Kiew und  Tschernobyl                                                (Lviv ab Dez.  unter Weihnachtsmärkte)

27.03.2019
Irgendwie habe ich es heute geschafft, auch meinen 3. Urlaubstermin 2019 um meine Kliniktermine herum zu legen.
Nachdem ich pro Jahr 4* ein Kontrastmittel bekomme, welches 400 Tagen Tschernobyl entspricht, kommt es auf diesen einen Tag mehr auch nicht an, dachte ich mir. 
Trotz der Gefahr weiterer Reaktorunfälle und obwohl niemand weiß, wohin mit den radioaktiven Abfällen, werden weltweit  immer mehr dieser Reaktoren mit todbringender Technik gebaut. Ich fass es nicht! 

Weil ich häufig nach den Kosten gefragt werde, hier einige Infos:
Flüge mit 10 kg Handgepäck: 57 Euro (Wizz Air von Frankfurt)
Appartement (45 m²) mit zwei Zimmern und Küchenzeile im Wohnbereich, zentral gelegen:
125 Euro für 5 Übernachtungen
Tagesfahrt nach Tschernobyl mit Mittagessen (bio, Kost von außerhalb): ca. 100 € je nach Anbieter
Taxifahrt vom Airport über die Unterkunft gebucht. Das ist auch einfacher im Hinblick auf die Schlüsselübergabe: 12 € oder 15 €, je nachdem welchen der beiden Flughafen man nutzt.

Zu den Kosten vor Ort:
Essen in einem günstigen einheimischen Restaurant: ca. 4,50
0,5 Liter einheimisches Bier: 82 Cent
Cappuccino: 1 Euro
Also bleibe ich wohl beim Bier, weil für's gleiche Geld wesentlich mehr Flüssigkeit, als beim Cappuccino ;-)

Monatsverdienst in der Ukraine: durchschnittlich unter 400 Euro. Das relativiert die für Mitteleuropäer günstigen Preise.
 

Das Wetter in Kiew: 
feuchtes kontinentales Klima mit milden Sommern
Niederschläge gibt es ganzjährig;
strenge Winter, warme Sommer.

Der Juni ist ein angenehmer Reisezeitraum. Die durchschnittliche Tagestemperatur liegt bei 25 Grad (22-28)

Nachtrag 22.06.2019:
Ich schaue mir gerade den Wetterbericht für die nächsten Tage an:
heute: sonnig, 34 Grad
morgen: heiter 36 Grad
Montag (Tschernobyl) heiter, 35 Grad (bis gestern  für Montag noch 20 Grad, wolkig, abends etwas Regen angesagt)
Dienstag heiter, 32 Grad
nachts immer so 22-23 Grad
Tja, jetzt weiß ich nicht, ob ich mich über das Wetter am Montag freuen soll, oder nicht. In Tschernobyl sind aus Gründen der Gesundheit lange Hosen, festes Schuhwerk und langärmelige Hemden/Shirts angesagt. Nach der Sauna gestern im Zug steht mir so gar nicht der Sinn nach Hitze. Gesundheitlich machen mir hohe Temperaturen seit einem Jahr mehr zu schaffen als zuvor. Bei den bisher angesagten 20 Grad und Wolken wäre es mit den Fotos möglicherweise nicht so gut. Na ja, ich nehme es, wie es kommt. Der Ausflug dauert gut 12 Stunden und ich hoffe mal, dass es ein klimatisierter Reisebus ist.

 

21.06.2019
Reisebeginn. Da auf die DB nicht unbedingt Verlass ist (empirische Selbstversuche), fahre ich schon heute nach Frankfurt, obwohl erst morgen der Flieger abhebt. Für Bahnverhältnisse komme ich püntlich an (nur knapp 20 Minuten Verspätung). Ich bin zufrieden, was die Zeit angeht, die Leute, die noch Anschlusszüge bekommen wollten, waren weniger zufrieden.
Ja, wenn es mit der Zeit halbwegs klappt, gibt es andere Probleme:
Im überfüllten Zug ab Kassel war die Klimaanlage ausgefallen. 3 Stunden Sauna pur, allerdings ohne nackelig ;-)

Ich war mit meinen durchgeschwitzten Haaren drauf und dran, mir beim türkischn Friseur eine Shortcut-Frisur verpassen zu lassen, aber nach einer ausgiebigen Dusche, einem Warsteiner und einem Guinness war das Leben wieder in Ordnung.

