Tuol-Sleng-Genozid  Museum

Ich möchte schreien!
Heute war ich im Tuol-Sleng-Genozid Museum in Phnom Penh.
Hier werden wirklich unvorstellbare Grausamkeiten der Khmer Rouge dokumentiert. Die Gefangenen kamen aus allen Ecken des Landes. Immer wurde die gesamte Familie inhaftiert, damit sich später keiner rächen konnte. Als 1979 die Vietnamesen das Land von den Roten Khmer befreiten, waren noch 14 Gefangene am Leben, wovon 7 ...
kurz nach der Befreiung starben, so dass bei 14.000 bis 20.000 Getöteten von 7 Überlebenden ausgegangen werden kann. Zu diesen 7 Personen gehörten Babys und Künstler, die Bildnisse der Großen Bruders Nr. 1 (Pol Pot) anfertigen sollten.
Die Gefangenen wurden gefoltert und zu Geständnissen gezwungen. Irgendwann hat jeder zugegeben, was die Peiniger hören wollten. Das erinnert mich an Inquisition und Hexenverfolgung durch sogenannte Christen im späten Mittelalter.
Die Foltermethoden reichten über Daumenschrauben und das Abkneifen aller Fingerkuppen nacheinander mit klobigen Zangen zum Einführen von Säuren und Alkohol in die Nase. Gefangenen wurden die Hände auf den Rücken gebunden und sie an einen Galgen gehängt. Sobald sie ohnmächtig wurden, stand ein Bottich mit abgestandenem Wasser bereit. Sie wurden dort mit dem Kopf eingetaucht und sobald sie wieder bei Bewusstsein waren, ging die Tortur weiter.
Ein weiteres Verhörmittel war das auch bei Amerikanern sehr beliebte Waterboarding. Stromstöße, Auspeitschen uvm. gehörte zur Tagesordnung.
Wenn die Peiniger die Geständnisse hatten, die sie haben wollten, wurden die Gefangenen getötet, häufig auf den sogenannten Killing Fields. Um Munition zu sparen, wurden sie mit Schaufeln erschlagen oder ihnen wurde die Kehle durchgeschnitten. Babys wurde so lange vor Bäume geschlagen, bis sie tot waren.

Nach der Verhaftung wurden die Gefangenen gemessen und fotografiert. Die persönlichen Daten wurden erfasst, wie auch später die Geständnisse. Dabei waren die ca. 1700 "Beschäftigten" so präzise und genau, wie wir Deutschen das aus den Konzentrationslagern der Naziherrschaft kennen.
So sind in dem Museum tausende von Fotos Ermordeter und deren "Geständnisse" zu sehen - den Ermordeten wird ein Gesicht gegeben. Ich erinnere mich an eine Ausstellung im Herforder Zellentrakt, wo den ermordeten Herforder Juden durch Fotos und andere Dokumente "ein Gesicht gegeben" wurde.
Der Leiter des Gefängnisses arbeitete jahrelang unerkannt für eine amerikanische Flüchtlingsorganisation, bis er entdeckt und zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Von den Zellen, Folterinstrumenten usw. dürften keine Fotos gemacht werden. Aus Respekt vor den Toten ist mir das sehr recht. Einige der Besucher zückten zwar ihr Smartphone um Bilder zu machen, an in einem solchen Museum fällt es mir persönlich sehr leicht, mich an das Verbot zu halten.
Das Foto zeigt ein Mahnmal auf dem Gelände.

Morgen werde ich eines der Killing Fields anschauen.

 

 

 

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© Erhard Krull