Lebensweisheit aus Masuren:
Die Dunmen werden nicht gesät,
die wachsen von selbst

Allenstein/Masuren im Oktober 2019

Flug, Appartement und Leihwagen habe ich für rund 300 Euro bekommen. 
Am 02.10. werde ich spätabends ankommen und dann ab dem 03.10.2019 berichten. Das Wetter soll kalt sein (tags um oder unter 10 Grad, nachts gegen 0 Grad - Stand 01.10.).
Demnach werde ich mir wohl kein Fahrrad leihen, sondern verstärkt Museen, Restaurants, Pubs und sog. Milchbars aufsuchen.

 

 

Kleine Episode im Flughafengebäude bein Abholen der Leihwagen. Das war recht zeitaufwendig. Das Ehepaar vorne in der Schlange war fast durch, musste nur noch zahlen.
Eingabe der Geheimzahl: Niete
Er schaut seine Frau an und lächelt.
2.Versuch: Niete
Sie schauen sich gegenseitig recht verzweifelt an. Der Frau fällt die Zahl gerade nicht ein und ihrem Mann auch nicht. Nur noch ein Versuch! Sie beratschlagen, wie denn die Zahl wohl ist.
Dann verlassen sie die Schlange. Nach einer halben Stunde kommen sie zurück. Ich war der vorletzte in der Schlange und bin bald fertig. Sie stellen sich noch einmal an und wollen es auf einen dritten Versuch ankommen lassen.
Ich hoffe, dass sie mit ihrer einzigen Karte doch noch erfolgreich waren.

 

 

Olsztyn (Allenstein) ist eine Hansestadt und die Hauptstadt der Provinz Ermland-Masuren, eine alte Stadt inmitten der Masurischen Seenplatte, im Nordosten Polens. Strenggenommen gehört Olsztyn nicht zu den Masuren, sondern zum Ermland. Aber die Sehnsuchtslandschaften ähneln sich: Hunderte Seen und sanfte Hügel, reich an Alleen, Pferdekoppeln und Wiesen. Ich bin in einem einzigartigen Urlaubsgebiet, wobei die Massen an Urlaubern im Oktober nicht mehr da sind. Jetzt ist bei kühlen Temperaturen und unbeständigem Wettter eher Ruhe angesagt. Ich hab mal wieder angefangen zu lesen.


Das Ermlnd und die Landschaft der Masuren sind dünn besiedelt. Aber Allenstein (Olsztyn) hat immerhin 173.000 Einwohner.  Hier gibt es z.B. Highlights der sog. "Backsteingothik" zu bewundern. Diesen Baustil gibt es in vielen alten Hansestädten des späten Mittelalters. Zur 650-Jahrfeier 2003 wurden einige der Gebäude restauriert und erhielten (zumindest in Teilen) ihre alten gotischen Bachsteinbestandteile zurück. 

Spät am Abend bin ich angekommen. Die Hansestadt Allenstein liegt ungefähr eine Fahrstunde vom gleichnamigen Flughafen entfernt. Nur in einem Lokal gab es gegen 22 Uhr noch etwas zu essen....und ein polnisches Bier dazu.

Mein Appartment befindet sich in einer neuen, recht modernen Anlage. Der Raum ist groß, die Küchenzeile für meine Bedürfnisse etwas zu übersichtlich. Es ist sauber und ruhig. Bis zur Altstadt sind es nur 400 Meter.
Ich bin zufrieden.







 

Die Altstadt ist recht übersichtlich, aber es ist dunkel und das schaue ich mir morgen besser bei Tageslicht an.
 

3.10.2019
Ich hatte schon die letzten Tage ein leichtes Kratzen im Hals. Seit gestern Abend ist die Erkältung mit starkem Husten und Heiserkeit, sowie leichtem Schnupfen zum Ausbruch gekommen. Da hier heute kein Feiertag ist, geht mein erster Gang wohl in eine Apotheke.

Dann habe ich mich doch gegen Apotheke, aber für ein Rezept meiner Großmutter erntschieden: eine heiße Hühnersuppe mit Nudeln, Gemüse und Fleischeinlage
 

Das Lieblingsgemüse unserer östlichen Nachbarn ist natürlich Fleisch.
Die zahlreichen Restaurants mit internationaler Karte sind nicht so mein Ding. Dort werden selbstverständlich für die Touristen auch vegetarische und vegane Speisen angeboten.
Ich habe zwar heute Mittag noch keine sog. Milchbar (Kantine mit gutem heimischen Essen) gefunden, aber ein nettes kleines Restaurant am Rande der Altstadt ("Kuchina Polska" steht am Eingang). Draußen stehen 2 Tische und warm angezogen genieße ich die kaum noch wärmenden Sonnenstrahlen.



