Fes

 

Fes hat gut 1 Mio Einwohner und ist die drittgrößte Stadt Marokkos.
Die Medina von Fes ist mit über 70.000 Einwohnern der größte autofreie Stadtteil der Welt.

 

 

Wer Fez mit einem Teppich betritt,
verlässt es mit einem Geldsack.

(marokkanisches Sprichwort)

 

 

 

Der Name soll auf Fas (Fès), „Hacke“ auf Arabisch, den Fund oder die Benutzung dieses Gerätes bei der Stadtgründung hindeuten.

Die Medina von Fes gehört seit 1981 zum Weltkulturerbe und steht somit unter dem Schutz der UNESCO (was bekanntlich bei vielen Stätden/Bauwerken zu Kriegszeiten nichts genutzt hat).

 

 




 

 

So etwas habe ich in 40 Jahren Reisetätigkeit noch nie, noch niemals erlebt. Über 150 Urlaube in ca. 35 Ländern, aber das geht ja wohl überhaupt nicht!
Nach einer kurzen Zugfahrt erreiche ich Fes. Mit Mühe finde ich das Hotel in der Medina. Fes hat mit der Medina den größten autofreien Stadtteil der Erde mit 70.000 Einwohnern!
Man zeigt mir das Zimmer. Das Familienzimmer mit 1 Doppelbett und einem weiteren Bett gefällt mir. Für Medina-Verhältnisse ist es geräumig, insbesondere für 1 Person.. Bevor ich etwas die Stadt erkunde, muss erst noch das Geld versteckt werden. Ich habe für alle wichtigen Dinge einen Brustbeutel mit Reisepass, Impfpass, einer Kreditkarte und etwas Geld. Daneben habe ich ein Portemonnaie mit 2 Kreditkarten (VISA, Eurocard), Personalausweis, Führerschein und etwas Geld. Um nicht einmal mit völlig leeren Händen dazustehen, habe ich in meinem Hosengürtel eine Reißverschluss, hinter dem ich Bargeld verstecke, was mir im Notfall ermöglicht, wieder nach Hause zu kommen.
Aber Brustbeutel und Portemonnaie müssen erst mal versteckt werden. Einen Tresor gibt es in der Unterkunft nicht. Also hebe ich bei dem Einzelbett alle Bezüge und Laken an und verstecke beide Teile in der hintersten Ecke. Kann ja nichts passieren, nur ich habe den Schlüssel und da ich nur das Doppelbett nutze, geht keine Putzfrau an das Einzelbett. Und sowieso ist alles unter so vielen Laken verborgen.....alles ist gut.
Nach einigen Tagen sehr kühlem Wetter (gestern z.B. bewölkt bei 12 Grad, nachts 5 Grad --- in Afrika!) kommt am späten Nachmittag die Sonne raus. Es ist knapp 15 Grad und bei einem Spaziergang genieße ich die Seitengassen der Medina.
Um 18 Uhr (MEZ übrigens 19 Uhr) komme ich zurück in mein Zimmer:
DAS EINZELBETT IST VERSCHWUNDEN - FUTSCH, EINFACH NICHT MEHR DA.....und damit auch sämtliche Papiere, Kreditkarten und etwas Geld. Leichte Panik ergreift mich.
Da ich das Geld im Bett gut versteckt hatte, konnte das Problem nach wenigen Minuten gelöst werden.
Zu den Fotos: ich fotografiere nicht unbedingt immer die grandiosen Bauwerke. Mir gefallen oft die kleinen, etwas maroden Dinge in Nebengassen. jenseits der Souks und der Haupt-Touristenströme.
Wer von meinen Bekannten und Freunden meine Reise im Netz verfolgen möchte noch einmal zur Erinnerung

Foto: Meknes 20.03

Text: Fes 21.03.