Wie heißt es doch so schön:
Läuft Dein Leben stets nach Plan,
fährst Du selten Deutsche Bahn


Das mk-Hotel in der Kaiserstr. (200 Meter vom Bahnhof, knapp 100 Meter von den Rotlicht-Bars) kann ich empfehlen. Erst dachte ich, bei dem Preis handele es sich um den für eine Stunde und häufig würden die Türen schlagen und die Betten quietschen, aber nein: Die Zimmer sind klein, funktionell und sauber. Mit einem kleinen Rabatt (4 Euro, weil Dauerkunde bei booking.com) zahle ich für die Übernachtung im DZ ohne Frühstück (Buffet 9,50 €) nur 36,45 €.
Die letzen Male hatte ich in einem Hostel in unmittelbarer Nähe übernachtet. Dort kostet das DZ zur Alleinnutzung mit nicht lohnendem Abendessen (Nudeln mit Tomatensauce) und passablem Frühstück 50 €. Hier gefällt es mir besser. Mal schauen, ob ich morgen das Frühstück im Hotel oder beim Bäcker zu mir nehme.

Nachtrag 22.06.: Hier gibt es eine wunderbar große Terrasse auf Höhe der 1. Etage, direkt neben dem Frühstücksraum. Draußen tolles Wetter und dann hier noch bis zur Abfahrt des Zuges relaxen....wunnebar!

 

22.06.2019
Mein erster Weg nach der Ankunft wird in ein Geschäft sein, in dem ich Wasser kaufen kann.
Das Leitungswasser soll nicht trinkbar sein. Viele kochen nicht einmal mit dem Wasser. Ich bin ein Langduscher und sollte mich einschränken. In einem Kommentar habe ich gelesen, dass nach 3 Minuten Duschen Hautirritationen aufgetreten sind.
In den letzten Jahren soll sich die Qualität etwas verbessert haben, aber ich will mal vorsichtig sein, denn auch das Auswärtige Amt rät zu Wasser aus Flaschen, um Durchfallerkrankungen vorzubeugen.
In Kiew gibt es ein Wassermuseum. Vielleicht ist das einen Besuch wert.
Foto: Majdan, Wasserfontänen tanzen nach der Musik
 

Der Majdanplatz, kurz Majdan (Unabhängigkeitsplatz) liegt im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt. Traurige Berühmtheit erlangte er vor 5 Jahren, als Hunderttausende gegen Korruption, Armut und die Regierenden demonstrierten. Die Demonstrationen endeten für viele Teilnehmer tödlich.
Der damalige Präsident floh über Nacht.
Aber heute soll es kaum besser sein. Korruption ist an der Tagesordnung, heißt es. Das hier in weiten Teilen noch bittere Armut herrscht, kann man sehen. Unweit des Majdan sehe ich halb verfallende Häuser (Foto)

Die durchschnittliche Rente beträgt 75 Euro, der monatliche Durchschnittslohn unter 400 €. Von 75 Euro müssen die Rentner ihre Wohnung mit Strom, Wärme, Wasser bezahlen und natürlich noch etwas zum Essen kaufen. Ich glaube, das können sich selbst die Hartz 4-Empfänger bei uns kaum ausmalen. Ich kenne Armut von meinen Reisen nach Tansania, wo es noch heftiger ist und kann nur eines sagen: Leute, uns geht es so gut, wir stöhnen oft auf einem hohen Niveau.
Aber ich glaube, eines haben die Ukraine, die Länder Afrikas, Deutschland u.a. gemeinsam:
Die Schere zwischen arm und reich klafft zu weit auseinander. Das ist bei uns so, wo es ein Arbeiter mit Mindestlohn schwer hat, eine Familie zu ernähren und der Konzernchef das hundertfache des Facharbeiterlohns bekommt. Hier in der Ukraine gibt es auf der einen Seite die Oligarchen mit Milliardenvermögen und dann die Arbeitslosen, Rentner und einfachen Arbeiter, bei denen bittere Armut herrscht.

 

 

Wenn ich diese Bilder sehe, fröhliche Menschen, die auf dem Majdan tanzen und feiern, kann ich kaum glauben, dass ich mich in einem Land befinde, in dem fast täglich Soldate sterben oder verletzt werden.
Das Auswärtige Amt rät von Reisen in den Osten der Ukraine dringend ab. Hier in Kiew ist von den Spannungen im Osten des Landes und im Bereich der Krim absolut nichts zu spüren.

Mein Appartement ist okay. Wie in allen Unterkünften Osteuropas, die ich seit dem letztem Jahr besucht habe, sieht das Haus von außen schäbig aus. Auch das Treppenhaus erinnert mich eher an einen Knast, als an eine Ferienunterkunft. Als ich dann aber nach 60 Stufen die Wohnungstür aufschließe, bin ich freudig überrascht. Die Einrichtung ist zwar recht einfach, aber okay. Die Zimmer sind ordentlich und sauber. Ein kleiner, einfacher Balkon rundet den positiven Eindruck ab.
Bisher hat mich noch bei jeder Unterkunft die Außenansicht des Hauses abgeschreckt, wobei bisher alle Appartements völlig okay waren.
 

