AHB in der früheren  Künstlerkolonie  Ahrenshoop (Ostsee)

11.06.2020
Heute genau vor einem Monat wurden meine linke Hüftpfanne und die Kugel ausgetauscht (Foto). Der Schaft saß noch fest und blieb drin.
Die AHB findet ab Montag mit gut 4 Wochen Verspätung statt, weil letzten Montag noch zwei Untersuchungen zu meiner Krebsproblematik anstanden. War eigentlich ganz gut. Seit gut 2 Monaten keine Hirnmetastasen mehr, Metastasen in der Leber und zwei Knochenmetastasen gehen langsam zurück.
Kleiner Wermutstropfen: An dem fest sitzenden Schaft, der am 11.05. so schön fest saß und deshalb nicht entfernt wurde, hat sich, so der Verdacht, eine weitere Metastase gebildet. Mal schauen, wie sich die entwickelt, jetzt ist aber erst einmal die Reha in Ahrenshoop angesagt. Sie beginnt Montag, den 15.06.

Am 09.06. habe ich dann schon mal die Koffer gepackt. Nachdem ich die Medikamente taggenau abgezählt hatte (*kotz*) blieb auch noch ein wenig Platz für Socken, Unterwäsche und andere Utensilien übrig. 
Am 10.06. ging es dann los Richtung Fischland. Bis Montag will ich schon mal die Gegend erkunden. Als Übernachtungsmöglichkeit hatte ich ein kleines Bungalowdorf in Fuhlendorf, am östlichen Ufer des Bodden ausgemacht. Gebucht hatte ich wie so oft bei booking.com. Es ist günstig, sauber, einfach.
Etwas lustig fand ich folgenden Eintrag in der Infomappe:
"..Wir haben ihre gemietete Ferienwohnung hausfrauengerecht hergerichtet (keine Feinreinigung)...."
Am Abend gab es frisch gebratenen Hering in der Hafengaststätte, 3  Kilometer entfernt.

Heute am 11. ist es bewölkt und recht kühl. 
Ich besuche Ahrenshoop und Wustrow (Foto vom Ortsrand). 
Zu Wustrow:

Das Ostseebad Wustrow ist eine aus einem ehemaligen Fischer- und Seefahrerdorf hervorgegangene Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern. Heute ist Wustrow vor allem durch den Tourismus geprägt. Wustrow liegt auf dem Fischland zwischen Ostsee und Saaler Bodden. .

Der Name Wustrow leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet „Umflossener Ort“ bzw. „Ort auf der Insel“

 

Mitte der 90iger Jahre habe ich auf einer Radtour (Cottbus-Stralsund-Flensburg-Altes Land-Oerlinghausen) schon einmal diese Gegend bereist. Es hat sich viel verändert. Was in Erinnerung geblieben ist: Schöne reetgedeckte Häuser in landschaftlich wunderbarer Lage

 

 

 

Nchdem ich in Ahrenshoop in der Klinik "Vamed" den Vertrag für die AHB unterschrieben hatte, habe ich mir ein Mittagessen verdient. Wie gestern Abend gab es frisch gebratenen Hering.
Da ich hier ab Montag für 3 oder 4 Wochen bin, spare ich mir Einzelheiten zum Ort. Die kommen später.
Der erste Eindruck war sehr positiv und ein Essen mit Bodden im Rücken und Ostsee vor der Brust, dazu Fisch auf dem Teller.....liebe Seele, was willst du mehr. 

