im Durchschnitt und 46,2 Höchstgeschwindigkeit.
Abends super und günstig direkt in der Altstadt gegessen.
Hoffentlich haben wir morgen nicht soviel Gegenwind. Heute lief es bei mir nicht gut.

Donnerstag, 21.09.2006 - mal wieder Speichenbruch
Von Klaipeda (Memel) nach Liepaja (Libau)

Wir sind heute morgen um 9:00 Uhr Ortszeit (8:00 MESZ) losgefahren. Das Wetter war wieder vorzüglich. Bei Sonnenschein waren es wohl knapp über 20 Grad.
Bis 3 km vor die Grenze nach Lettland hatten wir einen vorzüglichen Radweg. Dieser wurde erst im Sommer 2006 eröffnet (Kosten 3,6 Mio. Euro) und soll in den Sommermonaten einen richtigen Ansturm an Fahrradtouristen gebracht haben. Der Radweg Nr. 10 geht ganz toll ausgebaut von der russisch-litauischen Grenze bis wenige km vor die Grenze von Lettland. Das waren über 100 km Radfahren fernab der Hauptstraßen in einer eindruckvollen Landschaft - einfach toll.
Litauen nähert sich fast mitteleuropäischem Standard und ist zumindest in der Urlaubsregion, in der Nähe der Ostseeküste, kaum von deutschen Urlaubsorten zu unterscheiden. Die Litauer haben sich, zum Teil mit EU-Hilfe sehr viel Mühe gegeben und in den letzten 10 Jahren verstärkt auf die Karte "Fremdenverkehr" gesetzt.
Wir haben für umsonst auch eine gute Radfahrkarte bekommen. Es ist ein Heft, welches den gesamten Radweg durch Litauen beschreibt. Es ist mit Hilfe der EU in 2006 mit einer Auflage von 45.000 Exemplaren erschienen, davon jeweils 15.000 in deutscher, englischer und Landessprache.
Ein ganz toller Ort ist Palanga. Hier haben wir Mittagspause gemacht und ich konnte mal wieder mein Rad reparieren lassen. Es waren 2 Speichen gebrochen. Der Ort hat eine breite Promenade und wir haben in der Sonne im Biergarten eines schönen Restaurants gesessen. Die Preise liegen unter denen bei uns zu Hause.
Der Grenzübertritt nach Lettland dauerte nur deshalb 2 Minuten, weil ich meinen Pass suchen musste. (Auf den späteren Blog "Grenzübertritte") sei schon jetzt hingewiesen.)
In Lettland soll es angeblich auch einen Radweg geben, wir wurden aber bis Liepaja über die Hauptstraße geführt. Das machte wenig Spaß, gerade weil wir in Litauen erfahren hatten, wie toll man die Radwege führen kann.
Lettland scheint mir auch etwas ärmlicher zu sein.
Wir übernachten im Parkhotel Roze. Hier soll ca. 1919 die erste Deutsche Botschaft oder eine ähnliche Einrichtung untergebracht gewesen sein. So haben wir zumindest das Hotelpersonal verstanden.
Nach 1945 sollen hier russ. Militärattaches untergebracht worden sein.
Das Haus ist seit 2002 vollständig renoviert.
Es wurde in der Atmosphäre des Jugendstils gebaut.
Roze ist das einzige Gasthaus in der Stadt, das in der Strandparkzone liegt. Bis zum Meer sind es 100 Meter, bis zum Zentrum 3-5 Minuten zu Fuß.
Wir zahlen im DZ ca. 35 Euro p. P. inkl. Frühstück. Das Frühstück war einfach super. Fazit Liepaja: Das Hotel ist toll. Die Stadt lässt sich jedoch noch nicht mit den herausgeputzten Orten Litauens vergleichen.

gut 110 km, früh angekommen (18:00 Uhr Ortszeit, 17:00 Uhr MESZ).
Ca. 15,5 km/h im Durchschnitt, bei ca. gut 30 km/h Höchstgeschwindigkeit.




Übrigens: von Polen bis hier: Pilzsucher über Pilzsucher. Alle mit vollen Körben. Man sollte das Wort "Pilzsucher" umbenennen in "Pilzfinder"
Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge uvm


Hafenstadt Liepaja (Libau)
Die Hafenstadt Liepaja wird umrahmt von den Seen Liepaja und Tosmare. Die Stadt ist ein Industrie-, Kultur- und Bildungszentrum, Feriengäste finden hier lange Strände und vor allem ein Meer, das noch sauberes Wasser hat.
Erstmalige Erwähnung findet L. im Jahre 1253, als die Ordensbrüder ein an einem Naturhafen gelegenes Fischerdorf einnahmen. Im Nordischen Krieg, während der Napolonischen Feldzüge und während des Krimkrieges war L. von fremden Truppen besetzt.
1899 nahm hier die erste Straßenbahn im Baltikum ihren Betrieb auf.
Während der Unabhängigkeitskämpfe 1919 war die Hafenstadt zeitweiliger Sitz der ersten Regierung Ulmanis. Im Zweiten Weltkrieg erlitt Liepaja beträchtliche Schäden.

Heute ging die Fahrt bis ca. 40 km hinter Haapsalu.
Hier haben wir 3 Stunden Pause gemacht, weil wir eigentlich ein Hotel 13 km hinter der Stadt nehmen wollten. Dieses haben wir nicht gefunden und dann wurde es eine Nachtfahrt.
Um 21:00 Uhr kamen wir in einer Ferienanlage in Läänemaa an.

Geschützt vor Wetterkapriolen durch die Insel Vormsi liegt Haapsalu in einer Bucht und wurde auf einer Landzunge erbaut, die in das Meer hinausragt.
Die Stadt ist Touristenmagnet.
Sehenswert ist die Bischhofsburg, der Bahnhof mit dem Museum und der Kursaal (siehe Foto)

Die Kraniche sammeln sich und fliegen gen Süden. Auf einer Wiese sahen wir hunderte dieser schönen Vögel, die sich noch einmal voll fraßen. Gegen Abend haben wir mindestens 20 Schwärme von im Schnitt ca. 50 Tiere gesehen. Das war schon gewaltig, wenn diese mit dem bekannten Geschrei über einen hinweg flogen.

Wetter ist heute wieder hervorragend.
Gut 125 km bei 19 km/h Durchschnitt und 40 km/h Spitze