Ich bin heute von den beiden Reisetagen (und den 60 Treppenstufen) nicht nur erschöpft, sondern auch dekadent. Ich wohne 300-400 Meter vom Majdan entfernt und mache mir erst gar nicht die Mühe, wie sonst obligatorisch, ein günstiges einheimisches Restaurant zu suchen. Ich habe Durst und Hunger. Also nehme ich ein Restaurant, welches in unmittelbarer Nähe des Platzes liegt. Heimisches Bier? Fehlanzeige. Heimisches Essen? Fehlanzeige. Ich bleibe trotzdem (aber nur heute mache ich so etwas).
Für Essen und Trinken (Salat, 500 ml Fischsuppe, 2 Bier aus Belgien -- -- sorry, passiert hier nicht wieder, höchstens mal in Brügge) zahle ich die Wochenrente eines Einheimischen. Ich bin so unendlich froh, dass ich in einem Land aufgewachsen bin, in der seit 3 Generationen kein Krieg herrscht und wo es der Bevölkerung besser geht, als in über 90% der übrigen Welt.
Morgen besuche ich das Museum des Großen Vaterländischen Krieges.
Und etwas macht mir Angst: Der aufkeimende Rechtsruck und die neuen Faschisten in unserem Land! In dem Museum kann ich sehen, was die Faschisten vor fast 80 Jahren hier angerichtet haben.

 

23.06.2019
Es ist heute irre heiß, so 32 oder 33  Grad im Schatten und die Sonne knallt. Viele Menschen erfrischen sich an den Springbrunnen des Majdan (Foto).
Mir fällt es schwer, größere Strecken zu laufen. Der Majdan liegt tief und zu den Kirchen und Kathedralen geht es bergauf....nicht weit, aber meine fehlende Kondition macht sich bemerkbar. Da morgen die lange Tour nach Tschernobyl ansteht, werfe ich heute meine Besichtigungspläne um und ruhe mich eher aus.
Aktuell ist das Sofa im klimatisierten Appartement angesagt.
Vielleicht klappt es am Dienstag ja besser.


Foto: Weltkugel und 100 Meter weiter das Unabhängigkeitsdenkmal 

Das im Jahr 2001 zum 10. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine an Stelle des 1991 abgebrochenen Denkmals der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution errichtete Denkmal in Säulenform ist stilistisch eine Mischung aus ukrainischem Barock und Empire. Es ist, zusammen mit dem es umgebenden Platz, eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt Kiew und der Ukraine.

Die Höhe des Denkmals beträgt insgesamt 63 Meter, wovon 38 Meter auf die weiße, mit italienischem Marmor verkleidete korinthische Säule entfallen. Die Säule hat einen Durchmesser von 2,20 Meter und steht auf einem 10,8 × 10,8 Meter großen Triumphbogen sockel aus weißem kanadischem Granit. Sie wird von einer 6 Meter hohen Statue, die auf einer Erdkugel steht, gekrönt.[1][2]

Um das Denkmal vor Naturkatastrophen wie Stürmen und Erdbeben zu schützen, wurde ein 500 kg schweres Tilgerpendel installiert, das auftretende Vibrationen dämpfen soll

 

 

 


Kiew hat knapp 3 Mio. Einwohner (4 Mio mit Umland).
Sprachen: ukrainisch und russisch
Der Bürgermeister heißt Vitali Klitschko. Der muss irgendwas mit Boxen zu tun haben, denn er hat eines seiner Kinder nach Max Schmeling benannt.
Kiew liegt am Fluss Dnepr, der mit kleinen Schiffen bis hier befahrbar ist.
Einige Klöster und Kirchen gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Vielzahl von Museen laden zum Besuch ein.



Foto rechts: Goldene Kathedrale

















Foto unten: St. Sophie

Die Wasserspiele auf dem Majdan bei diesen Temperaturen locken die Menschen .

Foto: Blick auf den Dnjepr. Rechts auf dem Sandstreifen viele Badende und Sonnenanbeter. Gleich neben diesem Ausbickspunkt ist die Liebesbrücke. Die war dermaßen voll und ich allein und so habe ich mir sie geschenckt.







Kriminalität in Kiew:
Eigentlich ist es hier okay, wenn man die nötige Vorsicht walten lässt.
Trickdiebstähle kennen wir ja auch bei uns. Empfehlung: nur das nötige Geld mitnehmen und am besten am Körper tragen!
Vorsicht: Kreditkarten nicht aus den Augen lassen, damit sie nicht gedoppelt werden.
Bei "freundlichen" Einladungen fremder Menschen: Die haben hier die gleichen KO-Tropfen wie bei uns. Wer möchte schon gerne nach Stunden ohne Geld, Papiere und Kreditkarten wach werden ;-)
 

Tja, da habe ich schon mal den Anstieg zum Wassermuseum auf mich genommen und da hat es heute geschlossen. Pech!