12.06.20
Während es in weiten Teilen der Republik hochsommerlich warm und teilweise sehr schwül ist, warte ich hier noch auf steigende Temperaturen. Heute sind es so 16-17 Grad bei bewölktem Himmel. Falls die Sonne in den nächsten Wochen mal scheint, tausche ich die Fotos gegen strahlende Bilder aus.
Als erstes ging es heute nach Prerow. Da ich nach dem gestrigen Spaziergang leichte Probleme hatte, habe ich nach 2 Wochen mal wieder die Unterarmgehstützen mitgenommen und es lief besser.
Das Darss-Museum ist natürlich Geschmacksache, aber mir hat es sehr gut gefallen. Das lag wohl daran, dass ich mich mit einigen Themen schon früher mal beschäftigt hatte. 
So eine knappe Stunde kann man für dieses Haus einplanen und erfährt etwas über die Besiedlung vor der Zeitenwende, die ersten Siedlungen auf dem Darss, Sturmfluten, Tiere, Pflanzen, die Anfänge als Seebad und die Entwicklung der letzten 150 Jahre, die Ambitionen Görings während des Dritten Reiches, die Zeit der DDR uvm. 

In allen Orten gibt es sehr, sehr gute Restaurants mit Fischgerichten.
Das Mittagessen in Prerow war gut. Weil es ziemlich kalt war, gab es als Vorspeise eine klare Fischbrühe mit Gemüsestreifen und als Hauptgang einen Salat mit 4 Fischfilets (Foto). Ich vermute mal, dass ich ab Montag auf 1200 oder 1500 Kalorien gesetzt werde. Da will ich die Tage zuvor mal noch etwas schlemmen. 
Für abends gab es geräucherten Fisch.Den gibt es auch überall frisch zu kaufen. Den heutigen hatte ich gestern im Hafen von Wustow gekauft und er reichte für beide Abende. Ein kleines Stück ist noch für Morgen übrig.

Die Seebrücke von Zingst am Ende der Strandstraße.
Man kann es hier nicht genau sehen, aber vor der Brücke standen viele Leute eng beieinander. Für mich persönlich ist das Nichteinhalten des Mindestabstandes in Coronazeiten ein Problem.
Ich kann nur hoffen, dass sich der sorglose Umgang mit der Krise nicht in einigen Wochen rächt, wobei in Mecklenburg-Vorpommern die Corona-Krise bisher besser bewältigt wurde, als in einigen anderen Bundesländern. 
In den Gaststätten und heute morgen im Museum war es besser. Dort wurde penibel auf die Vorgaben geachtet. Im Museum hieß es: "Bitte in den kleinen Räumen nur max. 2 Personen. Wir müssen sonst bei Nichtbeachtung die Räume sperren."
Seit einigen Wochen dürfen ja Restaurants wieder besucht werden. Was mir heute Mittag nicht gefiel: Die obligatorischen Angaben zur Person und Aufenthaltszeitraum wurden auf einem Block gemacht. Für jeden Tisch ein Block auf dem man sehen konnte, wer alles schon vorher an dem jeweiligen Tisch gegessen hatte. Das verstößt meinem Empfinden nach gegen Datenschutzregeln. Ich hätte gut in einem unbeobachteten Moment die Daten fotografieren können. Dann ein Anruf bei meinen Freunden aus dem Milieu der Diebe und schon könnten einzelne Wohnungen leer geräumt werden. Die Eigentümer/Mieter sind ja in Prerow. 

So eine Ansammlung von "Liebesschlössern" kannte ich bisher nur von Brückengeländern. 
Dieses Foto habe ich am Anfang der Seebrücke von Zingst aufgenommen.

13.06.2012
Seit Jahrtausenden begleitete der Klatschmohn die Felder des früheren Germanien. Seit Jahrzehnten aber fristen die leicht giftigen Frühsommerblüher ein tristes Dasein an wenigen Ackerrändern und auf Schutthalden. Die Soldaten von BASF, Bayer und Monsanto haben auf den Feldern des früheren Germanien gesiegt.



Überalll?