Als Gemüse gibt es Kesselgulasch und dazu 4 Reibeplätzchen.

An vielen Ecken finde ich Hinweise auf den wohl berühmtesten Sohn der Stadt. Na ja, zumindest hat er hier eine zeitlang gewohnt und gearbeitet. Der Astronom, Arzt, und Universalgelehrte Nicolaus Kopernicus war immerhin auch der Meinung, dass die Erde keine Scheibe ist. Damit stand er im Gegensatz zu vielen anderen Wissenschaftlern seiner Zeit und auch der Kirche. Hirngespinste hieß es wohl, als er beweisen konnte, dass die Erde sich dreht und um die Sonne kreist.
Das Bild mit den glänzenden Körperteilen erinnert mich an die Eulenspiegelfigur in Mölln, wo auch der Daumen vom vielen Reiben glänzt.





 


Backsteingotik: Tor in der Altstadt

Am Nachmittag bin ich knapp 100 Kilomeer durch die wunderschöne hügelige Lanschaft gefahren, vorbei am Seen, Wiesen, durch Wälder und über Alleestraßen.
Auf den Waldwegen parken unzählige Autos. Jetzt Anfang Oktober sind mmer noch unzählige Pilzsammler unterwegs. Die Pfifferlingszeit ist zwar seit 4 Wochen ziemlich vorbei, aber es scheint noch genügend wohlschmeckende Speisepilze zu geben. Pilzesammeln ist in Polen ein Volkssport. Jeder 4. Pole geht zur Pilzsaison in die Wälder. Jeder hat wohl seinen "geheimen Platz", wo er noch Steinpilze und Maronen findet. Wälder gibt es hier ja genug. Die Pilze werden entweder an der Straße verkauft oder zu Hause gebraten oder gekocht.
Die Alleestraßen mit den uralten Bäumen sind bei Sonnenuntergang wunderschön anzusehen, aber sie sind eng. Als ich dieses Auto sehe, meine ich, dass es klug sein könnte, noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder im Appartement zu sein. Ich habe heute weniger geschafft als ich wollte, aber die Erkältung macht mir ein wenig zu schaffen. Eigentlich wollte ich gerade das gestern gekaufte Brot zum Abendessen belegen, aber es hat jetzt schon Schimmel. Also suche ich gleich eine Lokalität auf, in der ich satt werde.

An jeder Ecke eine schottische Feinschmeckerkette oder KFC, Pizzeria, Gyros, Grieche, Chinese, Cocktail-Bar usw.

Ich ziehe da lieber ein heimisches Essen und ein heimisches Bier vor. Heute Abend gab es "Rouladen Altpolnische Art" mit Roten Rüben, dazu ein polnisches Bier.

Vielleicht werde ich mir aber morgen selber untreu. Eine Ecke weiter in einer Seitenstraße habe ich einen gut besuchten Irish Pub entdeckt. Mal ein Guiness zwischendurch schadet bestimmt nicht und ist eher gesundheitsfördernd.

Schlacht bei Tannenberg (Foto vom 06.10.2019: Teil des Geländes von 1410)
Vor über 600 Jahren fand 20 Kilometer von Olsztyn entfernt eine der größten Schlachten des Mittelalters statt und zwar zwischen den Ortschaften Grunwald (Grünfeld) und Stebark (Tannenberg). Die vereinigten Armeen der Polen, Litauer, Russen, Tartaren und Böhmen schlugen das Heer des Deutschen Ordens, dessen Macht fortan gebrochen war. Bei der Schlacht, an der über 60.000 Soldaten beteiligt waren, fielen 209 der 250 Ordensritter.
Interessant: 1914 gab es in der Nähe von Allenstein eine zweite Schlacht. Die deutsche Armee besiegte die russische. Aus Propagandagründen wurde auch dieses Kampfgetümmel als "Schlacht von Tannenberg" bezeichnet, um die Niederlage von 1410 wieder gutzumachen. Tatsächlich lag aber Hohenstein und nicht Tannenberg im Zentrum der Kämpfe.
 

Die mittelalterliche Burganlage befindet sich oberhalb des kleinen Flusses.
Da heute ein bewölkter und kalter Tag war, habe ich mir das Museum innerhalb der Anlage angeschaut.
Natürlich ist ein Teil Kopernikus gewidmet, der ca. 4 Jahre hier tätig war.
Auf einer Etage gibt es Holzschnitzereien (Heiligenfiguren), insbesondere aus dem 19. Jahrhundet, einige auch aus dem 18. Jh.
Auf einer weiteren Etage hängen Bilder, die mehrere hundert Jahre alt sind. Es handelt sich ausschließlich um religiöse Motive.
Alte Möbelstücke und einiges mehr kann man sich anschauen.
Das Museum ist nicht besonders groß und in einer Stunde habe ich alles gesehen.
Ja, und dann noch die Etage mit Werken des zeitgenössischen Künstlers Anatol. Hat mir gefallen.
 