 

 

 

 

Foto unten: 2 Denkmäler Nähe Liebesbrücke

 

Nationales Kunstmuseum der Ukraine
Sollte ich alter Kulturbabause reingehen oder nicht?
Ich habe mich dafür entschieden.
Die ältesten Bilder und Kunstwerke waren knapp 1000 Jahre alt (Heiligenbilder aus dem 12. Jh.) In den ersten Räumen weitere Jahrhunderte Heiligenbilder. Das erinnert mich an finstere Schulzeiten. Wir sollten damals ein Heiligenbild beschreiben. Besser als 'ne glatte 5 war das bei mir nicht, eher schlechter. Ich hab's verdrängt.
Dann kamen die Räume mit Landschaftsbildern und Bildern von arbeitenden Menschen auf dem Feld.
Die jüngsten Bilder waren knapp 100 Jahre alt.
An der Beschreibung merkt ihr: Ich habe von Kunst aber so wenig Ahnung, dass es fast weh tut.
 

Na ja, von Fußball habe ich auch keine Ahnung.
Zumindest weiß ich hier aber, dass dies nicht der Eingang vom Stadion in Schalke ist, sondern von Dynamo Kiew.

Was für Kinder. Ich vermute ein Theater, weiß es aber nicht. Mache mich noch schlau. Das Gebäude liegt direkt unterhalb des Wassermuseums in der schönen Parkanlage.

Tja, in der Nähe des Majdan (Maidan, Maydan) ein Lokal mit heimischen Speisen und lokalem Bier zu finden, entpuppt sich als recht schwierig. Aber nur 30 Meter von meinem Appartement entfernt, gibt es doch ein kleines Lokal. Mal schauen, was es zu bieten hat.
Überraschung: Bier aus Lviv (Lemberg) Ursprünglich hatte ich für dieses Jahr ja schon einen Trip nach Lemberg mit Flug und Unterkunft gebucht. Warum auch immer wurde der Flug von Wizz Air abgesagt. Das Bier schmeckt mir nach den sommerlichen Temperaturen (um 20 Uhr noch genau 30 Grad) so gut, dass ich vielleicht in der Vorweihnachtszeit doch noch nach Lviv fliege. Es gibt aber auch noch viele andere Gründe, gerade dieser ukrainische Stadt, 70 km östlich der polnischen Grenze, einen Besuch abzustatten. Der Weihnachtsmarkt soll auch schön sein und ich könnte die im letzten Jahr begonnenen Weihnachtsmarktbesuche fortsetzen.
@Horst und Lak: Vielleicht klappt es ja in diesem Jahr auch mit den Weihnachtsmärkten in Nürnberg und Bamberg

 

Ob das Hauptgericht eine lokale Spezialität ist, weiß ich nicht. Bei uns wäre das in etwa Gulasch auf Püree. Die Portion war recht klein und ich bestellte einen Salat nach. Caesar ist jedenfalls kein lokaler Salat.

 

Foto: Auf zahlreichen Steinen wird den Toten der Unruhen von vor gut 5 Jahren auf dem Majdan und umliegenden Gebieten gedacht.
 

Morgen habe ich ein Problem. Meine Gesundheit lässt es aktuell nicht zu, den Weg zum Treffpunkt zu Fuß zu gehen. Ich habe keine Ahnung, ob ich am Majdan am frühen Morgen ein Taxi finde oder einen Wagen von Uber (sieht man hier häufig). Wenn ich nicht pünktlich am Treffpunkt bin, fahren die ohne mich los. Das möchte ich irgendwie vermeiden, denn das Geld habe ich ja schon bezahlt.
Eigentlich wollte ich mir Dienstag eine Stadtführung gönnen, die an vielen Häuserfassaden mit Graffitikunst vorbeiführt. Auch das werde ich nicht schaffen. Ich würde nur die anderen Teilnehmer aufhalten. So werde ich Dienstag in meinem eigenen Rhythmus die Sehenswürdigkeiten anschauen, die ich gut schaffen kann. Das Museum des Großen Vaterländischen Krieges steht ja noch auf meinem Plan. Wie so oft: Ich habe für diese Stadt mindestens 2 Tage zu wenig eingeplant.



 

Reaktor 4/ Katastrophe vom 26.04.1986

Unser Wissen ist eine kleine Insel im großen Ozean des Unwissens

So nah kommt man an den ehemaligen Reaktor 4

Das ist er, der Reaktor 4, der in der Nacht vom 25.04.auf den 26.04.1986 explodierte. Ihr seht (Sie sehen) hier die zweite Hülle, die ca. 20 Staaten mit finanzierten (Rußland nicht), nachdem der erste Hülle marode war. Diese Hülle soll 125 Jahre halten. Das scheint mir nicht viel, denn die Halbwertzeit einiger Stoffe liegt bei 25.000 Jahren.
Wir fuhren also heute von Kiew los und die erste Kontrolle gab es zu Beginn der 30 Km-Zone, eine weitere zu Beginn der Todeszone (10 Kilometer bis zum Reaktor). Wir kamen bis auf knapp 300 Meter an der Reaktor heran.