 

Wir schreim das Jah 2020 noch Kristi. Ganz Germanien is inne Hant vonnie Mensantos un den anneren van Bayer un BASF... Ganz Germanien? Nee! Da giepas ein Dorp mit steifnackige Feffersäcke, ufm Fischland, die ümmer noch Sperenzien machn un sich vonne Monsantos nich unnerkriegn lassn. Unnas Lehm is kein Zuckerschleckn nich füer die Glyphosat Legonehre, die innie Kasern von Rostock , Stralsund, un Zingst auf Possn stehn...
(geklaut, etwas abgewandelt und u.a. das Jahr 50 v.C. durch das Jahr 2020 n.C. ersetzt. Auch habe ich mir die künstlerische Freiheit herausgenommen, die Region um ca. 1000 Kilometer zu verlegen)

 

Die Senfmühle von Schlemmin (gut 10 km vor Stralsund) hat mir gefallen. Nette Betreiber! Bei dem guten Wetter konnten wir auf der Terrasse warten, weil immer nur 3 Leute hereingelassen wurden (Corona). Es gab aber nicht nur die zig Sorten an Senf, sondern auch Säfte, Marmelade und andere Sachen aus Sanddorn. Ich kannte zwar Kaffee aus Getreide, aber Kaffee aus Lupinen war mir neu. Die Betreiber erzeugen auf den Demeterfeldern die Lupinen, das Korn usw.
Essig aus verschiedenen Früchten und, und, und. 
Es hat sich gelohnt.

14.06.2020
Einmal muss man ja wieder anfangen. Die Sonne scheint, eine frische Brise lässt mich im Schatten etwas frösteln. Es sind so um die 20 Grad. Bis aud den Wind eigentlich ein super Radfahrwetter.
Ob ich es wagen kann, knapp 5 Wochen nach dem Tausch einer Hüftprothese wieder auf's Rad zu steigen? Es stellt sich die Frage, ob ich das Rad zur morgen beginnenden Anschlussheilbehandlung mitnehme, oder ob es morgen wieder nach Hause kommt.
Also probiere ich es einfach aus. Ganz vorsichtig steige ich auf das E-Bike, stelle den Computer auf höchste Stufe (Turbo) und nutze nur die ersten 4 Gänge. Es funktioniert. Nach 10 Kilometern erreiche ich die geschichtsträchtige Stadt Barth am Barther Bodden. Ich belohne mich mit einer Fischsuppe und einem frischen Salat mit Dorschfilet direkt am Hafen.
Da ich ab morgen vermutlich nur die bereits erwähnten 1200 oder 1500 Kalorien  bekomme, gönne ich mir als Nachspeise noch ein Eis.
Beim Rückweg lege ich einen kleinen Schlenker ein und erreiche nach insgesamt 25 Kilometer wieder den Bungalow.
Jetzt weiß ich, dass ich die nächsten 4 Wochen nicht ausschließlich in Ahrenshoop verbringen werde. Mit dem E-Bike ist mein Radius größer und vielleicht gibt es weitere schöne Blumenbilder, wie das folgende Bild von gestern.

15.06. bis 18.06.
Ich bin in der Reha-Klinik in Ahrenshoop angekommen. 
Es gefällt mir so leidlich. Dafür kann hier niemand etwas, aber es sind die Einschränkungen zum Corona-Virus.
Das fängt bei Essen an (2 Personen an den Längsseiten des jweiligen Tisches), geht über die Maskenpflicht im Haus weiter und setzt sich bei den Übungsangeboten fort. Diese sind stark eingeschränkt, weil der Sicherheitsabstand einzuhalten ist und deshalb weniger Patienten als gewöhnlich in den Gruppen sind. Das wirkt sich auf die Anzahl der Behandlungsmöglichkeiten aus. 
Noch mal zum Essen. Die Mahlzeiten an sich sind in Ordnung, aber weil jeder lange Tisch nur mit 2 Personen besetzt ist, ziehen sich die Mahlzeiten. Man bekommt an feste Uhrzeit und muss nach spätestens 30 Minuten den Platz für den Nachfolger verlassen. Gerade beim Frühstück und Abendessen lasse ich mir gewöhnlich viel Zeit. Das ist hier nicht möglich. Morgens bedeutet das für mich nur eine Tasse Kaffee, statt der üblichen zwei.
Als letztes kommt hinzu, dass ich vermutlich keine Verlängerung bekomme, weil die Warteliste (nach Aufhebung vieler Corona-Beschränkungen bei den Operationen) zu lang ist und ich schon wieder gut auf den Beinen, insbesondere weil ich nach der OP einige Wochen zu Hause war. Vielleicht hätte ich hier für meine Krebserkrankung 4 Wochen bekommen, aber ich habe halt die Anschlussheilbehandlung wegen einer orthopädischen Sache bekommen.