Freitag, 22.09.2006


Soll's das gewesen sein?? Weiterfahrt fraglich!!
Heute sind wir nach Saldus gefahren. Mein Rad scheint doch nicht mehr das Gnadenbrot zu Hause genießen zu wollen. Es bricht eine Speiche nach der anderen. Es ist kein Problem des Gewichts (zumindest nicht vorrangig), sondern ein Problem der gesamten Felge und des Rahmens. Das Problem tritt am Hinterrad auf, wo auf meiner letzten großen Tour an die Algarve der Rahmen gebrochen war. Ich hatte den Stahlrahmen dann schweißen lassen. Eigentlich wäre das Rad wohl doch nur noch ohne Gepäck nutzbar gewesen. Jetzt muss es mit dem Eigengewicht, meinem Gewicht und dem Gewicht des Gepäcks sicherlich über 120 kg transportieren. Bei jedem Speichenbruch wurden auch andere Speichen angezogen, so dass, so vermuten wir jedenfalls, immer mehr Speichen unter einer besonderen Spannung standen. Eine kleine Unebenheit auf der Straße reicht dann aus, und die zu fest gespannten Speichen reißen, eine nach der anderen.
Heute fing es schon nach 10 km an, dass das Rad eine Unwucht hatte und immer an den Rahmen anschlug. Das bremst etwa so, als wenn man auf einem Trimmrad 100 Watt mehr einstellt – und noch zusätzlich das oben beschriebene Gewicht.
Ich habe mich damit weitere 20 km abgequält, bis dann eine Speiche riss. Damit war eigentlich „Ende“ angesagt, denn das Rad hatte eine derartige „Acht“, dass selbst ein Schieben undenkbar bar. Harald hat es geschafft, eine „Notspeiche“ aufzuziehen. Das ist im Prinzip ein lockerer Stahldraht, der wie eine Speiche eingezogen und dann festgezogen wird. Mit einfachsten Werkzeugen musste das Gewinde so gekürzt werden, dass es weiterhin als Gewinde taugte. Die Unwucht war auch danach immer noch gewaltig, so dass wir die hinteren Hydraulikbremsen lösen mussten.
So bin ich dann noch über 70 km weitergefahren, bis zur nächsten Werkstatt.
Hier habe ich eben das Rad abgegeben und das Problem geschildert. Sie haben versucht, die Ersatzspeiche auszuwechseln. Aber das Hinterrad war nur schwer zu richten.
In der Werkstatt wollen sie es morgen mit einem neuen Hinterrad probieren. Das ist etwas breiter, aber meine einzige Chance. Ich hoffe, dass das mit den Ritzeln und der Schaltung passt. So geht es jedenfalls nicht weiter. Mit dem alten Hinterrad hätte ich das Problem noch die ganze Tour gehabt und nach Riga (wollen wir morgen eigentlich schaffen) gibt es kaum noch größere Städte bis Tallin, so dass Reparaturen kaum möglich sind.
Na ja, morgen früh um 10 Uhr weiß ich mehr. Dann soll das Rad fertig sein.
Das wir mit den Problemen heute über 105 km geschafft haben, ist schon erstaunlich. Aber meine Kondition bessert sich und ich habe getreten wie ein Kampfstier, um Saldus zu Geschäftszeiten zu erreichen.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei knapp 17,5 km/h und die Höchstgeschwindigkeit betrug 45,5 km/h.
Das Wetter ist ein Traum. Landschaft, Leute und Infrastruktur sind in keinster Weise mit Litauen zu vergleichen. Die Leute scheinen verschlossen. Kaum einer spricht englisch und wenn man sie anspricht, gehen die meisten wortlos weiter. Das wäre so in Litauen nicht passiert.

Das Hotel ist einfach, wird aber peu a peu renoviert. Das Zimmer kostet für jeden 20 Euro.
Abends war das Essen, wie schon mittags, sehr gut und außergewöhnlich preiswert. Im Landesinneren kosten Getränke und Essen kaum ein Drittel gegenüber den Mahlzeiten bei uns zu Hause. Für unter 8 Euro werden Harald und ich mit jeweils 2 Gängen und 1 großem Bier verwöhnt. Ich habe dann noch ein großes Eis mit frischen Früchten und ½ l gezapftes Bier nachbestellt und dafür insgesamt 2 Euro bezahlt.
Ich komme seit Tagen nicht ins Netz und habe keine Ahnung, ob die Spendenaktion noch was gebracht hat.
Den Wecker konnten wir einmal etwas später stellen, weil das Rad morgen erst ab 10 Uhr fertig ist.
Das Frühstück war zwar nicht mit dem Buffet im Parkhotel Roze zu vergleichen, aber es war genug und sehr nett dargeboten.
Draußen ist wieder ein strahlend blauer Himmel (23.09.)

Drückt mir mal die Daumen, dass die Reparatur geklappt hat und ich die Tour nicht wegen Materialproblemen abbrechen muss.

Euer Regenbogenjimmy


Wie soll’s denn jetzt weiter gehen?
Mein Fahrrad konnte heute (Sa, 23.09.) nicht repariert werden. Das neue Hinterrad passt nicht. Der sehr nette Fahrradhändler hat dann versucht, einen Großteil der Speichen auszutauschen. Er hat über 3 Stunden versucht, das alte Hinterrad irgendwie einzustellen. Die Unwucht ließ sich zwar mindern, aber nicht völlig abstellen. Ein Angestellter ging mit uns ca. 1 km zu einem weiteren Fahrradreparaturladen. Aber auch dort gab es kein passendes Hinterrad.
Sie riefen bei einem großen Fahrradladen in Riga an. Dieser liegt an der Zufahrtstraße zur Stadt. In diesem Geschäft soll es angeblich ein passendes Rad geben. Sie habe auch am Sonntag bis 15:00 Uhr auf. Wir wurden tel. angekündigt.
Was habe ich jetzt für Möglichkeiten?

1. Die haben wirklich ein Hinterrad, welches passt, können wir mit geringer Verspätung auf die weitere Tour gehen.

2. Die haben kein geeignetes Hinterrad: dann müsste ich eigentlich aufgeben

3. absoluter Blödsinn: ich fahre mit dem beschädigten Rad weiter – es sind noch ca. 900 km
    von ca. 2800 und zwischen Riga und Tallinn (400 km) gibt es keine größeren Städte

4. wirtschaftlicher Blödsinn: Ich kaufe mir hier ein neues Fahrrad. Hier gibt es kaum Räder, die so sind, wie ich es haben möchte. Volker soll mir nächste Jahr ein ergonomisch  sinnvolles Rad für die nächsten Jahre zusammenbauen, oder zusammen bauen lassen.   Ich habe dafür schon ganz bestimmte Vorstellungen. Außerdem müssten auf ein hier    gekauftes Rad auch die Gestelle für die Ortlieb-Taschen passen.

Ich hoffe, dass die wirklich ein passendes Hinterrad haben. Wie ich mich kenne, käme der ansonsten sinnvollste Weg (Nr. 2) nicht in Betracht.


Euer Regenbogenjimmy

Eine einzige Felge der Schürmann-Werke aus Helpup(!!) bewahrt mich vor Blödsinn!!

Wer hätte das gedacht. Da wohne ich den Großteil meiner Kindheit und Jugend in dem kleinen Nest Helpup (gehört seit der Gebietsreform Anfang der 70iger Jahre zu Oerlinghausen und hat ca. 4000 Seelen) und hier im tiefsten Baltikum gibt es in einem riesigen Laden kurz vor Riga an der A 9 eine einzige Felge, die mir hilft. --- Und diese eine Felge wurde bei den Schürmannwerken in Helpup produziert. So klein ist die Welt!
Liebe Helpuper, die Ihr meinen Blog lest (von Uwe weiß ich das ja, aber evtl. liest ja auch Teddy, Britta, Anni oder gar die Logiewas – andere können sich gerne melden, wenn ich sie vergessen habe), helft mir doch mal! Sind die Schürmann-Werke nicht schon seit fast 20 Jahren pleite? Ich weiß zwar noch, dass die Firma links am Ende der Bahnhofstraße vor Greste liegt, aber immer wenn ich da vorbeikomme, habe ich nichts von einer noch bestehenden Felgenproduktion wahrgenommen. Oder nutzt die damalige Auffanggesellschaft weiterhin den bekannten Markennamen „Schürmann“ und produziert auch noch in Helpup?
Da plage ich mit seit Danzig mit einer defekten Felge rum und hier in Riga ….
unglaublich.. und ich wollte wegen der Probleme mit dem Hinterrad fast die Tour aufgeben.

Also.. Es geht weiter!!
Noch 6-7 reine Fahrttage bis St. Petersburg. Da müssten wir noch jeweils 1-2 Tage Zeit in den so tollen Städten Tallinn und St. Petersburg haben.