Anatol - welch ein interessantes Leben!
Ich alter Kunstbanause hätte mich in meinem Leben wirklich etwas mehr um "Kunst" kümmern können, wie um einige andere Dinge auch.
So sagte mir bis vorhin der Künstler Anatol (bürgerlicher Name: Karl-Heinz Herzfeld) nichts. Herzfeld, 1931 in Insterburg geboren (damals Ostpreußen, heute russisch im Bereich Kaliningrad), floh mit seinen Eltern 1945 nach Westdeutschland. Im Mai diesen Jahres ist der Künstler verstorben und im Museum des Schlosses von Allenstein ist eine ganze Etage einer Ausstellung seiner Werke gewidmet. Einzelne, wenige  Werke sprachen mich sogar an. Aber wie so oft in Museen habe ich es mehr mit den Dingen um die Werke herum. Vor wenigen Wochen interessierte ich mich in Emden weniger für die Werke von Emil Nolde, sondern vielmehr darum, wie ein renommiertes Museum heute mit dem Rassisten, Antisemiten und dessen nationalsozialistischer Vergangenheit umgeht.
Heute in Allenstein interessierte mich das Leben des Künstlers, der viele Semester bei Beuys studiert hatte. Ich weiß nicht besonders viel von Beuys, aber immerhin, dass das der mit der Badewanne und der Putzfrau war und mein früherer Kunstlehrer war auch einer seiner Schüler.
Zurück zu Anatol, der seinen Künstlernamen, wenn ich das richtig im Kopf habe, einer Figur des Romans "Krieg und Frieden" entlieh. Als gelernter Hufschmied trat er 1953 mit 22 Jahren in den Polizeidienst ein. Er war Verkehrspolizist, der weite Teile seines Dienstes in Schulen mit Puppentheater verbrachte. Ich meine, im Volksmund heißen diese Beamten "Verkehrskasper". 1991 wurde er mit 60 Jahren aus dem Polizeidienst entlassen (2011 Ernennung zum Polizeirat h.c., Träger des Verdienstordens der BRD, Honorarprofessor der Universität von South Carolina, Ehrenbürger des Staates South Carolina uvm.).  Was der alles während seiner Dienstzeit und später als Pensionär geleistet hat.
Hier mal etwas aus dem Jahr 1976:„Anatol ist gelernter Hufschmied; deshalb / trägt er einen Hufnagel in seinem Hut. / Wenn er nach dem Beruf gefragt wird, / gibt er folgendes zu Protokoll: Bildhauer, / Maler, Zeichner, Puppenspieler, Schmied, / Geschichtenerzähler, Angler, Karikaturist, / Haudegen, Meisterschüler durch Beuys, / jetzt Meister, Mitbegründer der ‚Akademie / Oldenburg‘, Kneipenbruder, CDU-Mitglied, / Polizeibeamter.“


(erschienen im Pardon 1976)

05.10.19
Meine Erkältung lässt mich leider nicht los. Nachdem ich letzte Nacht wieder schlecht geschlafen habe, verbringe ich heute die meiste Zeit im Bett und hole den fehlenden Schlaf der letzten 3 Nächte nach. Gegen Mittag besuche ich ein Cafe am zentralen Platz in der Altstadt. Es ist urgemütlich dort.
Ich lese einige Seiten, trinke einen Mega-Cappuccino, esse einen Kuchen (Foto oben).....und lege mich anschließend wieder ins Bett. Schade, dass ich meine Planungen für heute nicht durchführen kann (Tannenberg und Waldspaziergang). Jetzt ist es 18:00, ich bin gerade wach geworden und sollte an die frische Luft gehen und etwas essen. Ich habe noch 2 Lokale mit u.a. polnischen Speisen, die auf meiner Agenda stehen. Teilweise entdecke ich die Lokale bei den Spaziergängen durch die Nebenstraßen, teilweise orientiere ich mich an den Bewertungen bei Tripadvisor.

Um 20:00 Uhr bin ich schon wieder auf dem Zimmer. Den Irish Pub lasse ich ausfallen, weil mir schon das eine Bier im Restaurant nicht schmeckte.
Die klare Rote Bete-Suppe mit Pierogis war vorzüglich und lecker würzig.


Als Hauptgang gab es das Gemüse unserer polnischen Nachbarn: Fleisch, dazu einen guten Beilagensalat. Das komplette Menü mit Voprspeise und Getränk kostete 9 Öken, mit Trinkgeld also 10.