Wenn schon nicht so viele Anwendungen, dann will ich hier doch wenigstens das Radfahren ausprobieren. gestern, am 17.06. war der letzte Tag, an dem von morgens bis abend die Sonne schien. Und so habe ich eine kleine Radtour mit dem E-Bike (immer größte Power durch den Motor) nach Graal-Müritz unternommen, vorbei an der Steilküste, wo ich das obige und die folgenden Mohnbilder gemacht habe. Jetzt soll es von Freitag bis Sonntag schlechtes Wetter geben, aber anschließend unternehme ich eine Radtour nach Prerow und Zingst.Die Fahrt gestern war mit einigen Schlenkern 48 Kilometer lang.

Für diejenigen, denen es mit den Mohnbildern zu viel wird, hier einmal ein typisches Reetdachhaus. An den allermeisten dieser Häuser sind am Giebel zwei sich kreuzende Pferdeköpfe zu sehen.
Das hat heutzutage erst einmal einen praktischen Grund, denn das Gebilde hält das Stroh zusammen.
Es soll aber auch ein Übrigbleibsel aus heidnischer Zeit sein. Diese Pferdeköpfe sollen nach dem Glauben der Germanen Unheil fernhalten. Na ja, und so hat sich dieser heidnische Brauch im Fischland bis in christliche Zeiten des 21. Jh. gerettet. Aber die Sorge, insbesondere vor einem Blitzeinschlag ist bei diesem Typ von Häusern natürlich besonders groß.
.....Und wenn bei uns zum Richtfest Hillebille geschlagen wird, um die bösen Geister zu vertreiben, kann ich hier gegen die Pferdeköppe auch keinen Einwand vorbringen.

Erst dachte ich, dass die Schlacht im Teutoburger Wald nicht bei Detmold oder Kalkriese bei Osnabrück stattgefunden hat, sondern hier im Fischland. 
Aber ein Hnweisschild klärte mich auf. Das ist nicht Hermann, der Cheruskerfürst, sondern einer, der noch über ihm stand, Odin (in anderen Regionen Wodan oder Wotan), der höchste Gott der Germanen.
Wenn das Hinweisschild nicht lügt, hört man bei Wind und beim Rauschen der Bäume in den hiesigen Wäldern noch seine Stimme.
Ach ja, noch einmal zu Hermann, dem Germanenfürsten: Natürlich weiß ich, dass es nicht die Schlacht im Teutoburger Wald gegeben hat. Es war kein Schlachtort, sondern ein Scharmützel über viele Tage und in einer großen räumlichen Ausdehnung.

Schwalenberg kenne ich, Worpswede steht noch auf meiner TO-DO-Liste. Ahrenshoop, die Künstlerkolonie an der Ostsee kann ich jetzt von dieser Liste streichen. 
Eigentlich wollte ich gestern Museumsbesuche machen, aber starker Dauerregen (im Nachbarort mit Überschwemungen) hilet mich davon ab aus dem Haus zu gehen. Heute morgen war es bedeckt und deshalb habe ich mir 2 Galerien vorgenommen.
In der Kunstkaten (rechts im Bild) gibt es ständig wechselnde Ausstellungen. Aktuell bis zum 05.07.20 sind hier Bilder der Künstlerin Sybille Meister zu sehen.
Nur falls ich eine Verlängerung der Reha bekomme (unwahrscheinlich wegen Corona-Stau), kann ich mir ab dem 10.07. hier die Vorbesichtigung der 46. Ahrenshoper Kunstauktion anschauen.