Ja, diesem Mann, dessen Name mir entfallen ist, möchte ich neben allen Liquidatoren einen gesonderten Text widmen. Was sind Liqiudatoren? Das sind alle diejenigen, die am Reaktor und im direkten Umfeld arbeiteten, um den Schaden zu begrenzen, Menschen zu helfen, Häuser, Straßen usw. zu reinigen. Es hat 600.000 bis 800.000 Liquidatoren gegeben, die teilweise einer sehr intensiven Strahlung ausgesetzt waren. Diesem Mann verdanken die Ukrainer, Westrussen und eigentlich alle Europäer viel. Er war dabei zu verhindern, dass es zu einer zweiten, viel gewaltigeren Explosion kam. Mein Englisch ist nicht so gut, genau zu verstehen, was seine Aufgabe direkt am Reaktor 4 war. Aber er ging 2* direkt in den Bereich der höchsten Strahlung, um diese Aufgabe zu erledigen. Danach wurde er mit der Strahlenkrankheit in ein Hospital eingeliefert. Von dort entkam er (ist das für "escape" die richtige Übersetzung?). Er ging zurück zur Ruine und sagte: "Ich sterbe sowieso, warum sollen es auch noch andere tun". Um andere davor zu bewahren, ging er noch 4* in diese Hölle, bevor die Strahlenkrankheit zu einem furchtbaren Tod führte.
Immer wieder kommt die Frage, wie vielen Menschen dieses Unglück das Leben kostete. Die offizielle russische Zahl lautet 31 oder unter 50. Damit sind aber nur die Menschen gemeint, die direkt durch die Explosion starben oder in kürzester Zeit an der Strahlenkrankheit. Uber die tausende späteren Opfer durch die Strahlenkrankheit kann es nur Schätzungen geben. Einige standen 40 Sekunden auf Reaktor 3 und warfen mit einer Schaufen 1 oder 2 mal etwas auf Reaktor 4. Damit war die Höchstdosis schon überschritten. Was ist aus diesen Menschen und den Menschen aus der näheren Umgebung geworden, die erst viel zu spät über das Ausmaß informiert worden waren?
Zuerst einmal wurde der zulässige Strahlenwert um das 40-50 fache erhöht.
Die folgende Passage sagt doch eigentlich alles:

"Für geheim erklärt sind die Daten über die Havarie, für geheim erklärt sind die Ergebnisse über die Heilung der Krankheiten, für geheim erklärt sind die Daten über das Ausmaß radioaktiver Bestrahlung von Personal, das bei der Liquidation der Havarie des Atomkraftwerks Tschernobyl teilgenommen hat.“

(Schulenko am 27.06.86)
 
 
 

 

Zu den Liquidatoren zählten auch die Feuerwehrleute, zum Beispiel die vierzig, die nach der Explosion zum Brandherd eilten (Foto oben).
die Ärzte, welche die Strahlenkranken behandelten (Foto links).
die Menschen, die die Häuser und Straßen wuschen, mit Planierraupen Erde abtrugen,
die Personen, die am Unglücktstag ihren Dienst am Reaktor verrichteten,
die Transport, Lastwagenfahrer und Busfahrer,
Hubschrauberpiloten, die alle möglichen Materialien in den Reaktor abwarfen,
eine Gruppe von Bergarbeitern, die mit einem Tunnelbau, das Eindringen von kontaminiertem (Lösch-)Wasser[ in das Grundwasser, das die Ukraine versorgte, verhinderten und zudem das Zusammentreffen des Löschwassers mit dem schmelzenden Reaktorkern verhinderten, was andererseits zu einer Dampfexplosion geführt hätte,
Jäger, die kontaminiertes Wild erlegten, damit die übrigen Helfer geschützt waren usw.
Es gibt Schätzungen, die von 50.000 Toten ausgehen und unzähligen Liquidatoren, Bewohner der umliegenden Dörfer und Städte, die an der Strahlenkrankheit, Mißbildungen und anderen Krankheiten leiden, die der Unfall verursacht hat.

 


 

Postapokalyptische Ansichten

Das letzte Lachen von Kindern hat es am 25.04.1986 in diesem Kindergarten von Kopachi gegeben. Der Ort liegt zwischen Tschernobyl und Prypiat, unweit des Reaktors.

Prypiat, heute eine Geisterstadt, wurde 1970 für die Arbeiter der Anlage und deren Familien in sehr kurzer Zeit gebaut. Sie sah für damalige Verhältnisse in der SU gut aus. Viele Wohnungen hatten Balkone, es gab eine Sportarena, Theater, Kino, Hallenbad, gute Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants am Fluss und vieles mehr.
Aber man war überhaupt nicht auf ein atomares Unglück vorbereitet. Man kannte sich überhaupt nicht aus. Auch am Samstag, den 26.04.89 flanierten die Bewohnten durch die Straßen ihrer Stadt. Es wurde noch geheiratet.
Am 27.04.89 kamen dann 1400 Busse, welche die Bewohner in nur 2 Stunden und 40 Minuten evakuierten. Sie warteten draußen auf die Busse, statt sich in den Wohnungen bei geschlossenen Fenstern und geschlossenen Türen aufzuhalten, um möglichst wenig der kontaminierten Luft abzubekommen. Über 50.000 Menschen verloren an dem Tag ihre neue Heimat, ihre Wohnungen, viele ihre Gesundheit. Sie kehrten nie mehr zurück.
Die Busse brachten sie nach Kiew und umliegende Gegenden. Keiner dachte daran, die Busse, insbesondere die Reifen zu dekontaminieren.