Sonntag, 24.09.06

Reparatur

Wir sind um 8:00 Uhr ohne Frühstück kurz vor Jurmala gestartet und haben nach gut 10 km den Ortskern erreicht. Dieser ist sehr schön. Dann wollten wir in Riga einen der beiden Fahrradläden finden. Wir hatten beide Adressen auf einem Zettel. Das Problem war, das die erste Adresse hinter Riga lag und die zweite Adresse vor Riga. Die einen, die wir fragten, schickten uns zur ersten Adresse und die anderen zum nächsten Laden. Bis wir das wegen der Sprachprobleme raus hatten, waren die ersten 2 Stunden vergangen. Den Laden zu finden war auch nicht einfach. Insgesamt haben wir heute so ca. 60 km Umweg gefahren und sind nach gut 125 km um 19:15 Uhr bei Einbruch der Dämmerung in einer Blockhausanlage kurz hinter Carnicava gelandet (direkt bei der Auffahrt zur A 1). Das Zimmer (einfach, aber mit Dusche) kostet für uns beide gut 50 Euro.
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,5   Höchstgeschwindigkeit knapp 40 km/h
Zur geglückten Reparatur habe ich einen gesonderten Blog geschrieben.
Riga hat eine sehr schöne Altstadt. Leider hatten wir nur knapp 2 Stunden Zeit, weil wir außerhalb der teuren Großstadt übernachten wollten.
Das Wetter ist immer noch große Klasse und ich spiele mit dem Schicksal:
Für die vor Magdeburg verlorene Regenjacke habe ich noch keine neue gekauft.
Aber ich bin halt ein geiziger Lipper und kann meine Herkunft nicht verleugnen. Dazu wie geizig ich bin, kommt noch ein gesonderter Blog!

Euer Regenbogenjimmy


Am Nachmittag sind wir in Estland angekommen.

Das Frühstück war ok. Insgesamt war das Hotel aber nur gerade so.
Wir hatten noch einmal schönes Wetter. Morgen soll es sich ändern. Es soll kühler werden und sich bis Tallinn (noch 2 Fahrttage) mehr und mehr bewölken.
In Lettland war das Fahren weiterhin nicht angenehm. An der Via Baltikum wird zwar gebaut, so dass es sicherlich in 1-2 Jahren besser wird, aber so war es schon recht gefährlich.
Nachmittags habe ich in einer Bibliothek kurz vor der Grenze einige vorbereitete Blogs ins Netz gestellt. Die Tastatur ist halt gewöhnungsbedürftig. Es gibt kein ä,ö,ü, kein ß usw.
In Estland änderte das mit den Radwegen schlagartig. Der R1 ist wieder ausgeschildert und wir fahren bis 19:00 Uhr fernab der Hauptstraße durch schönes Waldgebiet. Hier liegen tolle Häuser in skandinavischem Stil direkt am Wasser.
Gegen 19:00 Uhr erreichen wir ca. 15 km hinter der Grenze in super tolles Hotel. Es heißt Lepanina Hotell und liegt direkt am Strand. Unter den Bäumen stehen Ferienhäuser. Das Haus ist erst 4 Jahre alt, toll gepflegt und wir haben ein Zimmer zur Ostsee, Luftlinie nur wenige Meter vom Strand entfernt. Ich glaube, ich hatte noch nie eine bessere Aussicht im Urlaub.
Die Übernachtung kostet 35 Euro. – Toller Sonnenuntergang
105 km, Durchschnitt gut 18 km/h und Höchstgeschwindigkeit gut 35 km/h.

So, dann bin ich in mich gegangen und habe das mit dem Putzteufel auch verstanden. Viele Grüße nach Detmold!

Falls wir nächste Woche glücklich in St. Petersburg ankommen, plane ich für den Sa. eine kleine Abschlussveranstaltung (u.a. Schweineschlachten). Dann wird unter die Spendentour ein Schlussstrich gezogen.
Ich möchte alle herzlich bitten, für die Geistigbehinderten noch einmal die Werbetrommel zu rühren. Vielleicht gibt es ja noch einen Sponsoren für die Weihnachtsfeier im Sonnenhof.

In Tallinn finde ich sicher einen HotSpot und melde mich bis spätestens Freitag wieder.


Dienstag, 26.09.2006

Um 8:30 Uhr geht es nach einem vorzüglichen Frühstücksbuffet auf die Piste.
Heute morgen war es sehr kühl und stark bewölkt. Harald zog seine lange Radlerhose an und will langsam seine Sandalen entsorgen. Das mit den Sandalen wird wohl auch Zeit.
Zu Beginn ging die Fahrt abseits der Bundessstraße über eine alte Landstraße, praktisch ohne Verkehr. Nach 15 km führte der R1 zurück auf die Bundesstraße, jedoch gibt es in Estland einen Seitenstreifen von ca. ca. 70-80 cm, der einem etwas mehr Sicherheit vorgaukelt. Der R1 ist wie in Litauen und im Gegensatz zu Lettland gut ausgezeichnet.
Nach 10-20 km führt der Weg über Nebenstraßen weiter. Das macht nach den Erfahrungen in Lettland Spaß, wenn es nur etwas wärmer wäre.
Sehenswert: Hansestadt und Kurstadt Pärnu (u.a. bekannt durch Mooranwendungen)
Eigentlich sind es mittags nur noch 120 km über die Bundesstraße nach Tallinn. Wir beschließen aber in Anbetracht des positiven Zeitfensters, den Radweg weiter an der Küste zu nutzen und noch 1,5 Tage mehr Fahrt dranzuhängen (ca. 180 km mehr). So bleiben wir weiter auf dem R1 in Küstennähe.
Das Mittagessen müssen wir in Anbetracht fehlender Möglichkeiten auf 15 Uhr verschieben. Es gibt für uns beide leckeren Fisch (gebraten, mit Gemüse, Kartoffeln und einer Dillsoße), jeweils ½ Liter Bier und für mich noch eine große Tasse Kaffee. Wir zahlen beide insgesamt weit weniger als zehn Euro.
Nachmittags finde ich einen vollständigen Wildscheinschädel mit fast allen Zähnen. Mal schauen, ob der bis Deutschland hält.
Ab 16:00 Uhr gibt’s wieder Sonne.
Abends finden wir sehr schlecht Übernachtungsmöglichkeiten. Dann kommt auch noch für gut 10 km eine Kies- Sand- und Steinpiste. Auf unserer Wegbeschreibung steht dazu: „nach der Teerstraße kommt ein gut befahrbarer Kiesweg.“ Der Autor muss die Strecke mit einem Panzer abgefahren sein.
Harald hat sich dabei gepflegt auf die Klappe gelegt und kam vor Lachen kaum wieder auf die Beine.
Dann ist eine Übernachtungsmöglichkeit angezeigt, ohne Messer und Gabel. Der nächst größere Ort ist noch 39 km entfernt und es ist schon nach 18:30 Uhr. Wir fahren von der Straße ab und suchen die Unterkunft. Über Kies und Schotter geht es Richtung Ostsee.
Und dann kommt die Überraschung: Ein Sommergästehaus (ich vermute für Jugendfreizeiten, oder ähnliches). Wir bekommen ein sauberes Zimmer. Die Dusche liegt zwar auf dem Flur, aber es ist nur noch ein weiteres Zimmer besetzt. Die Übernachtung kostet 17 Euro für jeden und dann zaubert die Gastgeberin auch noch aus Restbeständen ein wirklich tolles Abendessen. Pils gibt es vom Fass und ab 8:00 Uhr können wir sogar frühstücken. Dafür, dass hier weder Essen, noch Trinken vorgesehen sind, werden wir sicherlich verwöhnt.
Ein recht herzliches Dankeschön für unsere nette Aufnahme in Paatsalu.
Obwohl es hier noch einfacher ist, als vor 2 Tagen in den Blockhäusern, gefällt es mir hier wesentlich besser. Hier kommt die Betreuung der Gäste von Herzen und man fühlt sich als gern gesehener Gast. Es ist zwar einfach, aber wir können uns abends im netten Barbereich mit aufhalten. Wir sind die einzigen Gäste dort und trotzdem werden wir den ganzen Abend nett bedient.
Am Mi. wird uns ein super Frühstück serviert. Die Wirtin hat nur für uns, wie schon gestern abend, die Küche angeschmissen. Heute morgen gibt es 2 Sorten Brot, Wurst, Käse, Marmelade, Fisch, Eier, Saft, guten Kaffee, warmes Gericht mit Schrot, Würstchen, Gurken, Tomaten, Nachspeise

145 km, Durchschnitt 17,5 km/h max. 32 km/h
Bis denne
Euer Regenbogenjimmy

Das war wieder lustig -- erst gebummelt, dann kein Hotel

Heute ging die Fahrt bis ca. 40 km hinter Haapsalu.
Hier haben wir 3 Stunden Pause gemacht, weil wir eigentlich ein Hotel 13 km hinter der Stadt nehmen wollten. Dieses haben wir nicht gefunden und dann wurde es eine Nachtfahrt.
Um 21:00 Uhr kamen wir in einer Ferienanlage in Läänemaa an.

