Man sagt hier, Gott hätte den Whiskey erfunden
um zu verhindern, dass die Iren die Welt beherrschen.

Dublin (12. bis 17. Jan. 2020)

Spätherbst 2019:
Ich wollte immer schon mal nach Irland und sei es nur, um ein frisches Guinness direkt vor Ort zu trinken.

Aber es gibt ja noch so viele andere Sehenswürigkeiten, so dass ich spontan zwei Freundinnen gefragt habe, ob sie mich Mitte Januar mitnehmen. Sie planen die Reise vom 12.-17. Januar und wir werden ein so großes Appartement nehmen, dass wir uns nicht ständig auf den Füßen stehen.
Günstige Flüge gibt es von Düsseldorf und noch etwas günstiger von Hamburg.
Nachtrag 11.01.: Abflug ist morgen Abend von Düsseldorf mit Air Lingus.
Foto oben beim Boarding: Renate lächelt noch. Sie weiß nicht, dass ich im Urlaub unausstehlich bin. Moni scheint es zu ahnen.


Foto rechts: Renate hat den Fensterplatz und freut sich über schöne Handyfotos.

Zweimal hatte ich schon Irland auf meinem imaginären Reiseschirm. Auf einer meiner Radtouren mit Kollegen Harry hatten wir mal überlegt eine Radtour rund um die gesamte Insel inkl. Nordirland zu machen. Wir sind einige Male zusammen gefahren, aber zu dieser Reise ist es nie gekommen und wird es leider auch nicht mehr kommen.
Zwei Besuche von Konzerten der Gruppe "Fiddler's Green" hatten vor 4 oder 5 Jahren noch einmal den Wunsch in mir geweckt, die Insel zu bereisen. Na ja, die ganze Insel wird es jetzt nicht, aber der Song "rocky road to dublin" passt zumindest halbwegs zu diesem Kurzurlaub ;-)
"Fiddler's Green", eine Band aus Erlangen, wurde 1990 gegrüdet und sie feiern in diesem Jahr somit ihr 30. Jubiläum. Sie haben 2020 zwei größere Tourneen und ein Auftritt  im Bielefelder "Forum" ist auch dabei. Ich will mal schauen, ob ich mir dafür noch Karten hole. Mein Problem war schon das letzte Mal, dass ich nicht so lange stehen kann. 



Woher stammt eigentlich das deutsche Wort Pinte (Kneipe)?
Natürlich von der irischen, englischen, schottischen, amerikanischen, australischen Maßeinheit Pint.
Wir sind hier in Irland und 2 Pints Guinness sind gut 1 Liter, also 1 Pint gut ein halber Liter (0,568 Liter). In Amerika ist ein Pint knapp 1/2 Liter, in Australien gibt es 2 verschiedene Pints, je nachdem ob man in Südaustralien oder auf dem restlichen Kontinent ist.

Das haben die Briten und Irländer trotz EU beibehalten. Die Bananen und die Gurken dürfen nicht kumm sein, aber die Maßeinheit Pint und andere, da ließen die Menschen der Inseln nicht mit sich spaßen.
Tja, den Eichstrich brauchst Du auch nicht zu suchen: Randvoll, praktisch ohne Schaum ist ein Pint. So ein Glas kostet hier im Stadtteil Temple Bar knapp 7 Euro. Vor Wochen in der Ukraine habe ich für einen halben Liter, also in etwa die gleiche Menge, gut 1 Euro bezahlt.

Bei unserer Anreise am 12.01.2020 war es spät. Aber für einen Pint Guinness noch nicht zu spät, dazu Livemusik. Der angesagteste Stadtteil "Temple Bar" liegt nur knapp 5 Minuten Fußweg von unserer Unterkunft.

 

Meine Bekannten möchten eine Tagestour machen und dabei einiges von Irland sehen (Klippen, Kulturhauptstadt 2020 usw.). Ich werde aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten und einfach mal intensiver schauen, was sich alles so in der Nähe des Quartiers finden lässt. 
Auf meiner TO-DO-Liste steht das Guinness-Storehouse ganz oben und an einem regnerischen Tag (davon soll es ja bekanntlich üppig viele geben) werde ich es aufsuchen und davon berichten.
Am Abend der Anreise geht es in den nahen Stadtteil Temple Bar mit schönen Kneipen und in fast jeder gibt es laute Livemusik.