Der wohl traurigste Vergnügungspark der Welt liegt nur 3 oder 4 Kilometer vom Unglücksort entfernt im Ort Prypiat.
Er sollte am 01.05.1986 eröffnet werden, aber zu dieser Eröffnung kam es nicht mehr, weil nur 5 Tage zuvor der Reaktor expoldierte.
Auch hier zeigt sich wieder, dass die Menschen, auch die Verantwortlichen, sich mit der freigesetzten Radioaktivität überhaupt nicht auskannten. Um die Menschen abzulenken, wurde der Vergnügungspark am Samstag, den 26.04. aufgemacht. Stunden zuvor hatte der Reaktor die oft tödiche Strahlung freigesetzt, die man nicht fühlen, nicht riechen, nicht schmecken kann. Nach dem 26.04.gab es keine Menschen mehr, die den Vergnügungspark nutzen konnten und er verfiel.

Es sind diese Bilder, die mich fassungslos machen. Dort, wo sich eigentlich fröhliche Menschen tummeln könnten, herrscht Trostlosigkeit und Tod.
Ich kann nicht verstehen, dass auf der Welt immer noch Atomkraftwerke gebaut werden, wo man doch die Gefahren kennt und überhaupt nicht weiß, wie man den Atommüll entsorgen soll.
Ich wohne nur 35 Kilometer vom Kernkraftwerk Grohnde und würde im Falle eines ähnlichen Unfalls meine Heimat verlieren.
In der Medizin bewirkt Radioaktivität Wunder. Davon profitiere ich gerade. Aber in Kraftwerken und natürlich auch als Waffe ist dieses Material Teufelszeug!

Dieses Hallenbad wurde noch ca. 10-12 Jahre nach der Explosion genutzt. Die Wasserversorgung funktionierte und die Liquidatoren konnten hier ausgiebig duschen, erst lange kalt, dann recht heiß. Sie wuschen sich die radioaktive Substanz vom Körper.

Die Bilder oben und unten zeigen das Krankenhaus von Prypiat damals und heute. Es war modern ausgestattet, aber etwas fehlte:
Eine Staion zur Behandlung von Strahlenkrankheiten. So ein Unglück war unvorstellbar und kam nicht einmal in Gedankenspielen vor.
Die Arbeiter entledigten sich hier ihrer verstrahlten Kleidung, die sich immer noch dort befindet. Das Gebäude kann u.a. genau deshalb nicht betreten werden. Natürlich ist es baufällig, aber auch die immer noch vorhandene Strahlung wäre zu hoch.
Weil die Menschen hier nicht behandelt werden konnten, wurden sie in ein Hospital nach Moskau transportiert.

Bild: Behandlungsstuhl im Gebüsch vorm Krankenhaus





Film unten: Bericht aus dem KH, in dem noch die hochradioaktive Kleidung der Feuerwerleute liegt, die zuerst am Ort der Detonation waren. Betreten absolut verboten......und nicht ratsam, weil tw. 10000-fach erhöhte Strahlen

Ratebild oben: Was ist das, bzw. was war das mal?
Ich hätte es niemals geglaubt, wie schnell sich die Natur wieder durch die von Menschen errichteten Anlagen kämpft.
Ungläubig schaute ich mich um, als die Reiseführerin meint, hier sei das alte Fußballfeld gewesen.
So richtig glauben kann ich es erst, als 30 Meter weiter die zerfallenen Tribünen auftauchen

Das obere Bild zeigt ein Restaurant in Prypiat. Den rechten Teil des selben Restaurants seht ihr auf dem unteren Bild. Es liegen über 3 Jahrzehnten zwischen beiden Aufnahmen. Hinter dem Restaurant gab es einen wunderschönen Badeplatz am Flussufer. Die Bilder folgen.

Die Fensterfassade des Restaurants ist teilweise zerstört. Eine Innenaufnahme zeigt, dass es vor der Katastrophe schöner war:

Blick von der einstmals schönen Uferterrasse des obigen Restaurants. Noch vor gut 40 Jahren fuhren hier Segel- und Motorboote und Wochenendurlauber aus Kiew bevölkerten die Gegend.
Jetzt gibt es einen Damm, der das Flusswasser aus dem Bereich des Kernkraftwerkes vom übrigen Flusswasser trennt.