In dem alten Schulhaus (siehe Text oben) war ich anschließend. Mittlerweile befindet sich hier eine nette Galerie. Ich hatte Glück. Wenn ich das richtig gelesen habe, endet heute die Ausstellung zu Ehren des Dresdner Künstlers Hans Kinder, der auch in Ahrenshoop wirkte. Hans Kinder wäre in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden, genauso alt wie mein Lieblingsopa. 
Beeinflusst war sein Schaffen u.a. von Picasso, den er 1942 im besetzten Paris kurz  kennenlernte. 
Ein Film zeigt seine interessante Lebensgeschichte. Leider habe ich diesen Film nicht bei Youtube gefunden. Bei Wikipedia steht viel, aber längst nicht genug von den Dingen, die mit gefielen.

Am Nachmittag (heute ist übrigens der 21.06.) schein dann wieder die Sonne und ich bin mit dem E-Bike nach Prerow gefahren. Erst über den deich, dann durch einen superschönen, ziemlich naturbelassenen Wald.
An der Ostseeküste (Foto) war ich nur kurz.

Jedes Jehr verschwindet hier 1 Meter des Sandstrandes. Einiges sammelt sich beim Dorf Darß und läßt Neues entstehen.

Im Garten der Reha-Einrichtung steht der Nachbau eines "Badewagens". Ab 1892 wurde hier diese Gefährte genutzt. Der Badegast konnte in voller Kleidung einsteigen und sich drinnen umziehen. Pferde zogen das Teil ins Wasser. Wenn der Gast fertig war, wurde das Teil wieder an Land gezogen. Diese Geräte gab es bis nach dem ersten Weltkrieg. Danach wurden die Gäste wohl etwas frivoler und man konnte auf den Wagen verzichten.
Ich glaube, wenn die damaligen Gäste sehen könnten, wie heute an den hiesigen FKK-Stränden gebadet wird, würden einige noch einmal tot umfallen.



Zum Schluss gab es noch einen Sonnenuntergang.

22.06.2020
Das Gebiet zwischen Ostsee und Bodden ist vielfach sehr schmal. Also habe ich heute nach dem Abendessen eine kleine Tour entlang der Ostsee gemacht und dann gequert, um einen der vielen kleinen Häfen am Bodden anzufahren.
Ziel war es eigentlich, die letzten Mohnblumen zu fotografieren. 
Die Zeit der Blüte geht langsam zu Ende und der Starkregen über 18 Stunden am Wochenende hat den Pflanzen auch zugesetzt.
 

Wenn wir tatsächlich noch einmal erkennen sollten, dass Blumen auf Wiesen, Ackerrändern, neben Staßen und Wegen, in Gärten und selbst auf Müllhalden  so unendlich wichtig sind, dann werden eines Tages auch die Insekten wiederkommen. Mir fehlen die Mücken nach einer langen Autofahrt auf der Windschutzscheibe und die Schmetterlinge, die es in meiner Jugendzeit in Unmengen gab.Die Erde bietet so viele schöne Flecken und wir verschandeln die letzten Reste Natur.  

Jorge Luis Borges
„Wenn ich mein Leben noch einmal leben dürfte,würde ich versuchen mehr Fehler zu machen.Ich würde nicht so perfekt sein wollen – ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter als ich es gewesen bin,
ich wüsste nur wenige Dinge, die ich wirklich sehr ernst nehmen würde.
Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
Ich würde mehr Berge besteigen und mehr Sonnenuntergänge betrachten.
Ich würde mehr Eis und weniger Salat essen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens vorausschauend und vernünftig leben,
Stunde um Stunde, Tag für Tag.

Oh ja, es gab schöne und glückliche Momente, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr guten Augenblicke zu haben.
Falls Du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken, vergiss nicht den Jetzigen!

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Ich würde vieles einfach schwänzen,
ich würde öfter in der Sonne liegen.