Der Stadtteil Temple Bar ist für jeden Touri ein Muss und für jedes Portemonnaie ein Minus.
Sicherlich werde ich den ein oder anderen Pub hier aufsuchen, jedoch auch andere Stadtteile nicht vernachlässigen.
Foto: 12.01. gegen Mitternacht


 

Dublin ist die Hauptstadt der Republik Irland und liegt an der Ostküste des Landes an der Mündung des Liffey. Zu den bedeutendsten historischen Gebäuden zählen das Dublin Castle aus dem 13. Jh. und die eindrucksvolle St Patrick’s Cathedral, deren Fundament im Jahr 1191 gelegt wurde.
Dublin hat gut 1,3 Mio Einwohner.

 

Molly Malone Statue (13.01.20)

Es soll fast die ganze Woche regnen und teilweise recht stürmisch sein, wie z.B. auch heute.
Nur für Mittwoch ist trockenes Wetter angesagt. Also planen die Frauen für Mittwoch einen Tagestour mit dem Bus. Morgen besuchen wir gemeinsam das Guinness Storehouse und Donnerstag das Auswanderermuseum.
Heute nur ein kleiner Programmpunkt, die Molly Malone Statue in der Nähe von Temple Bar. Ja, mit Molly ist da so eine traurige Geschichte, von der das Lied (wohl die Hymne von Belfast) erzählt. Es ist sentimetal und traurig. Die wunderhübsche Molly Malone verkauft mit ihrem Wagen Muscheln auf dem Markt. Sie stirbt in jungen Jahren an Fieber.
Kaum ein Tourist der diese Bronzestatue nicht besucht und nicht fotografiert. Ich kenne das aus vielen Städten (z.B. in Mölln der Daumen des Eulenspiegel, in Breslau Körperteile der vielen Zwerge, in Allenstein die Kopernikusstatue): Die Besucher reiben an einigen Körperteilen und diese schimmern dann mehr oder weniger in einem Goldton.
Hier ist es schon besonders. Die vermutlich in der Regel weiblichen Besucher reiben an der Hand oder dem Karren oder den Muschelkörben. Es ist aber ganz deutlich zu erkennen, welchen Körperteil die vermutlich überwiegend männlichen Besucher bevorzugen (siehe Foto)
 

Hier mal eine recht freie Übersetzung des Dubliner Gassenhauers:

 
In der lieblichen Stadt Dublin
wo die Mädchen so schön sind,
warf ich sofort ein Auge auf die süße Molly Malone,
wie sie ihren Karren
durch breiten und engen Straßen rollt
und ruft "Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !"

"Lebendig, lebendig, ho - hoo !"
"Lebendig, lebendig, ho - hoo !"
Ruft "Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !"
 

Sie war eine Fischhändlerin,
und das war kein Wunder,
denn das waren ihr Vater und ihre Mutter früher auch.
Und sie rollten ihre Karren
durch breite und enge Straßen
und riefen "Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !"

(Refrain)

Sie starb an einem Fieber,
und niemand konnte sie retten,
und das war das Ende, der süßen Molly Malone.
Nun rollt ihr Geist den Karren
durch breiten und engen Straßen
und ruft "Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !"
 




 

Das Wetter war heute windig, in Böen stürmisch und es regnete fast den ganzen Tag bei Temperaturen von 9 Grad.
Aber ist bin passend angezogen. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung ;-)
....und wie eine liebe Dame bei WhatsApp bemerkte: Die Hände sind in der Hosentasche. Ich bin halt brav ;-)


Ich gönne mir ja sonst nichts oder sehr wenig. Also gab es heute ein typisch irisches Frühstück. Es schmeckte gut, war mir für die Tageszeit aber zu fleischlastig. Die Portionen waren so groß, dass sich die beiden Mädel eine vegetarische Platte teilten.
Wir haben anschließend eingekauft, damit wir morgen ganz in Ruhe im Appartement frühstücken können.