Hier ist der frühere Kontrollpunkt der "Rakentenwarnanlage" zu sehen. Hier wurde scharf kontrolliert, wer die Anlage betreten durfte, schließlich sollten hier die heranfliegenden Atomraketen der angreifenden USA festgestellt geortet werden, damit auch die SU ihre atomaren Sprengkörper noch rechzeitig abfeuern konnten, bevor die der USA Moskau erreichten.
Das war die Perversion der Abschreckung der 70iger und 80iger Jahre.
Der atomare Niederschlag hat die Anlage schon vor dem Zerfall der SU zerstört.

Die Anlage selbst (hier ein kleiner Ausschnitt) ist 1 Kilometer lang (weiter Bilder folgen in den nächsten Tagen).
Meine Gedanken schweifen knapp 40 Jahre zurück als ich an der Anlage entlangwandere und auch den langen Tunnel (Bild folgt) und den damaligen Übungsraum (nächstes Bild) besichtige.
Ende der 70iger Jahre war ich schon einige Zeit politisch aktiv und zwar in der SPD. Dann kam der Nato-Doppelbeschluss, der bis zum Zerbröseln der sozialliberalen Koalition von vielen SPD- Politikern für gut geheißen wurde.
Dieses perverse Spielchen mit der ständigen Aufrüsterei und der weiteren Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden konnte ich nicht gut heißen, trat aus der SPD aus und habe fortan jede politische Aktivität eingestellt.
Au ja, da gab es ja noch weitere Gründe. Ein SPD Politiker, der später über eine freie Wählergemeinschaft, die er Jahrzehnte führte, zur AFD wechselte, wollte die Juso-Mitglieder, die am 1. September an der Veranstaltung auf dem russischen Friedhof in Stuckebrock (Blumen für Stuckenbrock) an der Veranstaltung teilnahmen, aus der SPD ausschließen. Die Veranstaltung zählte für mich über Jahre zum absoluten Pflichtprogramm. Schließlich hatten die Nazis hier 60.000 Gefangene umgebracht oder verhunger lassen, 10 Kilometer von meinem Wohnort.......und keiner will damals etwas mitbekommen haben.......
SPD-Fraktionsvorsitzenden und Mitglied des Kreistages, u.a Kreitsgasmitgliede der FWG, Kreistagsmitglied der AFD, wenn das keine Karriere ist. Manche Politiker meinen, sie seien unentbehrlich, egal in welcher Partei.
Aber wie sagte schon Marc Twain:
"Verratet bitte nicht meiner Mutter, dass ich mit Politik zu tun habe. Sie glaubt immer noch, ich sei Pianospieler in einem Bordell"
Sorry, dass ich hier vom eigentlichen Thema Tschernobyl etwas abschweifen musste. In der Schule wäre das eine 6- gewesen, weil ich das Thema verfehlt habe.

Weitere Bilder und Texte zu Tschenobyl in den nächsten Tagen.

25.06.2019
Der letzte Tag in Kiew, bevor ich morgen den Rückflug antrete.
Vom gestrigen Tag bin ich etwas erschöpft und schlafe lange. Als ich nach den ersten Tassen Kaffee, den ich ich mit Mineralwasser aus der Flasche mache, duschen möchte, merke ich,  dass kein Wasser da ist, nicht in der Küche, nicht auf der Toilette, nirgendwo.
Ich hoffe, dass es bald wiederkommt. Als nach 2 Stunden Rumgegammel immer noch kein Wasser da ist, bemerke ich, dass im Schrank unter der Küchenspüle einige Gallonen Wasser stehen. Also gibt es damit eine Katzenwäsche und ich mache anschließend einen ruhigen Spaziergang durch die Stadt. Mit 31 Grad ist es unmerklich kühler als gestern.
Nach 6 Stunden kommt das Wasser wieder und ich kann endlich Duschen.
Alle Punkte, die ich mir vorgenommen hatte, fallen meiner Lustlosigkeit zum Opfer.
Als die Sonne untergeht, schlendere ich noch über den Majdan (Foto - die Denkmäler liegen 300 Meter auseinander) und suche ein einheimisches Lokal auf, welches mir ein junger Deutscher (na ja, bei mir sind langsam alle jung) empfohlen hatte. Dort sitze ich gerade, habe gut gegessen und das Bier aus Lviv ist fast leer.

Foto: So oft ich in Osteuropa war, ich esse als Vorspeise das erste Mal Borscht.