Aber sehen Sie … ich bin 85 Jahre alt
und weiß, dass ich bald sterben werde.“

Jorge Luis Borges (1899-1986)

 

Das ist schon witzig. Eigentlich gibt es hier in der AHB-Maßnahme kaum eine Verlängerung. Das wurde mir gleich zu Beginn klar gesagt, keine Chance.. Ich bin hier wegen eines orthopädischen Problems und das sieht sehr gut gelöst aus.Der Grund, dass es kaum Verlängerungen gibt: Corona. Alle zurückgestellten Operationen werden nachgeholt und die hiesigen Rehakliniken können sich kaum vor Patienten retten, weil es in MV kaum Infizierte gibt.

Tja, das mit der Hüft-OP sieht ja gut aus, aber in Anbetracht der Corona-Situation in OWL (Gütersloh) sprach mich der Chefarzt gleich auf eine Verlängerung an. Als Krebspatient und somit Risikoptient soll ich nicht unbedingt nach Hause. 
Rückkehr ist also der 13.07. und wenn es auch bald keine blühenden Mohnblumen mehr gibt, finde ich möglicherweise andere Motive.

 



23.06.20
Heute habe ich eine kleine Radtour von 25 Kilometern entlang des Boddens, durch Wiesen und Wälder unternommen. Als ich gegen 21:30 Uhr wieder an der Ostsee war, hatte ich noch kein Foto gemacht. Da lief mir doch so ganz plötzlich der Sonnenuntergang über den Weg.
 

Die Radtour war landschaftlich wunderschön, aber am Schilfgürtel des Boddens und entlang eines mit Schilf zugewachsenen großen Feuchtgebietes wimmelte es von klitzekleinen scharzen Tierchen. Die setzten sich in die Haare, auf die Arme, in die Augen....vor die Zähne. Das war leicht ätzend. 
Durch den herrlichen Sonnenuntergang am Ende des Tages wurde ich mehr als entlohnt.

24.06.2020
Handyfotos.
Ich könnte mir in den Hintern beißen, wenn mein Hals lang genug wäre. Da suche ich mir in den letzten Tagen zwei Motive aus und nehme heute einen größeren Teil meiner Fotoausrüstung mit. Alles dabei...…..nur die Speicherkarte fehlt. Also musste heute das alte Smartphone herhalten. Ich hoffe, dass die nächsten Bilder wieder klarer werden.

 

Das ist für einen Knips mit dem alten Smartphone gar nicht mal so ganz schlecht.
 

 

Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) mit seinen auffallenden Blüten zählt laut Sagen und Legenden zu den Pflanzen des Elfenvolkes.

 

 

Heute gings mit dem Fahrrad zum Leuchtturm bei Prerow. Die Fotos, die ich dort gemacht habe, waren einfach zu mies, aber ganz in der Nähe standen die Fingerhüte, für die mir einige Zeit lies. Tolle Blumen, von denen ich selber einige im Garten habe.

Weil die Sonne sich nicht bewegt, bedeutet die scheinbare Bewegung der Sonne, dass es die Erde ist, die sich bewegt.
(Nikolaus Kopernikus)

 

Hier gibt es wunderschöne Radwege durch dichte Wälder. Ich bin begeistert von den abendlichen Radtouren.

„Der Atem der Bäume schenkt uns das Leben.“
(Roswitha Bloch)

 

25.06.20 (Handyfotos)

Heute bin ich mit dem Radl bis kurz vor Graal-Müritz gefahren. Freunde kommen am Samstag für 6 Tage dorthin und ich denke, dass wir uns doch mal in einem Biergarten treffen. So habe ich mir verschiedene Speisekarten angeschaut und die Terrassen in der Hoffnung, dass es nächste Woche etwas besseres Wetter gibt, als es der Wetterbericht hergibt. 
Gerade in Corona-Zeiten ziehe ich ein Essen an frischer Luft vor. 

Unbezahlbar bemisst man nicht in Geld,
sondern in Gefühlen!