Geschützt vor Wetterkapriolen durch die Insel Vormsi liegt Haapsalu in einer Bucht und wurde auf einer Landzunge erbaut, die in das Meer hinausragt.
Die Stadt ist Touristenmagnet.
Sehenswert ist die Bischhofsburg, der Bahnhof mit dem Museum und der Kursaal (siehe Foto)

Die Kraniche sammeln sich und fliegen gen Süden. Auf einer Wiese sahen wir hunderte dieser schönen Vögel, die sich noch einmal voll fraßen. Gegen Abend haben wir mindestens 20 Schwärme von im Schnitt ca. 50 Tiere gesehen. Das war schon gewaltig, wenn diese mit dem bekannten Geschrei über einen hinweg flogen.

Wetter ist heute wieder hervorragend.
Gut 125 km bei 19 km/h Durchschnitt und 40 km/h Spitze

Donnerstag, 28. September 2006

Der Mantel des Schweigens

Die Hütte letzte Nacht kostete knapp 40 Euro für jeden. Das Frühstück war in Ordnung.
Wenn man überlegt, dass in der Hütte 4 Schlafplätze vorhanden sind, kann man hier sicherlich einen preiswerten Urlaub mit der Familie verbringen. Die Ostsee grenzt direkt an die Anlage.
Wir starteten um 9:30 Uhr Ortszeit und wollten bis kurz vor Tallinn kommen, um nicht in der Stadt ein teures Quartier nehmen zu müssen.
Nach wenigen Kilometern war wieder die Buckelpiste angesagt. Sand- Kies- und Geröllpisten sollten und dann den ganzen Tag mehr oder weniger begleiten. Die Empfehlung im Reiseführer, sich in Haapsalus mit Proviant einzudecken, war richtig, denn es wurde sehr einsam.
Die ungeteerten Wege waren teilweise gut befahrbar, teilweise war es das reinste Chaos.
Irgendwo bei der Besichtigung eines Klosters hat Harry dann den Vorarbeiter der Restaurierungstruppe kennen gelernt und sich länger mit ihm über die Lebensaufgabe der Restaurierung unterhalten. Was heiß hier Lebensaufgabe? Die 4 Leute brauchen sicherlich 10-20 Leben und der riesige Komplex der Klosterruine (erbaut 1350) sieht immer noch so aus wie heute.
Im nächsten Ort haben wir dann wider Erwarten eine Kneipe entdeckt, und weil wir den ganzen Tag von Staub eingedeckt wurden, haben wir uns ein gezapftes Bier gegönnt (über die hervorragende Braukunst im Baltikum sollte ich ggf. auch noch einen Blog schreiben).
Just in diesem Moment kam der Typ aus dem Kloster vorbei und bestellt sich als Mittagessen auch ein Bier. So kamen wir ins Gespräch. Dieses dauerte sicherlich 2 Stunden, aber wir hatten ja (der Defekt an der Schaltung war erst 30 Minuten später) viel Zeit.
Er erzählte von seinen 4 Berufen (Feuerwehrmann in ständiger Bereitschaft, Lehrer, Restaurator und Zeichner von Tafeln im Wald mit Wegbeschreibungen). Etwas traurig stimmte ihn, dass seine Frau nur einen Beruf hatte und damit mehr verdiente, als er mit seinen 4 Berufen. Weil seine Frau nicht ausgelastet war, war sie zusätzlich noch Bodybuilderin.
Er erzählte von Land und Leuten und dass er die Russen nicht mag. Wir Deutschen seien eigentlich ganz nett und das Bier in Bayern sei absolute Klasse (stimmt zwar nicht, aber ich wollte das Gespräch nicht ausufern lassen).
So wurde uns die Zeit dann doch etwas knapp und dann kam auch noch die weitere Panne - siehe naechsten Blog.
Es wurde immer später und wir wollten heute vor der Dunkelheit unbedingt in Quartier finden, weil der Verkehr auf der Hauptstraße stark war und eine Weiterfahrt in der Dunkelheit für Radler nicht ungefährlich. Kurz vor 18 Uhr hatten wir 35 km vor Tallinn ein SPA Hotel ausfindig gemacht. Aber der Preis entsprach nicht unseren Vorstellungen. Für über 65 Euro p.P. hätten wir auch Sauna und Schwimmbad mit benutzen können. Aber wir wollten doch nur 1 Nacht schlafen. 500 m weiter haben wir dann in einem Restaurant ganz gut zu Abend gegessen, um bei der Unterkunft flexibler zu sein.
Dann sind wir bei einbrechender Dunkelheit noch so 10 km Richtung Tallinn gefahren. Die erste Möglichkeit für eine Übernachtung mussten wir dann nehmen, weil es zu dunkel wurde.
Also, die Unterkunft kostete 7 Euro für jeden:
Hygiene – da decken wir mal den Mantel des Schweigens drüber – kein Wort!
oder vielleicht doch so viel: Harald traute sich nicht zu Duschen und ist in voller Montur ins Bett gegangen.
Nachdem ich mit einem Vierkant die Dusche aufgemacht hatte, wusste ich auch nicht mehr, ob meine Entscheidung die bessere war. Die Tiere an den Wänden hatte ich noch nie gesehen—na ja, über der Rest decke ich mal 2 Mäntel – auch des Schweigens.
Ich bin dann mit Trainingsanzug ins Bett gegangen und gehe davon aus, dass ich den für den Rest der Reise nicht mehr brauche.
Das passiert mit eigentlich nie, aber ich habe einmal auf das Putzen meiner Zähne verzichtet.
Da es morgen kein Frühstück gibt, hoffe ich, dass ich die Toiletten nicht zu benutzen brauche. Wir müssten ja weit vor Mittag in Tallinn sein und können dann alles nachholen.
Ich habe mit Harry schon so manche Reise unternommen. Diese Nacht nimmt eine Spitzenstellung ein!
Wenn ich so nachrechne, muss ich bei all meinen Radtouren in den letzten 25 Jahren über 300 mal übernachtet haben. So etwas habe ich nicht auch nur annähernd erlebt. Zu meiner Schulzeit waren einige Jugendherbergen auch nicht das Gelbe vom Ei. Die schlechteste Jugendherberge aus damaliger Zeit war im Vergleich zu dieser Unterkunft ein Komforthotel.

Bei den Verhältnissen waren gut 105 km , 16 km/h und 34,9 km/h eigentlich ganz ok.

In einem Sumpfgebiet abertausende von Wildgänsen beobachtet, die sich für ihren Flug nach Süden trafen. Das Geschnatter war fast ohrenbetäubend.

Morgen gibt’s ein schönes Hotel! Versprochen!

Liebes Fahrrad, lass mich jetzt bitte nicht im Stich!!

