Lech am Arlberg

Das wird wohl das mental absolute Highlight des Jahres sein. Eine Woche nach meiner Rückkehr von der Anschlussheilbehandlung  habe ich etwas in die Tat umgesetzt, was ich mir seit Heiligabend 2019 vorgenommen hatte, bei dem ich aber nie sicher sein konnte, ob sich das noch realisieren lässt. Schon die Hirnmetastasen im März waren akut (2-6 Monate) lebensbedrohlich. Nach einer Gamma-Knife Bestrahlung konnte diese akute  Lebensbedrohung nach 6 Wochen  beseitigt werden. 
Zurück zum 24.12. Ich war seit einigen Tagen wieder Single und der bekannte Fotograf Jürgen Escher und seine Lissy hatte mich abends eingeladen, damit ich nicht alleine zu Hause war. Jürgen ist normalerweise Fotograf in Krisengebieten (www.juergenescher.de). Er fotografierte für Karl-Heinz Böhm in Äthiopien, seit 38 Jahren für Cap Anamur, er ist Fotograf von Adveniat und vielen mehr. 
Das Bild, welches es mir schenkte, passte überhaupt nicht in diese Kriesenfotografien aus dem kriegerischen Sudan und Syrien, aus Afghanistan, von der Tsunamikatastrophe in Indonesien, dem Erdbeben in Nepal, frierenden Kindern in Nordkorea, von den Überschwemmungen aus Mosambique,  aus Nigeria, von der indigenen Völkern Südamerikas, aus Madagaskar, Sierra Leone, der Unwetterkatastrophe auf Haiti usw.
Es war das Bild eines Trachtenmädels aus Lech am Arlberg. Jürgen erzählte, dass er das Kind 1992, als er einige Jahre auch für das Time Magazin gearbeitet hat, in Lech aufgenommen hatte. Es ging bei dem Bericht über die untergehende bäuerliche Gesellschaft und den immer mehr zunehmenden Skizirkus. Ganz alte Leute wurde befragt, wie es früher war.
Dabei entstand dieses wunderbare Portrait eines kleinen Mädchens in der Tracht des dortigen Trachtenvereins.
Mir war sofort klar: Dieses Bild gehört eigentlich der Frau, die sich vor knapp 30 Jahren in Lech als Kind aufnehmen ließ. 
Also ließ ich mir noch einmal so ein Bild von Jürgen reproduzieren und fuhr über ein langes WE nach Lech, in der Hoffnung, das Mädchen in 2 oder 3 Tagen zu finden.
Es war einfacher als gedacht. Es dauerte nur 2 Minuten. Als ich der Hotelwirtin sagte, dass ich eine Frau suche, die vor 30 Jahren als Mädel viele Sommersprossen hatte und ganz verschmitzt schaute, meinte sie gleich: "Das könnte wohl die Anna sein. Anna ist die Tochter meiner besten Freundin und die Tochter des Bürgermeisters. Als ich ihr in einem Buch das Foto zeigte war es klar: Es war Anna, die 150 Meter entfernt eine große Pension betreibt ("Braunarl").
Die Freude Annas und ihrer Eltern, die ein sehr gutes Hotel betreiben (****Aurora) war riesig. Ich wurde zum Abendessen ins Aurora eingeladen. 
Anna wollte mir für meine Bemühungen und Kosten Geld anbieten und hatte einen größeren Betrag in einem Briefumschlag mit einem Dankeschön versehen. Das konnte ich absolut nicht annehmen. Geschenk ist Geschenk. Das ist ähnlich wie bei meinen ehrenamtlichen Dingen. Alle meine Kosten trage ich selber.
Also brachte ich ihr des Geld zurück und sie war etwas beleidigt. Wir kamen nicht so richtig überein, bis mir eine Alternative einfiel: Gerade vor meinem Geburtstag hatte ich meine FB-Freunde und meine Geburtstagsgäste gebeten, mir keine Geschenke zu geben, sondern für der Verein Fruchtalarm (krebskranke Kinder - www.fruchtalarm.info) zu spenden. Wenige Tage später waren von Anna 300 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen. Vielen herzliche Dank. Dieses kleine Spendenprojekt wurde am 27.08. abgeschlossen und der Verein konnte insgesamt 1170 Euro Spendengelder erhalten.
In dieser schwierigen Zeit gibt es noch Sachen, die mich sehr erfreuen können. Diese kleine Geschichte mit Anna werde ich immer in sehr positiver Erinnerung behalten.
Das aktuelle Foto zeigt Anna in der Tracht einer verheirateten Frau. Ich finde das hat was. Da wissen die jungen Männer mit möglichen Ambitionen gleich woran sie sind ;-)