13.01.2020
Das Appartement ist recht groß. Eigentlich hatte ich eines gebucht mit Schlafzimmer für Renate und Moni, sowie für mich eine Schlafcouch im Wohnzimmer. Bekommen haben wir
ein großes Schlafzimmer mit Doppelbett, ein etwas kleineres Schlafzimmer mit Doppelbett. Das Schlafsofa für theoretisch 2 Personen wurde nicht als Schlafstätte genutzt.
Das Appartement ist im Großen und Ganzen gut, jedoch hätte die Putzkolonne etwas mehr aufpassen können. Einer unserer Vorgänger hat wohl zuviel Guinness oder Kilkenny, vielleicht auch Wiskey getrunken. Als ihm schlecht wurde, hat er, so mutmaße ich mal, das Fenster geöffnet. Nicht alle Rüchstände aus dem Magen haben es allerdings bis draußen geschafft. Der Fensterhebel mit Umfeld war nicht gerade köstlich anzusehen. Das Putzkommando musste dann noch einmal kommen ;-) 

"Wo gehst du hin?"
"Ich suche den Sinn des Lebens"
"Bring mir ein Bier mit!"

 

14.01.2020
Foto: Die Richtung stimmt.
Mein kleiner Bruder wird heute 60. Herzlichen Glückwunsch!
Ich habe in den letzten Jahren einige Brauereien besucht. (Detmolder- gut! Hohenfelder -schlecht, Herforder- geht so und das Brauereimuseum in Lemberg- lohnend). Heute wurden meine hohen Erwartungen (26 Euro Eintritt, 2 Euro Audio-Guide) noch übertroffen.
Das Guinness-Storehouse ist das beliebteste Touristenziel in Dublin, vermutlich auch in Irland, wenn ich die Naturdenkmäler mal außen vor lasse.
 

 

Arthur Guinness ( war ein irischer Bierbrauer und Begründer der Biermarke Guinness.

Arthurs Vater war Landverwalter für Arthur Price, den anglikanischen Erzbischof von Cashel, und braute in dieser Eigenschaft Bier für die Arbeitskräfte des Gutes. Im Alter von 27 Jahren erhielt Arthur £100 aus dem Nachlass von Arthur Price. Er investierte das Geld in die Pacht einer Brauerei in Leixlip in der Nähe von Dublin. Im Jahr 1759 überließ er die Tätigkeit seinem jüngeren Bruder und zog direkt nach Dublin. Dort pachtete er eine Brauerei am St.James Gate von Mark Reinsford. Optimistisch wie er war, schloss er einen Pachtvertrag für 9000 Jahre mit einem jährlichen Pachtzins von £45. Im Jahr 1761 heiratete er in der St. Mary’s Church in Dublin Olivia Whitmore, mit der er im Verlauf seines weiteren Lebens 21 Kinder hatte. Nur zehn von ihnen erreichten das Erwachsenenalter und begründeten die berühmte Guinness-Dynastie.

Im Jahr 1778 begann Guinness mit dem Brauen der dunklen Biersorte Porter, und 1799 stellte er das Brauen heller Biersorten komplett ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war seine Brauerei die größte Porter- und Stout-Brauerei der Welt.

 

 

 

Durch die Röstung der Gerste bei exakt 232 Grad C wird die dunkle Farbe des Bieres erreicht.
Ich erlebe ein tolles Museum und obwohl ich vor gerade mal 5 Wochen das Brauereimuseum in Lviv besucht habe, ist es hier trotzdem wieder interessant für mich.

Seit 1929 wird das Bier überregional beworben. Eine ganze Etage ist der lustigen Werbung gewidmet. Ich kannte der Spruch, wusste aber nicht, dass er bei Guinness erfunden wurde und einer der vielen Werbegags war:
Eine Frau braucht einen Mann, wie der Fisch ein Fahrrad (siehe Foto unten)
 

Das habe ich heute gelernt: Die einzelnen Chargen werden in den Guinness-Brauereien jeden morgen pünklich um 10 Uhr einem Geschmackstest unterzogen.
Da wurde ich fast neidisch: Auserwählte bekommen jeden Morgen ein ganz frisches Bier vom Arbeitgeber.
Ich werde wohl vergebens darauf warten, dass mir mein Arbeitgeber zum Früstück ein Guinness-Draughtbier serviert und ich mich beschweren kann, wenn es mir mal nicht schmeckt.