Medina (arab. „Stadt“- wir Europäer meinen damit in der Regel die mit einer Mauer umfasste Altstadt).
In den Medinas der jeweilige Städte ist es zwischen den Souks (kleinen Geschäften) dunkel. Sonnenlicht? Fehlanzeige, nicht eine Minute. Die Reichen haben vor Jahrhunderten in der Altstadt tolle Wohnanlagen errichtet, sogenannte Riads mit nach oben offenem Innenhof, mit Bäumen und Grün.
Viele Hotels nennen sich zwar „Riad“, aber die wenigsten haben noch den offenen Innenhof, dafür immerhin sehr häufig eine Dachterrasse mit einem wunderbaren Blick über die Altstadt.
In den einzelnen Riads wohnte früher generationsübergreifend eine Familie. Die Armut treibt immer mehr Menschen aus den Bergen in die Großstädte. Die reichen, teilweise von Königsfamilien (Sultanen) abstammenden Familien zogen lieber in Gegenden außerhalb der Stadtmauern, den Stadtrand oder in die nähere Umgebung.Sie bauten dort tolle Häuser für sich. Die Zugezogenen gingen in die Medinas, die aus allen Nähten platzen. Wo früher die Familie mit vielleicht 10-12 Personen wohnte, leben jetzt 30, 40 oder gar 50 Menschen auf engem Raum. Die Innenhöfe wurden häufig zu Wohnraum umfunktioniert. Jetzt leben viele Familien auf engstem Raum beieinander. Privat- oder Intimsphäre bleiben dabei auf der Strecke und das gerade bei Menschen vom Land, die häufig konservativer als ihre Landsleute in der Stadt sind. Junge Menschen haben oft keine Arbeit und keine Perspektive. Viele „lungern“ herum und gerade in den Großstädten sind sie ein Problem und für mich als Tourist oft nervig.
Ich habe heute für die 3 Tage in Fes einen Deal mit einem jungen Mann (ca. 18 Jahre) gemacht. Er bringt mich in einheimische Lokale mit gutem marokkanischen Essen und holt mich später wieder ab. Ich würde mich mit absoluter Sicherheit verlaufen ;-) Das Personal ruft ihn an, wenn ich nach Hause möchte. Für jeden Weg bekommt er 10 Dirham, also 20 Dirham bei jedem Abendessen. Heute hatte er mich zusätzlich zum Hotel geleitet, also 30 Dirham. Morgen 20, übermorgen 20 und am Abreisetag 20. Das sind insgesamt gut 8 Euro. Da ich gesehen habe, wie er im Restaurant begrüßt wurde, wird es dort auch jeweils etwas geben. Der Monatslohn eines ungelernten Arbeiters soll 30-40 Euro betragen. Mir ist das so recht. Er „arbeitet“ und bekommt, für heimische Verhältnisse einen guten Lohn. Viele wollen helfen, aber die Preisvorstellungen sind völlig neben der Spur (5 Minuten zum Hotel 10 Euro – mehrfach erlebt).
Die folgenden Bilder vermitteln Eindrücke au verschiedenen Medinas, wobei ich die touristischen Highlights oft meide. Diesen Urlaub möchte ich es gern „ruhig“ haben.

Nachtrag 23.03.18
Nachdem der Guide sich schon am ersten Abend um 15 Minuten verspätet hatte, bin ich am 2. Abend nach knapp 15 Minuten allein losgegangen. Ich finde mich seit gestern ziemlich gut zurecht und hatte ein schönes Lokal gefunden. Für ein Menü mit Suppe, einem kleinen Linsen-Leckerli, einer Tjarine, Obst als Nachspeise und einem Kaffee habe ich 6,50 € zzgl. Trinkgeld gezahlt. Es hat geschmeckt.

Mal ein kurzer Text zu den Verkehrsmitteln:
Die besten Busse sind die von Supratours und CTM. Irgendwo habe ich gelesen, dass Supratours besser sein soll. Meine Erfahrung: Beide sind gut zu identischen Preisen. Es gibt weitere Busunternehmer, die günstiger sind, bei denen aber auch die Busse schlechter sind.
In Meknes und Fes haben die Taxen Taxameter. Ich würde darauf bestehen dass sie eingeschaltet werden oder auf jeden Fall VORHER den Preis vereinbaren. Sonst erlebt man unliebsame Überraschungen. Es gibt kleine Taxen (gelb "Petit Taxi" und "Grand Taxi"). Für 1 oder 2 Leute mit Gepäck sind die kleinen Autos die wesentlch preiswertere Alternative. In vielen Städten (Safi, El Jadida) gibt es einen Einheitstarif, egal wohin man in der Stadt gebracht werden will (60, bzw. 90 Cent).
Das Zugfahren mit der staatlichen Eisenbahn habe ich genossen. Ich hatte mehr Zeit die Gegend zu beobachten, als das in den Bussen der Fall war. Selbst die von mir gewählte "1. Klasse" ist bezahlbar. Die 5 Stunden von Al Jadada nach Meknes mit Umsteigen in Casablanca haben ca. 18 € gekostet. Die 45 Minuten von Meknes nach Fes knapp 3 Euro, Sitzplatzreservierung jeweils inklusive.
Ich habe einige Deutsche getroffen, die mit einem Leihwagen unterwegs waren. Alle waren zufrieden. Ich selber bin kein guter Autofahrer und werde in Marokko lieber die öffentlichen Verkehrsmittel wählen.