 

Lech ist eine Gemeinde mit 1606 Einwohnern am gleichnamigen Fluss im österreichischen Bundesland Vorarlberg und zählt wie beispielsweise auch Ebnit, Damüls oder Mittelberg zu den Vorarlberger Walserdörfern. Die Gemeinde ist ein international bekannter Wintersportort am Arlberg.
Der Ort liegt auf 1400 Meter Höhe und die umliegenden Berge und Skipisten gelten als sehr schneesicher.

 

 

Foto: Vor gut 600 Jahren kommen die ersten Walser nach Lech
Die Walser (
rätoromanisch Gualsers) sind eine alemannische Volksgruppe im Alpenraum. Ab dem späten Hochmittelalter besiedelten sie, ausgehend vom Oberwallis, hauptsächlich Alpengebiete im schweizerischen Bündnerland, im oberitalienischen Piemont und Aostatal, in Liechtenstein, im österreichischen Vorarlberg und angrenzenden Tirol sowie vereinzelt auch im Berner Oberland, in Savoyen, in Bayern und anderswo. Auf einer Länge von rund 300 km im Alpenbogen verteilen sich heute noch rund 150 Walsersiedlungen.

Die Nachfahren sprechen vielerorts noch heute einen höchstalemannischen Dialekt, das Walserdeutsch.

Lech stand im März bis Anfang April unter Quarantäne. Jetzt im Sommer sind Hotels, Restaurants und einige Seilbahnen wieder geöffnet. 
Mit der Rüfikopfbahn bin ich eine Stunde auf 2350 Meter gefahren. Gerne hätte ich das Kreuz,nur gut 500 Meter weiter auf einer kleinen Anhöhe ausgesucht, aber meine Kondition geht gegen null. Ich bin gerade eine Woche nach meiner 6. Operation von einer Anschlussheilbehandlung zurück und belasse es bei einem Wurstsalat, einer Apfelschorle und zwei, drei Fotos direkt am Panoramarestaurant neben der Seilbahn.

Die alte Pfarrkirche wurde etwa 1390 gebaut.
Das war in etwas die Zeit, als die Walser auch diesen Ort besiedelten. 
Die historischen Hintergründe der Walserwanderung sind bis heute nicht völlig geklärt. Eine Ursache für die mittelalterlichen Walserwanderungen könnte der wachsende Bevölkerungsdruck und die Suche nach neuen landwirtschaftlichen Anbauflächen gewesen sein. Die Walserwanderungen stehen hier in einem ähnlichen Kontext wie die deutsche Ostsiedlung. Die Walser entwickelten Techniken, die auch das Bewirtschaften von hoch gelegenen Bergregionen ermöglichten. Die Herrscher der betreffenden Gebiete förderten diese Besiedlung durch Steuerbefreiung und Vergabe besonderer Kolonistenrechte. Somit bot die Neuerschließung von Land den Walsern die Möglichkeit zur Befreiung aus der feudalen Leibeigenschaft. Die Walser wurden wegen ihrer eigenen Rechtsverfassungen auch „Freie Walser“ genannt. Insbesondere aus dem Walserdorf Gressoney stammende Walser wurden seit dem 16. Jahrhundert in der Deutschschweiz und in Süddeutschland als Hausierer, Wanderhändler und später niedergelassene Kaufleute bekannt.

Im Ort ist es um diese Zeit sehr gemütlich. Es sind zwar Ferien, aber die Coronapandemie spielt sicherlich auch eine Rolle. Vielen Menschen ist noch nicht nach Urlaub. 
Die Kosten für Unterkünfte und Restaurantbesuche sind aber auch im Sommer recht hochpreisig.





















Mein Radius für Spaziergänge im Ort ist sehr beschränkt. Ich beschränke mich deshalb auf gutes Essen und einige Fotos aus dem Ort, die jetzt folgen

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© Erhard Krull