Also, mein Fahrrad, ich will Dir doch so gerne zu Hause noch das Gnadenbrot geben.
Ich transportiere Dich nach dieser letzten Fahrt gerne mit dem Auto nach Detmold und dann darfst Du – natürlich nur bei gutem Wetter – hin und wieder mal die 1,5 km in die Innenstadt mit mir fahren, aber natürlich nur, wenn Du möchtest.
Ich habe doch immer Rücksicht auf Dich genommen. Nach dem ersten Putzversuch habe ich gemerkt, dass Du Dich geschüttelt hast und das gar nicht wolltest. Dir zu Liebe habe ich dann 11 Jahre auf jeden weiteren Putzversuch verzichtet. Viele Male habe ich mir auf Deinem schönen Ledersattel einen wunden Hintern geholt. Es war doch einfach immer schön zu zweit.
Mach doch bitte jetzt nicht schlapp, nachdem ich Dir gerade vor einigen Tagen ein neues Hinterteil gekauft habe.
Ich gönne Dir im Anschluss das Gnadenbrot!! Wirklich!!

Im Ernst: Heute ist 60 km vor Tallinn das Seil der Schaltung gerissen – wie sich das gehört, war der schwerste Gang eingelegt. Ich habe dann 5-10 km versucht weiterzufahren und wusste nicht, ob mir zuerst das Gehirn platzt, oder eine der Waden (mit Eigengewicht immer noch gut 120 kg zu transportieren).
Dann hat Harry eine Notoperation vorgenommen. Er hat die Kette hinten auf den mittleren Kranz gelegt und alles mit einem am Straßenrand gefundenen Plastikgegenstand fixiert.
Ich hoffe, dass ich so bis zur Reparatur nach Tallinn komme.

Liebes Fahrrad, es sind doch nur noch gut 400 km --- bitte, bitte, bitte!!

Einrollen in Tallinn

Also heute morgen gab es kein Duschen, kein Zähneputzen, keine Toilette und rein gar nichts. Das kann alles im Hotel in Tallinn nachgeholt werden.
Mein Körper reagiert seit ewigen Zeiten schmerzhaft auf Unsauberkeiten. Dies kann ich regelmäßig feststellen, wenn ich beruflich unterwegs bin und die Sauberkeit bei den Kunden ist nicht Ordnung.
Heute morgen konnte ich mich insoweit wieder voll und ganz auf meine Körperreaktion verlassen.
Nach ca. 45 Minuten erreichten wir die Außenbezirke von Tallinn. Um 9:45 Uhr hatte Mc Donalds (vorm Porschezentrum) noch zu. Wir hatten keine Lust 15 Minuten zu warten und fuhren weiter. Direkt hinter dem Porschezentrum wartete ein Hermsburger auf uns. Hier gab es Kaffee, Kuchen und eine saubere Toilette, wo ich mich notdürftig frisch machte.
Dann, nur 50 m hinter Hermsburger war ein Sportgeschäft. Harald hatte den richtigen Riecher. Unsichtbar für uns (ich wäre da einfach so dran vorbei geradelt), war hinter dem Sportladen eine Fahrradreparaturabteilung angeschlossen.
Die Reparatur der Gangschaltung soll 30 Minuten dauern. Dann können die ja auch gleich die Speichen der neuen Felge nachschauen (sollte man bei einer neuen Felge nach 300 km machen und wir sind sicherlich schon fast 500 km damit unterwegs).
Das Wetter ist seit gestern bewölkt. Nur hin und wieder lässt sich die Sonne blicken. Vielleicht sollte ich doch noch eine Regenjacke in diesem Geschäft kaufen, obwohl eigentlich auch für die nächsten Tage kein Regen angesagt ist – bis Montag oder Dienstag trocken würde ja reichen!
Jetzt sitze ich bei Mc Donalds und schreiben diesen Blog, während Harald in die Innenstadt gefahren ist, und mir die Anschrift des Hotels simst. Hoffentlich sind nicht alle ausgebucht, wenn sie uns heute so anschauen. Nach dem Duschgang wird alles besser.
Mein Rad wird jetzt fertig sein und ich versuche dann Harald in der Altstadt zu finden.

Heute machen wir es kurz: 25 km, 21 km/h Durchschnitt, über 50 km/h Spitze (war mit nur 2 Gängen ok, aber nach Tallin ging es schön bergab!)

Unterkunft: Rotermanni Hotell, ca 500 m von der Altstadt entfernt. – 37 Euro

Nachtrag -- einfache Regenjacke gekauft

Das Mittagessen im Restaurant Old Hanse war super. Bedienung in Kostuemen aus der Zeit der Hanse.
Ich bin in der letzten Hansestadt meiner Tour angekommen.

Euer Regenbogenjimmy

So, jetzt kann der alte Mann wieder seine Wunden lecken!


Wenn ich gegen Mittag das Hotel bezogen haben sollte, habe ich den ganzen restlichen Tag Zeit, um mich etwas auszuruhen.
Bis auf die Halswirbel habe ich eigentlich erstaunlich wenige körperliche Probleme. Auf den Holperstrecken machen sich die Verspannungen im Bereich der Halswirbel allerdings sehr schmerzhaft bemerkbar. Falls ich jemals wieder Rad fahren sollte --- lieber Volker, dieser Satz ist für Dich – brauche ich den ergonomisch sinnvollsten Lenker, den es auf dem Markt gibt.
Morgen geht es einen Tag früher als geplant weiter, weil wir noch nicht wissen, wie wir von St. Petersburg (Leningrad) nach Helsinki kommen sollen. Ein bisschen Restabenteuer muss wohl immer sein! ;-)
Der Fährbetrieb scheint seit dem Frühjahr eingestellt zu sein und internationale Züge sollen kein Gepäckabteil haben. Also Bummelbahn bis zur Grenze? Oder Taxi bis zur Grenze? Oder können wir einen Bus nehmen? Diese Fragen wollen wir in Ruhe klären und haben dann den Tag, an dem wir uns eigentlich Tallinn noch anschauen wollten, in St. Petersburg Zeit.
Wenn es gut läuft, sind wir dann Montag in St. Petersburg, ansonsten Dienstag. Donnerstag geht es dann nach Helsinki und Freitag mit Air Berlin nach Düsseldorf.
So ist zumindest erst einmal die Planung.

Für Horst: Wenn ich tatsächlich Donnerstag ankomme, besorge ich für Deinen Bekannten den Euro-Münzensatz Finnland mit den nicht mehr aufgelegten 1 und 2 Cent Münzen. Habe ich das noch richtig in Erinnerung: Der Laden ist am Domplatz?
Also, Donnerstag weißt Du mehr. Eine kleine Spende für den GBSG sollte das allerdings Deinem Bekannten schon wert sein!

Ich melde mich voraussichtlich spätestens Sonntag noch einmal, da ich ab Montag nicht weiß, ob die für Mitteleuropäer brauchbare Tastaturen in Russland haben. Mit den kyrillischen Zeichen kann ich sicherlich nichts anfangen.

Hier noch einmal eine kurze Frage (vielleicht weiß Wolfgang ja Bescheid).
Wie sind die Zeiten in St. Petersburg und in Helsinki? Im Baltikum haben wir MESZ + 1 Std.