 


Bevor ich so viel schreibe, hier ein interessanter Artikel zur Nebelstation (Nebelleuchtturm) von Wustrow, die erst vor wenigen Jahren abgebaut wurde. Ersatz ist das Teil ganz rechts auf dem nächsten Foto.

https://www.fischland-darss-zingst.net/wustrow/leuchttuerme/nebelstation-wustrow.php
 

Seebrücke Wustrow




26.06.2020

Graffiti kann auch schön sein!

Mit etwas Wehmut denke ich an die Heu- und Strohschober zurück, die es in meiner Kindheit noch gab. Auf den abgeernteten Kornfeldern wurde mit Hilfe von Stangen kleine Häuschen gebaut, die wir als "Buden" nutzen konnten.
Mensch, ist das lange her. Heutzutage ist es praktischer, aber längst nicht mehr so schön anzuschauen.
Na ja, ich mag ja auch lieber ein altes Fachwerkhaus, als viele Häuser, die heute gebaut werden. Die Städte zu Hause haben durch Krieg und Bausünden viel an Charme verloren.

Neben Weidetieren gibt es hier natürlich auch viele Wildtiere. Mit den vielen Vögeln, die man herrlich im Schilf beobachten kann, hatte ich gerechnet. Aber zwei Begegnungen haben mich überrrascht. Vor ein oder zwei Tagen lief mir in 5-10 Meter Entfernung ein Marder über den Waldweg.
Heute dann das Highlight: Ein Fuchs querte mit zwei jugen Füchsen den Radweg in 2-3 Meter Entfernung. Die Jungtiere blieben stehen und schauten mich neugierig an. Ein einmaliges Erlebnis.
Dann war ich neugierig, wie alt die Kleinen wohl sein könnten und das www half weiter:
Ende März bis Mitte Mai bringt die Füchsin nach einer Tragzeit von 52 Tagen ihre Jungen im Bau zur Welt. Üblicherweise haben Füchse 3-4 Junge, in stark bejagten Gebieten bis zu 8, da die Natur die hohen Verluste durch die Jäger sofort wieder ausgleicht.

 


27.06.20
Mohn- und Kornblumen kombiniert
Das Wetter ist ja eigentlich gut, dachte ich kurz nach Mittag.....

.....ein paar Schönwetterwolken, so dachte ich am Nachmittag. Super Wetter.

Vom Skulpturenpark von Wustrow "Tor in das Jahr 2000" war ich sehr enttäuscht. Da hatte man sich in der Milleniumeuphorie wohl etwas ausgedacht, was nachher nicht mehr gepflegt wurde und irgendwie auch nichts hermacht. Beachte: Einschätzung eines Kunstbanausen ;-)
Bei uns zu Hause hat es ja auch einige Werke zur Expo 2000 gegeben, die es nicht wirklich gebracht haben und die sich nicht etablieren konnten.
Abends war das Wetter dann nicht mehr so gut. Mitten im Wald wurde ich von einem heftigen Gewitter überrascht. Innerhalb von einer Minute war ich bis auf die Haut nass. Nicht weter schlimm, denn die Kleidung trocknet wieder und die heiße Dusche tat gut. 
Vorteil: Endlich ist mein Rad mal sauber.
Am späten Abend habe ich dann noch mit meinem eifrigsten Gästebuchschreiber Dieter telefoniert und einiges aus der Heimat erfahren.
Morgen treffe ich mich mit einem Cousin nebst Gattin, die heute in Graal-Müritz angekommen sind. Nächste Woche werde ich bei vermutlich wechselhaftem Wetter mal die ein oder andere Galerie aufsuchen.

01.07.2020

Ahrenshooper Wegmarken

Moritz Götzes Wegweiser zur Künstlerkolonie

Moritz Götze (*1964 in Halle an der Saale), einer der bedeutendsten Vertreter der Deutschen Pop Art, hat für Ahrens­hoop und das 125-jährige Jubiläum der Künstlerkolo­nie zwei überlebensgroße Figuren gestaltet.