Ja, bis mein Bier alle ist, vielleich noch einige Worte zu dem jungen Mann, der mir das Lokal empfohlen hat. Er war gestern der einzige Deutsche im Bus nach Tschernobyl und fuhr letzte Nacht mit dem Nachtzug weiter nach Odessa, wo ich auch gerne einmal einige Tage verbringen möchte.
Er ist mit Freunden hier und sie haben am Sonntag an der Schwulenparade in Kiew teilgenommen. Was ich höre ist erschreckend, aber eben habe ich es nachlesen können. Seit einigen Jahren findet in Kiew, wie in vielen Städten diese Parade statt. Anfangs waren es 200 Teilnehmer und doppelt so viel "Gegendemonstranten", oder besser homophobe Nazis oder wie auch immer. Die Polizei musste die Teilnehmer schützen. Abends nach der Parade wurde von den Homophoben Jagd auf die Teilnehmer gemacht. Es gab in früheren Jahren zahlreiche Verletzte. Schon 2017 gab es bei 2500 Teilnehmern doppelt so viele Polizisten. Am Sonntag soll es eine tolle Veranstaltung gewesen sein. 8000 Menschen feierten auf der Meile am Majdan. Es gab 200 Gegendemonstranten und als diese einmal die Polizeikette durchbrechen wollten, waren sofort hunderte, teilweise berittene Polizisten vor Ort. Es gab keine Auseinandersetzungen. Mein Sitznachbar war begeistert.
Er besorgte mir vom Meeting-Point der Tagestour über seinen Account ein Uber-Fahrzeug zurück zur Wohnung. Das mit Uber muss mir unbedingt einer erklären. Die Fahrt war 85% günstiger als morgens mit dem Taxi.
Und ich kann bestätigen, dass sein Vorschlag, ein Lokal im Stil der 50iger Jahre eingerichtet, genau richtig war. Ich fühle mich hier sehr wohl und habe ausgesprochen gut und preiswert gegessen.
Nachdem ich Mittags den wohl schlechtesten Salat meines Lebens gegessen habe, noch dazu ein teurer, habe ich hier in diesem Lokal leider erst am letzten Abend das gefunden, wonach ich eigentlich gesucht habe. Das Essen war super lecker:
Borscht
Salat als 2. Vorspeise
Hauptgericht
Crepes gefüllt mit waren Apfelstückchen und eine Kugel Eis dazu
0,5 Liter Bier aus Lviv
Für alles zusammen habe ich inkl. Trinkgeld  ca. 13 Euro bezahlt

 



Foto vom 24.6. aus dem Kindergarten ("Puppe ohne Kopf")

Ich habe die Bilder von gestern noch im Kopf und zwei getrennte Ideen, die  zusammenwachsen könnten.
Ich plane, falls es meine Gesundheit zulässt, im nächsten Jahr noch einmal nach Tansania zu fliegen. Bisher dachte ich, dass es wohl keinen oder nur einen sehr kleinen Teil an medizinischer Hilfe werden wird, weil ich keinen großen Mumm mehr zum Spendensammeln habe.
Jetzt merke ich, wie sehr mich Tschernobyl beschäftigt. Ich habe sicherlich 200 Fotos gemacht und mich auch inhaltlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich könnte vielleicht in den nächsten Monaten einen kleinen Lichtbildervortrag zusammenstricken und auf Vortragsabenden für Tansania sammeln.

27.06.2019 (Bild: Rattenfänger von Hameln)
Gestern bin ich wieder zu Hause angekommen und beende diese Seite über Kiew mit 2 Märchenbildern, wobei ich in den nächsten Tagen die Passage über Tschernobyl weiter ergänzen werde. 
Als ich vorgestern gegen Mitternacht ins Appartement zurückkehrte, lief mir eine dicke Ratte fast über den Fuß. Sie hatte wohl mit einem so späten Heimkehrer nicht mehr gerechnet ;-)
Aber ich erinnerte mich, dass ich etwas über die Tiere in Tschernobyl schreiben wollte.

Hier das zweite Märchenbild. Erkannt? Ja es ist Rotkäppchen und der (böse) Wolf , ebenfalls von den Brüdern Grimm, die Märchen nicht erfunden, sondern gesammelt haben.

Die Natur um den Reaktor ist unberührt, aber total durchseucht. Eine 4 stellige Zahl von Arbeitern arbeiten in kleinen, dekontaminierten Bereichen. In den Wäldern halten sich nur Förster und Soldaten auf. Auf menschliche Eindringliche darf scharf geschossen werden.
Die Wälder sind also ein Eldorado für Tiere. Ich habe lange nicht mehr so viel unterschiedliche Schmetterlinge gesehen, wie an meinem Besuchtag. Zu Hause gibt es so viele höchstens in Hamm im dortigen Schmetterlingshaus.
Nun zu den größeren Tieren: Eine Vielzahl von Wölfen wanderte zu, auch Bären und Elche. Hier gibt es die einzigen echten Wildpferde Europas. 1986 gab es 20 oder 21 Pferde, die frei herumliefen. Daraus sind mittlerweile 100 geworden.

Noch eines: Der Kreis um den Reaktor hat einen Radius von 30 Kilometern. In diesem Bereich sind Erde, Wasser, Häuser, Pflanzen usw. noch extrem radioaktiv. Auf der Busfahrt konnte man sehen, dass außerhalb der "Todeszone" das Leben normal weiter geht. Direkt außerhalb gibt es Korn- und Maisfelder. Die Menschen bauen in ihren Gärten Gemüse an und das Obst hängt an den Bäumen. Der Kreis um Reaktor 4 wurde recht willkürlich gezogen. Wie es wohl bei diesen Lebensmitteln aussieht, frage ich mich.

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© Erhard Krull