Euer Regenbogenjimmy

Heute (30.09.) kamen wir kurz nach 9 Uhr Ortszeit aufs Rad. Es war den ganzen Tag stark bewölkt und recht kalt.
Harald ist seinem Ruf als guter Scout voll gerecht geworden. Viele Berichte, die ich über die Strecke Tallinn-St. Petersburg gelesen hatte, deuteten darauf hin, dass es zum Standstreifen der Autobahn keine brauchbare Alternative gibt. Dies ist zumindest bis Kunda nicht richtig.
Wir sind sehr schöne Nebenstrecken gefahren. Der EUROVELO (R1) geht auch noch nach Tallinn weiter. Zum Teil sind wir auf dem R1 gefahren, zum Teil haben wir über schöne Landstraßen den Radweg abgekürzt. Insgesamt hattenwir nur gut 5 km unbefestigte Straße und dieses Stück ließ sich ausnahmsweise mal gut fahren.
Nicht nur die Landschaft ist schön. Immer wieder konnten wir hunderte, vermutlich tausende von Zugvögeln beobachten, insbesondere Wildgänse.
Zum Mittagessen sind wir wenige hundert Meter in einen Wald abgebogen.
Harald bestellte eine Forelle, ich eine Pizza. Das mit der frischen Forelle war schon genial. Wir saßen auf einer Bank vor dem Forellenteich. Die Forelle, ein riesiges Gerät, wurde vor unseren Augen gefangen. Das dauerte kaum 2 Minuten. Der Fisch wurde an Land geworfen und man ließ ihn ca. 1 Min. zappeln. Dann gab's 2 Schläge mit einem Holzstab auf den Hinterkopf und ab in die Küche. Nach 30 Minuten, vielleicht war es auch etwas länger, wurde der Fisch serviert. Es war ein riesen Teil. Jede Hälfte war anders zubereitet -- einfach klasse. Das Gericht war so reichhaltig, dass Harald noch am Abend keinen Appetit auf feste Nahrung hatte.
Ankunft in Kunda nach 140 km (ca. 20-25 km mehr gegenüber der Autobahn/Schnellstraße) um 18:45 Uhr Ortszeit (17:45 MESZ). Es<wird schon wieder dunkel. Das Hotel ist gleichzeitig die Information des Ortes.
Ich esse eine Suppe und panierten gebratenen Fisch mit einer Dillsoße. Das gesamte Gericht kostet umgerechnet knapp 6 Euro und der Kafee 50 Cent.
Das Zimmer ist geräumig und gemütlich. Es kostet 30 Euro p.P..
Im Ort gibt es noch ein weiteres Hotel.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 20 km/h und die Höchstgeschwindigkeit 44,7 km/h.

Morgen wollen wir zur Grenzstadt Narva kommen. Wenn es gut läuft, fahren wir  noch kurz nach Russland rein. Bis nach Narva sind es gut 130 km über den Radweg.

Mein Körper zeigt mir die Grenzen auf

Damit habe ich nicht mehr gerechnet. Der gestrige Tag mir einer Durchschnitts-geschwindigkeit von gut 20 km/h muss mich echt geschlaucht haben, ohne dass mir das gestern aufgefallen wäre. Ich fühlte mich super stark.
Heute morgen passte mir schon das Frühstück nicht so recht. Nach einer Tasse Kaffee sah es nicht so aus, als wollten sich die jungen Damen bequemen, noch eine weitere Kanne zu kochen.
So sind wir schon um 8:15 Uhr Ortszeit losgekommen, viel früher als sonst. Es war stark bewölkt und ziemlich kalt. Ich war saft- und kraftlos und die Muskulatur wurde überhaupt nicht richtig warm. Über Mittag hat es 4 Stunden lang leicht geregnet. Der Wind blies uns seitlich entgegen. Dazu habe ich mir gestern eine ganz leichte Erkältung eingefangen. Es passt einfach nichts.
Der Tag ist für mich pure Quälerei, obwohl es bei geringer Geschwindigkeit kaum vorwärts geht. Das Mittagessen ging auch in die Hose. Ich hatte eine Pizza bestellt. Mir wurden die beiden Pizzasorten gezeigt, die tiefgefroren aus der Gefriertruhe kamen.
Dann kam’s: Es wurde nicht der Bachofen angemacht (obwohl vorhanden), sondern die Mikrowelle. Die wussten das nicht besser. Nach 2 Minuten war meine Pizza in der Mikrowelle angeblich fertig. Mit Haralds Gericht war das genau so. Ätzend, aber was isst man nicht alles, wenn man Hunger hat.
Nach dem guten gestrigen Tag hatte wir eigentlich vor, heute noch über die Grenze zu kommen. In der Grenzstadt Narva war dann aber endgültig Schluss.
Hotel: Narva Hotell *** für 38 Euro

Abendessen im Narva Hotell war delikat. Bei mir gab es Fischsuppe, als Hauptgang Lachs und zum Nachtisch Eis mit Früchten.
Bei Harald Salat vorab, mit Käse überbackene Hühnerbrust als Hauptgang und das gleiche Eis.
Ich hatte 2 Bier, Harald eins. Preis für alles: 35 Euro

knapp 120 km bei 15,3 km/h Durchschnitt und 44,7 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Bis an die Grenze besteht die Möglichkeit, den Eurovelo R1 oder den R3 zu nutzen. Das ist zwar etwas um, aber besser als die Autobahn, bzw. später die Bundesstraße. Auch landschaftlich ist das sehr zu empfehlen. Die Route führte heute teilweise direkt an der Steilküste vorbei.
Die letzten 28 km haben wir die Bundsstraße nur deshalb genommen, weil meine Kondition mehr und mehr nachließ.
Von Tallin bis Narva sind wir die letzten beiden Tage 260 km gefahren. Über die Autobahn/Bundesstraße wären es 210-220 km gewesen.
Der Radwege sind zwar teilweise nicht befestigt, aber trotzdem mit dem Rad gut befahrbar.
Von der Bundesstraße aus würde man die tolle Landschaft kaum wahrnehmen können.
Heute haben wir wieder tausende von Wildgänsen auf dem Flug nach Süden beobachten können. Das sind außergewöhnliche Momente.
Durch meine Schwäche schaffen wir morgen St. Petersburg auf keinen Fall. Aber wir hatten uns sowieso überlegt, Montag kurz vor den Stadt zu übernachten, weil das erheblich preiswerter ist. Und dann ist es eigentlich egal, ob wir Di. 20 oder 50 km fahren. Gegen Mittag sollten wir eigentlich da sein, wenn nichts dazwischen kommt.

Montag morgen war das Frühstück nicht super, aber ok. Zumindest gab es heute morgen genügend Kaffee und einen erneuten Konditionsabfall könnte ich nicht mehr mit Kaffeeentzug erklären

Noch ein Tag bis St. Petersburg


Nachdem ich die Story mit der „verbotenen Stadt“ in einem gesonderten Blog bringe, hier kurz die Daten:

Wetter: stark bewölkt. Gegen Nachmittag lockert es auf und später scheint sogar die Sonne.
Es ist wieder etwas wärmer geworden. Vorgestern lag die Schneefallgrenze nur 300 km nördlich und auch hier war es sicher keine 15 Grad warm. Letzte Nacht habe ich zwar fest geschlafen, aber Harald hat das Gewitter mit Starkregen mitbekommen. Eine Warmfront war auf die Kaltfront gestoßen.
So liegen die Temperaturen heute am Nachmittag sicher wieder über 15 Grad.


Hotel siehe Foto: zu empfehlen, aber man darf da ja nicht hin

Gut 165 km, knapp 17,5 km/h Durchschnitt, 51,3 km/h Höchstgeschwindigkeit

Dienstag sind es noch gut 70 km bis St. Petersburg.

Euer Regenbogenjimmy

Sauberkeit im Baltikum, absoluter Schmutz in Russland

Beeindruckt bin ich von der die Sauberkeit in den Straßen und Parks im Baltikum. Schon sehr früh waren viele Straßenfegerinnen und –feger unterwegs – Sauberkeit war ihr Ziel.