Wo wir grad beim Essen sind:
Am heutigen Sonntag war ich mittags in dem Restaurant, welches bei Tripadvisor von fast 150 Lokalen am besten abgeschnitten hat. Nr. 1!
Von außen ist das Cudne Manowce Restaurant völlig unscheinbar. Am ersten Abend hatte ich es zwar in einer Seitenstraße bemerkt, ihm aber keine Beachtung geschenkt. Gestern wollte ich hinein, aber abends waren alle Tische in diesem super gemütlichen Lokal besetzt.
Also habe ich es heute Mittag versucht. Die Gulaschsuppe war klasse. Auf so eine Art zubereitet kannte ich sie nicht.
Der Salat (Bild unten) war, wie vieles in Polen, fleischlastig. Er war toll garniert und schmeckte mir auch gut. Das Lokal kann ich empfehlen.

 

 

 

06.10.2019
Da wollte ich doch eigentlich gar nicht hin. Mein Navi führte mich zu einem kleinen Soldatenfriedhof (Bild unten). Jetzt bin ich nicht auf dem Gebiet der Schlacht von Tannenberg (1410), sondern auf dem Gelände der Schlacht von Tannenberg (1914) gelandet. Die Schlachtfelder liegen 10 km auseinander und Hindenburg, der mit seinen Truppen die Kämpfe 1914 gewann, wünschte sich diesen Namen. Das war auch nicht schlecht für das folgende Naziregime. Die Faschisten bauten hier ein Mausoleum für Hindenburg und seine Frau. Der Ort wurde ein Wallfahrtsort im Dritten Reich. Da das Reich aber keine tausend Jahre hielt, sondern nur bis Mai 1945, wurde die Wallfahrtsstaätte von Pionieren vor den heranrückenden Russen gesprengt. Das war im Januar 1945. Der Leichnam Hindenburgs landete in Westdeutschland.
Heute erinnern 2 Kreuze und ein Stein an 20 unbekannte deutsche Soldaten (Bild unten). Die kleine Anlage wurde von der Deutschen Kriegskräberfürsorge angelegt.

Nach gut 10 Minuten erreiche ich dann auch die Gegend umTannenberg, wo die Schlacht 1410 tobte. Hier wollte ich ja eigentlich hin.
Ich machte auf dem Gebiet einen kleinen nachdenklichen Spaziergang und habe mich in dem Zusammenhang auch gleich um mein Abendessen gekümmert. Heute koche ich mal selber. Es gibt ein Pilzgericht.

Es ist so traurig für mich. Bei Youtube finde ich Szenen, in denen Werbung für die Jagd im Land der Masuren gemacht wird. Hier werden kapitale Hirsche und Sauen erlegt. Und die Jäger freuen sich wie die Schneekönige über die toten Tiere, die für Geld zum Abschuss freigegeben werden. Für mich ist eine derartige Jagd pure Lust am Töten. Wie oft heißt es, dass die Jäger nur hegen und pflegen und ihnen am Töten gar nichts liegt. Weshalb wird denn in Afrika Geld dafür ausgegeben, die "Big Five" zu erlegen? Das kostet ungefähr 1 Mio. Auch hier wird viel Geld dafür ausgegeben, einen kapitalen 16-Ender oder eine Sau zu erlegen. Schämt euch!
Überschrift eine Werbefilms: "4 Jäger, 13 Böcke, 1 Wildschwein in 3 Tagen".
Das sagt mir doch alles!

Jäger sind Menschen, denen niemand ausreden kann, dass es für einen Rehbock kein größeres Vergnügen gibt, als von einer Kugel getroffen zu werden.


Auch ich erlege gerne Tiere......mit meinem Fotoapparat.

Ivonne, benötigst Du noch einen Kinderwagen?
Falls ja, würde ich mal versuchen, dieses schöne Exemplar mit in den Flieger zu bekommen. Die befördern ja Sportgeräte.

Wenn ich mir den Namen des Restaurants besser angeschaut hätte, wäre es mir sicherlich aufgefallen. Hier gibt es tschechische Speisen und ausschließlich tschechisches Bier.
Eigentlich hatte ich anschließend vor, mir noch ein Guinness zu gönnen (Bild unten vom Nachmittag), aber erkältungsbedingt schlender ich lieber nach Hause.
 

Das Praktische am Urlaub ist,
dass er einem nicht nur die Kraft gibt,
die Arbeit wieder aufzunehmen,
sondern einen auch derart pleite macht,
dass einem gar nichts anderes übrig bleibt.


Letzter Abend.
Das war's.
Ein letztes Foto
aus "Old Town" und damit beende ich die kleinen Texte zu meinem Kurzurlaub in Olsztyn
(Allenstein)

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© Erhard Krull