Dieses Bild ist schon einige Tage alt (El Jadida, Abschiedsessen mit 7 in Worten "sieben" Fischen). Aber ich möchte ja, dass Gästebuchschreiber Dieter B. aus H., Historiker und Archivar meines Vertrauens, nachts wieder gut schlafen kann. Dieter, jetzt bin ich seit 4 Tagen im Landesinneren, also z. Zt. kein Frischfisch. Ab Samstag in Tanger könnte es aber wieder klappen ;-)
Dieter, viel Spaß heute im Landesarchiv!

22.03.2018
Heute haben meine Knochen nicht so mitgespielt, wie ich das gerne hätte und mein Aktionsradius war sehr eng begrenzt. Ich habe deshalb viel gelesen - toller Roman! Kreta fehlt noch in meiner Sammlung (das Buch heißt "Der kretische Gast")
Links ein Bild aus der Medina, wenige Meter von meiner Unterkunft entfernt. Die Menschen in der Altstadt sind in der Regel bitterarm. Das gilt auch für die Grundbesitzer. Für eigentlich notwendige Sanierungsarbeiten fehlt das Geld. Sehr häufig sieht man diese Gerüstkonstruktionen. Damit soll gewährleistet werden, dass das linke Haus nicht auf das rechte fällt und umgekehrt. Mitarbeitern einer mitteleuropäischen Baubehörde würde bei diesem Anblick möglicherweise der Schlag treffen.

Blick von der Dachterrasse in Fes

Auch heute ist mir wieder 2* Kif angeboten worden. Ich lehne immer ab. Dazu ein kleiner Nachtrag von gestern.
Nach dem Abendessen brauchte mich der junge Mann zum Riad zurück. Unterwegs wurden mir von einem Mann 2 Portionen Haschisch angeboten. Nachdem ich abgelehnt habe, hat der Guide sich mindestens 5* überschwenglich bei mir bedankt. Er hafte immer mit für das, was die von ihm geführten Touris tun. Vor zwei Jahren sei ein derartiger Kauf mal in die Hose gegangen. Er habe zwei Tage im Knast gesessen und diese Erfahrung möchte er ungern noch einmal machen.
Übrigens: Ausländer kommen in der Regel nicht mit 2 Tagen davon.
 

Die Medina von Fes gehört seit 1981 zum Weltkulturerbe

23.03.2018
Heute ist der 3. Tag in diesem Urlaub, an dem die Sonne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang vom Himmel scheint. Es dürften mittlerweile so 16-17 Grad sein und nach den kühlen Tagen zuvor genieße ich die Sonne.
Gestern ist in der Unterkunft ein nettes Studentenpaar aus Köln angekommen und wir schlendern am Vormittag gemeinsam zum berühmten Gerberviertel von Fes. Es ist nicht ganz leicht zu finden, aber ein Reiseführer und GPS auf dem Handy helfen weiter. Schon aus einiger Entfernung nehmen wir den unangenehmen Geruch wahr. Fleisch- und Fellreste müssen entfernt werden. Die Brühe stinkt erbärmlich. Nicht alle Handwerker sind geschützt. Teilweise arbeiten sie barfuß und ohne Handschuhe in dieser Brühe. Spätestens nach 2 Jahren müssen denen eigentlich die Füße abfaulen. Es ist schon erstaunlich, was Menschen sich Ungesundes antun, um sich und ihre Familien zu ernähren.

Blick vom Gerberviertel: Auch in Fes gibt es kein Kabelfernsehen ;-)

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Erhard Krull