In Russland sieht das völlig anders aus. Das merkten wir schon auf der Kurischen Nehrung – ein tolles Naturschutzgebiet -- Wagen anhalten, Beifahrertür auf, Bierflasche in den Graben.
Das wird offensichtlich überall so praktiziert, denn das sahen wir so noch öfter. Wir fahren durch schöne Waldgebiete entlang der Ostsee. In regelmäßigen Abständen sehen wir die wilden Mülldeponien am Straßenrand. Teilweise alle 500 bis 1000 Meter eine wilde Ablagerungsstelle – wirklich schlimm und für uns unbegreiflich – aber wir sind halt in Russland

Scout Harry hat einen rabenschwarzen Tag


Die verbotene Stadt


Von Narva nach St. Petersburg sind es ca. 150 km auf der Bundesstraße M11 (E20).
Harald wollte noch etwas an der Küste lang fahren („so gut 20 km mehr“).
Also wurde die E 20 nach ca. 25 km verlassen und es ging Richtung Sosnovyi Bor. Zuerst war die Strecke ok, dann kamen knapp 20 km Sandpiste (ging so gerade zu fahren).
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir in Sosnovyi Bor an.
Vorbei an atomaren Versuchsanlagen von gewaltigen Ausmaßen (kilometerlang) ging es in die City, die direkt an der Ostsee liegt.
Nach einiger Zeit war ein Hotel gefunden. Jetzt kam der Schock!!!
Wir sind in einer für Ausländer verbotenen Stadt gelandet. Kein Hotel wird uns aufnehmen. Diese Stadt darf von Ausländern nur mit einem Spezialvisum betreten werden
Das nächste Hotel ist in der Stadt Lomonosov, vor den Toren St. Petersburgs, 40 km entfernt.
Also heißt es rauf auf’s Rad und trampeln, was das Zeug hergibt. Mit zunehmender Dunkelheit wird das Fahren gefährlich. Zu einen durch die viel zu schnell fahrenden Autos, zum anderen durch die Schlaglöcher, die nicht mehr erkennbar sind.
Ich will diese Fahrt in die Nacht kurz abhandeln. Sie dauert 2 Stunden Straßenschilder sind nicht mehr erkennbar. Es fängt an neblig zu werden. Die letzte Stunde ist es völlig dunkel. Um 21:10 Uhr Ortszeit kommen wir nach 40 km Fahrt, wie wir meinen in Lomonosov an und finden auch relativ schnell ein Hotel. Dieses ist von der gleichen Hotellkette, wie in Sosnovyi Bor…………..
Dann der zweite Schock!!!!!
Wir sind 40 km im Kreis gefahren und wieder in der „verbotenen Stadt“ gelandet und zufällig auch wieder vor demselben Hotel.
Russland ist nicht zu verstehen!! Oder wir sehen aus, als ob wir gleich umfallen.
In dem Hotel, welches uns vor Stunden abgewiesen hat (vermutlich bestes Hotel im Ort) bekommen wir jetzt doch ein Zimmer. Hotel und Zimmer sind ausgezeichnet. Pro Person kostet die Übernachtung knapp 20 Euro zzgl. Frühstück.
Wir sind durchgefroren und freuen uns auf die Dusche!! Aber: Wir sind in Russland und das warme Wasser funktioniert nicht. So geht es durchgefroren und mit leichter Erkältung unter eine Dusche mit völlig kaltem Wasser.
Harald hat schlechte Laune. Er kommt nicht mehr mit in die Bar.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht:
Ich gönne mit dort 2 Bier, eine Fischsuppe und einen Fischteller. Alles ist hier preiswert und ich wundere mich, warum mein Fischteller so teuer (12 Euro) ist. Dann entdecke ich ein relativ großes Schälchen mit Kaviar. Ein großes Stück gebratener Fisch hätte mir zwar besser gefallen, aber dieses Schälchen erklärt wohl den Preis.
Ach ja, und alles wurde auch deshalb so spät, weil wir wieder eine Zeitzone übersprungen haben. Seit wir in Russland sind, ist MESZ + 2 Std.

Ankunft in St. Petersburg

Wir sind heute bei in St. Petersburg angekommen und mussten lange nach einer Unterkunft suchen. Sehr nette englisch sprechende Russen haben und dann weiter geholfen.
Deshalb war es fast wieder dunkel, als wir unser Zimmer beziehen konnten.
Es handelt sich um eine sehr einfache Unterkunft mit Mehrbettzimmer und Etagendusche. Zumindest heute sind wir jedoch allein.
Die Übernachtung kostet auch nur 15 Euro p. P.
Ist so wie eine schlechte JH.

Es ist schön am Ziel zu sein. Mein Körper und mein bisschen Verstand sagen auch beide, dass es jetzt reicht. Es gibt kaum eine Stelle am Körper, die ich nicht merke. Ich will endlich wieder ausschlafen und mir Ruhe gönnen. Nächsten Dienstag geht es dann mit Melli 6 Tage nach Rom. Dort darf sie mich wieder aufpäppeln.

Arbeiten brauche ich zum Glück erst wieder in 2 Wochen.

Heute: Knapp 100 km bei bewölktem und kühlem Wetter.

St. Petersburg, Mi. 04 .10.2006


Hallo Frank, von wegen, jetzt ist es ja nur noch Routine.
Wir wissen nicht, ob und wie wir die Räder nach Helsinki bekommen. Der Zug geht morgen um 16:32 Ortszeit, aber es ist nicht klar, ob wir auch die Räder mitbekommen.
Falls überhaupt, müssen wir sie komplett auseinander bauen (Korrektur: nicht wir, sondern Harald erledigt das). Alles hängt morgen vom Zugführer ab. Der hat das Sagen. Daumen hoch – oder Daumen runter!!!
In Helsinki gibt es 4 Jugendherbergen, bzw. Jugendgästehäuser. 3 sind ausgebucht. Dank Jürgens Hilfe habe ich die 4. Herberge online buchen können. Wie mussten unser Alter angeben und ich hoffe, dass wir deshalb DZ ohne andere Leute haben. Das Jugendgästehaus ist direkt am Olympiastadion von Helsinki und kostet 16 Euro p.P. zzgl. Online-Buchungsgebühr.
Das Wetter war heute zu schlecht, um in Petersburg schöne Fotos zu machen. Morgens 2 Std. Starkregen, anschl. bewölkt, abends Nieselregen, bei knapp 15 Grad.
Na, dann noch einige Worte zu unserer Unterkunft in St. Petersburg (Nähe Heumarkt):
Lasst uns auch hier einen kleinen Mantel des Schweigens drüberdecken. Nicht so schlimm, wie vor einigen Tagen vor Tallinn, aber auch nur so gerade tragbar.
Ich freue mich schon auf die in einem Preisausschreiben gewonnene Reise nächste Woche nach Rom: Flug mit Lufthansa von PB und 2 Nächte im 4 **** Hotel gewonnen, und 3 Nächte im 3 *** Hotel zugebucht. Danach fühle ich mich vielleicht wieder sauber!

Petersburg gefällt uns nicht so gut wie Tallinn, Riga oder Danzig – viel Verkehr, laut, schmutzig, kaum ruhige Parkanlagen. Einzelne Gebäude sind zwar an Superlativen kaum zu überbieten (Gold, Prunk, usw.), aber diese Highlights liegen auseinander. Es ist nicht so „familiär“ und „gemütlich“, wie z.B. in Tallinn.
Für die tollen Gebäude und Museen braucht man sicher einige Tage, ohne auch nur das Gefühl zu haben, genug gesehen zu haben.
Drückt uns mal die Daumen, dass es morgen mit den Rädern klappt. Der Rest dürfte dann wirklich Routine sein.

Hallo Frank, doch nicht als Routine!


Trotz Zusage vom Vormittag hat uns nachmittags der Zugaus St. Petersburg nicht befördert (hängt vom guten Willen des Zugbegleiters ab), weil angeblich kein Platz für Fahrräder ist und als wir sie auseinander gebaut hatten, waren es bei unseren alten Rädern mögliche Zollprobleme. Der Schaffner morgens sagte noch, dass alles im grünen Bereich sei. Der Schaffner Nachmittags (ein Finne, ein A...) wörtlich: "Wenn Ihr mit dem Fahrrad aus Deutschland gekommen seid, könnt Ihr auch mit dem Fahrrad zurückfahren". Wir haben uns dann mit einem Taxi zur russisch-finnische Grenze bringen lassen (200 km). Dort gab es Probeme mit dem russischen Zoll, weil der Taxifahrer mit uns zu weit gefahren war. Der eine Zöllner war so aufgedreht, dass er eine Waffe zog. Seine Kollegin mußte beruhigend auf ihn einreden. Beim Taxittransport waren alle Lampen beschädigt worden und wir sind knapp 30 km in völliger Dunkelheit in die erste finnische Stadt gefahren,in der es einen Bahnhof gibt. Jetzt können wir nur hoffen, dass uns die finnische Bahn morgen mit Rädern nach Helsinki mitnimmt.Die gebuchte Unterkunft in Helsinki ist futsch und hier haben wir um 22:30 Uhr Ortszeit so gerade noch ein offenes, aber sehr teures Hotel gefunden. Wie viele andere Dinge ist so ein Urlaub nicht immer planbar.