Renate versucht sich an einem Instrument.
Die keltische Harfe ist seit dem 13. Jh. eines der Wahrzeichen Irlands. Seit über 150 Jahren ibildet eine Harfe das Logo der Brauerei Guinness. Die Ausführungen änderten sich einige Male.

In einem kleinen Film habe ich etwas die Herstellung von Holzfässern in früherer Zeit erfahren

Vom Dachgeschoss gibt es einen 360 Grad-Blück über die Stadt. Auf einigen Etagen kann man den Gutschein für 1/2 Liter Guinness einlösen. Wir genießen das ganz oben mit einem Blick über Dublin.






Und dann geht es ziemlich erschöpft Richtung Hotel, jedoch nicht ohne ein Abendessen mit einem zweiten Guinness unweit der Unterkunft.




Der Audioguide ist eine wertvolle Hilfe, sowohl im Guinness Storehouse, als auch im Ausländermuseum.

Foto vom 16.01.: Das Auswanderermuseum ist ein interaktives Museum. Hier erzählen Auswanderer ihre persönliche Geschichte

11.01.2020
Vom Preis (knapp 20 Euro) bin ich etwas geschockt. Trotzdem ist das Auswanderermuseum für mich ein Muss. Vor ewigen Zeiten habe ich mich mal mit den Auswanderungswellen der Alten Welt nach Amerika beschäftigt. Viel Erinnerung ist nicht geblieben, nur so viel:
Die Kartoffeln waren aus Südamerika eingeführt worden und konnten die arme Bevölkerung, soweit die Leute zumindest ein kleines Stück Land hatten, wenigstens halbwegs ernähren. Kartoffeln waren das Grundnahrungsmittel. Durch die Monokultur waren die Früchte aber anfällig für Krankheiten und weil es fast nur Kartoffeln gab, war ein Ernteausfall ein Desaster. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es eine Vielzahl von Mißernten und damit einhergehend große Hungerkatastrophen. Diese führten zu Auswanderungswellen Richtung Amerika.
Das also mein Minimalwissen zu den Auswanderungen der Irländer. Mal schauen, was ich im Museum darüber hinaus erfahren kann. Reisen bildet *grins*

16.01.2020
Bei der großen Hungerskatastrophe von 1845 bis 1849 starben ca. 1 Mio. Iren an Hunger und Krankheiten. Zusätzlich wanderten über 1,5 Mio. Menschen aus in Hoffnung auf ein besseres Leben in Kanada, Amerika, Argentinien. Südafrika und Australien.
Es gab aber auch Auswanderungswellen, zum Beispiel aus  Missionierung, Flucht aus Glaubensgründen, Gefangenentransporte nach Übersee, Kriege, als Soldaten für "fremde Länder", aber immer auch wieder, um den Lebensstandard zu verbessern.

Aus Irland, dem Land vieler Poeten, Literaten, Geschichtenerzähler stammen 4 Literaturnobelpreisträger.
Von vielen berühmte Personen aus aller Welt, so lerne ich, stammen die Vorfahren aus Irland und wanderten aus. Ein bekanntes Beispiel ist die Kennedy-Familie.

Nicht nur berühmte PolitikerInnen, SchauspielerInnen, Literaten usw. stammen von Auswandererfamilien ab, auch Wissenschaftler (Medizin, Raumfaht, Physik usw.).
Ich bin 2 Stunden hier gewesen, eigentlich braucht man noch etwas mehr. Die Eintrittskarte (16,50 € zzgl. 2 € für deutschen Audioguide) hat 10 Tage Gültigkeit. Vielleicht schaffe ich es morgen noch auf einen kurzen Sprung. Das Taxi holt uns um 15 Uhr ab und um 17:30 startet der Flieger, um um 20:30 Uhr MEZ nach 2 Stunden Flug wieder in Düsseldorf zu landen.

Bild links und oben: Skulpturen am Fluss






Dreimaster und Brücke in Form einer Harfe



Frühlingsgefühle mitten im Januar ;-)


Zum Wetter: 4 Tage Regen und oft recht windig und 2 Tage trocken mit viel Sonne(immer um 10 Grad)

Tee zum Abschluss eines schönen Kurzurlaubs.
In gut 6 Wochen werde aus Portugal (Lissabon oder Porto) berichten.
Bis dahin
Erhard

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© Erhard Krull