Siem Reap/Ankor Wat

Schnellboot von Phnom Penh nach Siem Reap


Die Bootsfahrt von Phnom Penh nach Siem Reap ist völlig überteuert und, zumindest für Touristen, nicht verhandelbar (35 Dollar). Aber für mich persönlich hat sich die Fahrt gelohnt.
Die ersten 3,5 Stunden geht es über den Tonle Sap, einen der größeren Nebenflüsse des Mekong. Am Ufer sehen wir arme, wirklich arme Hütten. die teilweise auf Stelzen gebaut wurden.
Weiter geht die Fahrt über den gleichnamigen See, den größten See Südostasiens. Das Land ist nicht mehr sichtbar und wir begegnen nur einigen Fischern auf ihren kleinen Booten, die ihrer Arbeit nachgehen.
Hier mal eine kleine statistische Zahl: Der Durchschnittverdienst in diesem armen Land liegt mtl. bei 30-35 Euro.
Das Schnellboot fährt in den Monaten Oktober bis März, weil ansonsten der Wasserstand zu niedrig ist. Trotzdem gibt es kurz vor Ende der Reise einen kräftigen Ruck. Wir setzen auf eine Sandbank auf. Zum Glück ist niemand vom Deck ins Wasser gefallen, aber einige haben einen heftigen Schreck bekommen.

 

 

 

Siem Reap

Die Stadt hat nur knapp 200.000 Einwohner, aber den größten Flughafen.
In den meisten Ländern der Erde ist der jeweils größte Flughafen in der Hauptstadt oder in der größten Stadt des Landes. Bei uns in Deutschland hatte man rechzeitig erkannt, dass die Berliner keine großen Flughäfen bauen können und sich für das Drehkreuz Frankfurt entschieden. Hier hat es einen anderen Grund und das ist....ANKOR WAT, die größte Tempelanlage der Welt.
Wer nach Ankor Wat möchte, muss mindestens eine Übernachtung in Kambodscha buchen. Das Land möchte keine Tagestouristen aus Thailand, sondern einige Devise auch von Kurzurlaubern. Ich kenne das Problem aus Ostafrika. Als Kenia in der Touristengunst weit oben stand, haben die Touris einen kleinen Tagesabstecher zum Kibo, dem höchsten Berg des Kilimanjaro gemacht. Tansania hatte den Müll und der nördliche Nachbar die Devisen. Mittlerweile landen viele Touris in Arusha und besuchen den Serengeti- Nationalpark und den Kibo. Als erstes werde ich mir gleich den Nachtmarkt anschauen. Er ist in der Nähe des Hotels.
Ankor Wat besuche ich übermorgen und mache eine gesonderte Seite auf.

größte Tempelanlage der Welt (Angkor)

Marmor, den wir behauen, zerbricht. Metall, das wir verzieren, löst sich auf. Tempel, die wir bauen, zerfallen. Wenn wir aber dem Geist des Menschen die Grundsätze des Guten einprägen, dann schreiben wir auf eine Tafel, die nicht gelöscht wird vom Wandel der Zeiten.

 

 

Landminenmuseum

Nur 20 Kilometer von Siem Reap entfernt besuche ich das Landminenmuseum. Aki Ra ist der Gründer dieses beeindruckenden Museums. Mit 5 Jahren wurde er von den Roten Khmer entführt. Mit 10 Jahren erhielt er seine erste Waffe um zu kämpfen. Mit 11 Jahren musste er Landminen verlegen. Noch als Kind wurde er von den Vietnamesen gefangen genommen und kämpfte fortan gegen die Roten Khmer. Nach den Kriegshandlungen hat er sich zur Aufgabe gemacht, Minen zu entschärfen und Minenopfern zu helfen. Er hat in der von ihm gegründeten NGO viele Helfer. Verstümmelte Kinder werden dort aufgenommen. Ein Mann, eine Frau benötigen einen ganzen Tag, um 50-100 m² Fläche minenfrei zu machen. Während noch in den 80iger Jahren tausende Kambodschaner jährlich von den Anti-Personenminen verletzt oder verstümmelt wurden, sinkt die Zahl der Getöteten auf eine untere dreistellige.
Die Herstellung einer Anti-Personenmine kostet 1 $, die Vernichtung über 1000 $. Der Eintrittspreis hilft den mutigen Menschen, die die Minen vernichten und den verstümmelten Opfern.
Eine kleine Episode fand ich bemerkenswert: Als Aki Ra für die Vienamesen kämpfen musste, schoss aus 50 Meter Entfernung sein Onkel (Roter Khmer) auf ihn, ohne ihn zu erkennen. Aki Ra feuerte absichtlich daneben. Nur wenige Jahre später erzählte er die Geschichte. Beide lachten. Jetzt hilft der Onkel mit im Museum.

 

 

Landminenmuseum II

Foto: Musiker mit amputierten Gliedmaßen findet man sehr oft in Kambodscha.

Ich hatte mich im Vorfeld über dieses Museum informiert. Bei einigen Kritiken muss ich dann doch lächeln, trotz des ernsten Themas:„

Ist ein Abstecher wert. „Leider nur auf einheimische und auf englischsprachige Besucher ausgerichtet. Aber eindrucksvoll.“
Was erwarten deutschsprachige Besucher in Kambodscha? Ist ja wirklich schade, dass es hier keine Wiener Schnitzel und Eisbein mit Sauerkraut gibt. Zur Ergänzung: In den hiesigen Museen gibt es leider auch keine spanischen, französischen, norwegischen, kisuaheli usw. Beschreibungen. Wenn ich bereit bin, 3 Dollar mehr auszugeben, bekomme ich aber in den meisten Museen deutschsprachige Audio-Guides. Mit einem Knopf im Ohr werde ich durch die jeweiligen Ausstellung geführt.
Jetzt aber zu diesem Museum:
Kambodscha ist nach Afghanistan das am meisten verminte Land der Erde. Selbst 20 Jahre nach den letzten Kriegshandlungen sterben immer noch Menschen durch explodierend Landminen oder werden schwer verletzt. Das Pol Pot-Regime hatte sich völlig abgeschottet, damit kein anderes Land von den barbarischen Morden an der Bevölkerung erfuhr. So haben sie umfangreiche Minenfelder an den Grenzen zu den Nachbarländern Thailand, Laos und Vietnam angelegt. Auch wurden beispielsweise die Killing Fields (ca. 300) durch Minenfelder gesichert.
Gut finde ich, dass der Eintrittspreis dieses Museums dazu genutzt wird, die Menschen zu bezahlen, die beim Räumen der Minen ihr Leben einsetzen und diejenigen, die durch die Explosionen verstümmelt wurden. Dabei handelt es sich oft um spielende Kinder. Für dieses Projekt/Museum abseits der Highlights Ankor Wat u.a. ist mir deshalb der Eintrittspreis in Höhe von 5 Dollar recht. Dieses mutige Projekt verdient Unterstützung.
Abseits der Straßen können auch noch heute weite Teile Kambodschas nicht betreten werden.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Erhard Krull