Hilfsbereitschaft

Ich möchte in diesem gesonderten Blog auf die Hilfsbereitschaft vieler Leute hinweisen, die teilweise in Englisch, teilweise mit Händen und Füßen versuchten, den beiden ziemlich zerrissen aussehenden Ausländern zu helfen.
Bei Fahrradreparaturen wurden wir immer vorgezogen. In Lettland hat eine Firma über Stunden versucht, mein beschädigtes Hinterrad zu richten. Als die Reparatur nur notdürftig gelang (ich konnte immerhin bis zu einer großen Werkstatt in Riga weiterfahren), wollte der  Chef kein Geld nehmen. Die umgerechnet 10 Euro für die Kaffeekasse musste ich ihm regelrecht aufzwingen.
In Polen hatte ich schon gebrochene Speichen. Durch Zufall erfuhr ein netter Mann (Roman) davon. Über Nacht besorgte er (woher auch immer) Ersatzspeichen und baute sie ein. Ohne große Werkzeuge (außer Speichenspanner) wurde die Unwucht aus dem Rad entfernt. Er hat mir dann noch ca. 10 Speichen geschenkt! Eine Bezahlung nahm er nicht an. Da ich mich bereits in Polen dazu entschlossen hatte, die Zeit für die tägliche Rasur zu sparen, schenkt ich ihm eine neue Packung Rasierwasser.
Bis auf den Grenzübertritt Russland-Finnland (vgl. gesonderten Blog) gab es überhaupt keine Probleme. Die Zollbeamten waren ausgesprochen freundlich. Eine russische Zöllnerin sprach etwas deutsch und half uns beim Ausfüllen der Formulare. Ihrer Kollegin hatte das sichtbar nicht gefallen. Immer wenn 2 Zöllner gemeinsam auftraten, war mindestens ein sehr hilfsbereiter dabei. Fast alle Grenzer sprachen zumindest Englisch.
Die Grenzübertritte liefen bis auf einen wesentlich besser als erwartet.
Bedanken möchte ich mich auch (obwohl sie sicherlich nie davon erfährt) bei der netten Ticketverkäuferin im Bahnhof von St. Petersburg. Sie war diejenige, die am besten Englisch sprach und hat uns über 2 Tage immer wieder geholfen. Das fing an, als wir die Karten nach Helsinki kaufen wollten und merkten, dass es Probleme mit den Rädern geben könnte. Sie versuchte den Zugbegleiter umzustimmen, damit er uns und die Räder doch mitnahm. Als das ohne Erfolg war, unterstützte sie Harald, damit wir zumindest einen Großteil unseres bezahlten und nicht brauchbaren Tickets zurückbekamen (bis auf Reservierung wurde alles erstattet). Als ich einen Taxifahrer aufgetan hatte, verhandelte sie mit ihm über die Kosten für die Taxifahrt und beriet uns vorzüglich, über welchen Grenzort wir ausreisen sollten, um in Finnland noch einen größeren Bahnhof zu erwischen. Vielen herzlichen Dank an diese Dame mit Herz. Das war ein Teil Russlands, der mir gefallen hat. Viele andere Dinge in Russland habe ich recht negativ gesehen.
Aber auch das junge Paar, welches uns in St. Petersburg ein günstiges Hotel besorgte, will ich nicht vergessen. Beide sprachen gut Englisch (auch bei jüngeren Russen längst nicht die Regel). Da sie selber nicht aus der Stadt kamen, gingen sie in ein Geschäft und erkundigten sich für uns. Dann begleiteten sie uns bis vor die Hoteltür --- danke!

Dann gibt es da noch den Restaurator mit den 4 Berufen (vgl. gesonderten Blog). Wir haben uns 2 Stunden nett unterhalten und zum Abschluss schenkte er uns eine brauchbare Straßenkarte.

Danke an den netten älteren Radler, der uns bis kurz vor den Flughafen von Helsinki begleitete. Dieser war für uns wegen der vielen Autobahnen und Flüsse/Kanäle sehr schwer zu finden. Auf unserer Stadtkarte war er nicht mehr enthalten und wir hatten uns das Ganze etwas leichter vorgestellt. Wir erreichten den Flughafen ca. 30 Minuten vor dem Schluss des Schalters. Da der Flug 25 Minuten später startete, hatten wir dann doch noch etwas mehr Zeit.


Mein ganz großer Dank gilt Harald. Ohne ihn wäre ich sicherlich nicht, oder zumindest nicht so einfach und über so schöne Wege angekommen. Wenn es Probleme mit dem Rad gab, fand er immer eine Lösung. Danke Harald, dass Du es 3 Wochen mit mir Sturkopf ausgehalten hast.

Mein Dank gilt auch allen Spendern (allerdings fehlen 2 zugesagte Spenden immer noch).
Der für alle Spender unerwartete Spendenaufruf im Maritim in Magdeburg erbrachte immerhin 586,05 Euro. Die Tombola am 26.08. erbrachte 1.088 Euro. Die NW hat mir gestern geschrieben, dass das Honorar für alle veröffentlichten Artikel direkt an den GBSG geht. Danke Herr Hagen!

Zusammen mit den bisher eingegangenen Spenden müssten insgesamt gut 2.000 Euro zusammen gekommen sein. Dies ist der Betrag, ohne die Sparschweine.
Hiermit möchte ich mich bei allen bedanken, die in ihren Geschäften, Praxen, Gaststätten usw. die Sammelsparschweine der GBSG aufgestellt haben und natürlich gilt mein Dank auch den Leuten, die in diese Schweine „gefüttert“ haben.

Dann bedanke ich mich bei allen, die mir nette Zeilen per SMS, Mail oder Gästebucheintrag geschickt haben. Es war schon hilfreich, insbesondere in der Zeit, als ich alleine unterwegs war. Dort habe ich ja praktisch außer dem einchecken in die jeweiligen Hotels den ganzen Tag kein Wort gesprochen.

Mein Dank gilt auch dem Wettergott, so es einen gibt. Eigentlich war die Tour viel zu spät im Jahr. Während der Fahrttage hatte ich praktisch immer Sonne, lediglich an ca. 3 Tagen war es bewölkt und insgesamt hatten wir weniger als 5 Stunden leichten regen.
Direkt nach unserer Ankunft in St. Petersburg drehte das Wetter. Es gab überhaupt keine Sonnen mehr und teilweise stundenlangen Starkregen. Für Fotos war das Wetter die letzten 2 Tage zu schlecht, aber wir brauchten auch nicht mehr auf’s Rad.

Mein Dank gilt meinem Schutzengel, so es denn einen gibt. Bei dem Unfall in Polen hatte ich ein riesiges Glück.

Letztendlich bedanke ich mich bei allen, die ich im obigen Teil vergessen habe!

Euer Regenbogenjimmy

PS: Ich habe schon viele Radtouren unternommen. Ich weiß nicht, ob dies die letzte ist, aber es war sicherlich die schönste und aufregendste Tour, die ich gemacht habe. Sie war nicht so lang wie die letzten drei, aber ich werde schließlich nicht jünger und es hat  für mich ohne Training im Vorfeld voll und ganz gereicht.
Ich habe mehr und vielfältigere Landschaften gesehen, als jemals zuvor. Das war schon toll.