Ein fünf Meter hoher Paul Müller-Kaempff schickt einen künstlerischen Gruß von der höchsten Erhebung des Fisch­lands, dem Bakel­berg. Nach einer Wanderung durch den Künstler­ort begegnet man einer modernen Interpretation eines „Malweibes“ auf den Weiten der Boddenwiesen.

Aus witterungsbeständigem Bootsbausperrholz und in Götzes unverwechselbarer Handschrift gefertigt, ste­hen sie stellvertretend für die Begründer der Künstler­kolonie, die uns bis in die Ahrenshooper Gegenwart begleiten.

 

Die Sammlung von Grabsteinen steht vor dem Eingang zum Schifferfriedhof. Dieser wurde wunderbar auf alten Gemälden verewigt (siehe nächstes Bild). Mehr dazu, wenn ich das Museum besucht habe. 
Auf einer kurzen Radtour habe ich mal wieder einen Fuchs gesehen. Dieses Mal weiter entfernt (20 Meter) und ohne Jungtiere. 

Kunstpfad Ahrenshoop

Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Künstlerkolonie Ahrenshoop wurde am 25. März 2017 der Kunstpfad Ahrenshoop eingeweiht. Der Kunstpfad ist ein Rundwanderweg, der zu zehn stimmungsvollen Werken namhafter Künstler am Standort ihres Entstehens führt. Sie entdecken Ahrenshoop mit den Augen der Maler und erfahren Wissenswertes über ihre Person und Werke. Einige der Gemälde sind im Original in der Sammlungsausstellung im Kunstmuseum Ahrenshoop zu finden.

Der Kunstpfad lässt sich sowohl auf eigene Faust mit dem Kunstpfad-Flyer als auch bei einer der monatlich angebotenen Radführungen erkunden.

 

02.07.2020
Wir haben seit einigen Tagen kein besonders gutes Wetter. Deshalb gibt es auch nicht viel zu berichten.
Dieses Foto stammt noch vom letzten Sonntag. Ich hatte mich mit meinem Cousin und seiner werten Gattin zum Radfahren verabredet. Kurz vor einem heftigen Regenguss fanden wir durch puren Zufall diesen Unterstand mittem im Wald.

In den Wäldern gibt es viele große Bestände von Heidelbeeren. Es sind sehr, sehr kleine Beeren im Vergleich zu den Kulturheidelbeeren, die wir in den Supermärkten kaufen können, aber sie schmecken echt gut.....ist halt nur mühsam, weil sie so klein sind ;-)

Da es heute mit den Museumsbesuchen nicht geklappt hat (meine Anwendungen wurden vom Vormittag in den Nachmittag verlegt), werden wir heute Abend gemeinsam Fisch essen und uns Morgen noch einmal treffen.





 

Das Bild ist einige Tage alt. Die Mohnblumen und Kornblumen sind größtenteils verblüht.
Im Nachgang zu meinen "Blumenfotos" erlaube ich mir noch ein kleine Anmerkung:
Man kann vom Rand des Feldes oder der Wiese so schöne Bilder machen. Dazu müsst ihr nicht unbedingt einige Meter auf das Feld oder die Blumenwiese stapfen. Gerade am letzten Wochenende, wo vermehrt Urlauber an die Ostseeküste kamen, konnte man das beobachten. Kleine Schneisen von niedergetretenen Blumen müssen doch nun wirklich nicht sein. Erfreut Euch an der lebenden Natur, auch wenn ihr zum ultimativen Foto nicht den richtigen Standort habt.
Das hat auch etwas mit Achtung vor der Natur zu tun. 
Ich erinnere mich an eine Beobachtung vor einigen Jahren im Frühjahr in Herford. Ein Vater war mit seinem etwas 8-10 jährigen Sohn dabei, Narzissen am Ufer der Aa auszubuddeln. Leute, auch die hättet ihr im Sixpack für 99 Cent überall kaufen können. Freut Euch an der Natur, achtet sie und schändet sie nicht.

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© Erhard Krull